Titel: Anfertigung sehr schöner Estriche.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 109/Miszelle 8 (S. 316–317)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj109/mi109mi04_8

Anfertigung sehr schöner Estriche.

Die Mischungsart und die Ausführung des Estrichs selbst ist sehr einfach und kann von jedem Maurer, bei einiger Intelligenz von jedem Arbeitsmanne, ausgeführt werden. Torfasche wird durch ein gewöhnliches Gartensieb geworfen; von dieser gesiebten Asche werden 7 Karren abgemessen und demnächst ein Karren voll gewöhnlich gelöschter Steinkalk (Weißkalk) genommen, so daß das Verhältniß dem Raume nach 1 Theil Kalk und 7 Theile Torfasche ist. Die Mischung wird in einer gewöhnlichen Kalkbank gemacht, und zwar so, daß man erst etwas Asche und etwas Kalk nimmt, Wasser zugibt, solches durcharbeitet und allmählich nun immer mehr Asche und Kalk zusetzt und mit Wasser so verdünnt, bis das Ganze eingesumpft, durch fleißiges Mengen und Umstechen zu einer gleichmäßigen, möglichst steifen Masse geworden ist, wo sie dann, nachdem man sie aus der Kalkbank herausgeschlagen hat, verarbeitet werden kann, während dessen man in der Kalkbank wieder ein gleiches Quantum zubereitet. Eine sorgfältig gemischte, recht steife Masse ist nothwendig, jedoch muß so viel Wasser gegeben werden, daß die Asche mit dem Kalk eine Verbindung eingehen kann, was einige Zeit erfordert. Ist diese Masse zu dünn, so gibt sie nachher beim Trocknen viele große Risse; je steifer man daher die Masse zubereitet und verarbeitet, um so weniger Risse werden entstehen. Didier hatte bei seinen Gebäuden zwischen den Balken Schalfüllhölzer einschränken und auf diese einen gewöhnlichen Lehmschlag von Lehm und Sand und Torfgrus, mit den Oberkanten der Balken gleich, auftragen lassen. Nachdem dieser Lehmschlag so weit getrocknet war, daß man darauf gehen konnte, wurde eine 1½ Zoll starke Latte als Richt- und Streichscheit darauf befestigt, von der Masse zwischen der Wand und dieser Latte aufgetragen, mittelst eines kleinen Reibebrettes gut zusammengeknetet und vorerst oberflächlich, unter Anwendung von wenig Wasser, durch ein 4 Fuß langes Reibebrett nach der Stärke der Streichlatte abgeglichen. Darauf nahm man diese Streichlatte wieder fort, legte sie auf 3 Fuß Entfernung von ihrer ersten Stelle parallel damit wieder fest, füllte diesen Zwischenraum wieder mit der Masse, knetete und ebnete sie wie vorher, und fuhr so fort, bis man den ganzen Boden 1½ Zoll stark mit dieser Masse belegt hatte. Die Masse bekommt am zweiten Tage große Risse; sowie sich solche zeigen, muß ein Arbeiter, auf einem Brette stehend, die aufgetragene Masse mit einem starken, 10 Zoll breiten, 2 Fuß langen, mit einem nach oben schräg aufstehenden Stiele versehenen, unten egalen und platten Handschlägel recht tüchtig schlagen. Hiedurch wird das in der unteren Masse befindliche Wasser zur Oberkante der Masse heraufgezogen, die Risse verschwinden und die offen gewesenen Stellen vereinigen sich wieder. Dieses Schlagen muß noch einige Tage lang und so oft, zuletzt mit Anwendung von wenig Wasser, das man mit einem Pinsel über die Masse spritzt, wiederholt werden, bis die Masse fest ist und sich keine Risse mehr darstellen. Die Masse ist nun zwar noch bildsam, allein doch schon so fest, daß man darauf, ohne bedeutende Eindrücke nachzulassen, gehen kann. Demnächst geht ein geübter Mann, auf einem Brette knieend, dabei, feuchtet die Masse noch einmal mit einem Pinsel an und gibt mit dem großen Reibebrette dem ganzen Estrich cine accurate Ebene und eine Art Politur. Zeigen sich später noch kleine Risse, so werden solche sauber mit etwas dünner Masse zugestrichen, bis der Estrich ganz vollkommen trocken und hart ist, was, je nach der Witterung, in 8 bis 14 Tagen der Fall seyn wird. Mit der Zeit nimmt die Masse an Härte immer zu. Das öftere Anfeuchten der Masse ist nothwendig, damit die äußere Trocknung so lange aufgehalten wird, bis die untere mitkommt. Je feiner man die Asche siebt und je öfter man das Abreiben und Poliren mit dem Reibebrett wiederholt, |317| desto sauberer und glätter wird die Oberfläche des Estrichs. Man braucht bei dem Verhältniß von 1 Theil Kalk auf 7 Theile Asche gerade nicht sehr ängstlich zu seyn; man untersuche die Asche vorher; enthält sie kohlensauren oder schwefelsauren Kalk, so ist dieß Verhältniß gut; ist sie frei von Kalk oder Gyps, so nehme man etwas mehr Kalk. Zu viel Kalkzusatz gibt eine leicht trocknende Masse, die aber zu große Risse macht.

Dergleichen billige, feste, ebene und feuersichere Fußböden kann man überall ohne Bedenken anwenden, wo sie zweckdienlich sind, als z. B. zur Belegung von Corridoren, Passagen, Fluren, Hausböden, Malztennen, Fabrikräumen, Darrräumen, Waschräumen, Wagen- und andern Remisen, Backhausräumen, Brennereien, Kohlenräumen, Dampfmaschinen- und Kessellocalen, Vorrathskammern etc. statt der Fußböden von Dielen oder Ziegeln. Feuchtigkeit und Oel löst die Masse in geschützten Räumen nicht auf, der freien Witterung, bei allen Stadien des Frostes ausgesetzt, dürfte sie aber wohl nicht vollkommen widerstehen; ebenso würde sie, als Mauerbewurf, nur innerhalb der Gebäude, aber dann auch sehr gut anwendbar seyn. Wenn dieser Estrich zur Belegung von Bodenräumen angewendet werden soll, so ist nicht außer Acht zu lassen, daß eine gewöhnliche Dielung mit Brettern solchen Böden und dem Gebäude selbst eine große Festigkeit gibt, indem das vielmalige Nageln der Dielen auf die Balken eine sehr nützliche Spannung hervorbringt, zumal wenn solche Böden stark belastet werden. Diese Spannung und die dadurch herbeigeführte größere Sicherheit fällt allerdings bei diesem Estrich fort und muß deßhalb dabei mit Vorsicht verfahren und anderweit für hinreichende Solidität gesorgt werden. (Sprengel's Monatsschr.)

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