Titel: Ueber die Anfertigung der Buchdruckerwalzen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 109/Miszelle 6 (S. 397–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj109/mi109mi05_6

Ueber die Anfertigung der Buchdruckerwalzen.

Man nimmt acht Pfund des schönsten, durchsichtigen Tischlerleims, bricht ihn in kleine Stücke, gießt so viel kaltes Regen- oder weiches Flußwasser darauf, bis derselbe davon bedeckt ist, und läßt ihn so einige Stunden lang erweichen, indem man die Masse öfters umrührt. Wenn sich endlich das Wasser ganz in den Leim eingezogen hat, so bringt man die Leimgallerte in ein sogenanntes Wasserbad, d. h. man erhitzt einen Kessel mit Wasser nach und nach bis nahe zum Kochen desselben, |398| und stellt in dieses das den Leim enthaltende Gefäß, zieht letzteres jedoch wieder heraus, sobald das Wasser im Kessel zu sieden anfängt, und bringt in einem andern Geschirre sieben Pfund Zuckersyrup, Melasse, in den Kessel, läßt aber diesen kaum warm werden, schüttet ihn sodann zu der Leimlösung und rührt die Masse gut durcheinander.

Nun bringt man die Mischung von geschmolzenem Leim und Syrup wieder in das Wasserbad, rührt dieselbe beständig um, verhindert aber daß sie zum Sieden komme, indem man nur ein schwaches Feuer unterhält, oder, wenn das Wasser im Kessel zu heiß werden will, ein wenig kaltes Wasser in dasselbe gießt. Nach einer halben Stunde nimmt man das Geschirr mit der Masse aus dem Kessel heraus, läßt sie ein wenig abkühlen, und gießt nun dieselbe in die Form, welche aus Zinn, Weißblech oder Kupfer bestehen kann und etwas höher ist, als die Höhe beträgt welche die Walze bekommen soll, übrigens aber nichts als ein hohler Cylinder ist, dessen Weite der Dicke der Walze gleichkommt, und in deren Achse ein hölzerner Stab befindlich ist, um welchen sich die Masse anschließt, und vermittelst welchem die fertige Walze zum Gebrauch in ihrem Gestelle befestigt wird.

Das Eingießen der Masse in die Form muß langsam und mit Vorsicht geschehen, damit die Luft entweichen kann und die Walze keine Blasen oder Höhlungen bekommt. Im Winter wird man die Walze in acht bis zehn Stunden, im Sommer etwas später hinlänglich fest finden, um sie aus der Form herausziehen zu können, wobei man langsam zu verfahren hat. Das Stück um welches die Walze zu lang ist, wird dann abgeschnitten und die Fläche mit einer erwärmten Messerklinge gehörig geebnet.

Alte Walzen werden auf die nämliche Art wieder umgeschmolzen, indem man sie zuerst mit Lauge abwäscht, und dann etwas weniges Wasser und Syrup zusetzt. Das ganze Verfahren gelingt jedoch besser, wenn man damit anfängt, aus zwei Pfund Leim und vier Pfund Syrup eine neue Masse zu bilden, und dieser die alte dann zusetzt.

Daß die Form, der hohle Cylinder, sehr gleich, rund und gerade gearbeitet seyn müsse, versteht sich von selbst. Zum Gießen der Walze wird er aufrecht gestellt, also am unteren Theile verschlossen, und so stehend erhalten, bis die Walze herausgenommen werden kann. (Böttger's polytechn. Notizbl., 1848 Nr. 5.)

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