Titel: Ueber die Anwendung des Asphalts; vom Salineninspector Hellmann zu Salzbronn im Elsaß.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 109/Miszelle 7 (S. 398–399)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj109/mi109mi05_7

Ueber die Anwendung des Asphalts; vom Salineninspector Hellmann zu Salzbronn im Elsaß.

Die Anwendbarkeit des Asphalts wird auf so mannichfache Weise beurtheilt, daß es mir geeignet schien, über Dauer und Haltbarkeit einiger Asphaltconstructionen genaue Beobachtungen bekannt zu machen. Bekanntlich wird der Asphalt zu Reservoiren verwendet, die bei hohem Wasserdrucke wasserdicht seyn müssen, aber, wie man ihn gewöhnlich anwendet, es selten sind. Der Grund hievon liegt:

1) in der Art der Verarbeitung,

2) in seinem Verhalten gegen die Atmosphärilien und kohlensäurehaltigen Flüssigkeiten,

3) in einer ihm eigenthümlichen physikalischen Eigenschaft.

Hat man Asphaltconstructionen auszuführen, so übernimmt sie meist die Administration der Asphaltminen, schickt deßhalb ihre Arbeiter an Ort und Stelle, wo sie im Gedinge arbeiten; diese wollen viel gewinnen, arbeiten daher meistens schnell und oberflächlich, woher die mannichfachen Klagen der Unhaltbarkeit des Asphalts entstehen. Ein Blick auf die Arbeit selbst wird das Gesagte näher begründen. Die Asphaltstücke werden in kleinere zerschlagen, in einen eisernen Kessel geworfen und bei gelindem Feuer unter Zusatz eines Erdpechs, „Vallona“ genannt, geschmolzen; damit der Asphalt nicht an den Wandungen des Kessels anbrennt, rührt man die schmelzende Masse mit eisernen Stangen durcheinander. Der Vorschrift der Minenadministration zufolge wird der heiße Asphalt auf Backsteingemäuer aufgetragen, mit |399| welchem er sich auf das festeste verbindet; der mehrere Linien dick aufgetragene Asphalt wird dann mit einem heißen Eisen geglättet.

Im wesentlichen ist dieß die Art der Asphaltverarbeitung zu Reservoiren! Dem Laien mag sie bei oberflächlicher Betrachtung genügen, die Zeit lehrt ihn dagegen eine bittere Erfahrung. Ist das Reservoir mit Wasser gefüllt, so hält es auch anfänglich Wasser; doch nach kaum acht Tagen rinnt dieses an vielen Orten und man weiß sich nun keinen Grund der Täuschung anzugeben. Man reparirt und läßt wieder repariren, allein nur auf kurze Zeit sieht man seine Mühe gelohnt, die alten Verhältnisse treten wieder ein und nach kurzer Zeit sieht man ganze Flächen Asphalts sich losschälen, andere erhalten Falten, reißen nnd springen, kurz der Asphalt versagt seine Dienste. Da solche Constructionen sehr theuer kommen und man sie nicht gern zweimal macht, so machte ich es mir zur Aufgabe, den Grund dieser geringen Haltbarkeit aufzusuchen und eine Verarbeitungsweise des Asphalts zu veröffentlichen, durch welche er an Haltbarkeit und Dauer von nichts übertroffen wird.

Trägt man heißen Asphalt auf ein Backsteingemäuer auf, welches der Luft ausgesetzt war, so entstehen bei der Berührung Dampfblasen, die durch die Asphaltschichte steigen und ein cylinderförmiges Löchelchen hinterlassen, was durch das Glätteisen wohl überglättet, aber nicht beseitigt wird. Je nach dem Feuchtigkeitsgrade der Backsteine entstehen mehr oder weniger solche kleine Oeffnungen, die den Ruin der ganzen Construction herbeiführen. Das Backsteingemäuer wird nach und nach feucht, die Asphaltdecke schält sich los, fällt ab etc. Leider mag auf diese Art schon manche schöne Construction zu Grunde gegangen und hiedurch der Asphalt in Verruf gekommen seyn. Mit trockenen, vorher erwärmten Backsteinen verbindet sich der Asphalt auf das Innigste; man kann eher den Backstein selbst zerschlagen, als die an ihm haftende Asphaltschichte trennen. Deßhalb ist es unbedingt nothwendig, soll die Anwendung des Asphalts von Erfolg seyn, die Backsteine zu erwärmen und sie vollkommen trocken zu haben, ehe sie mit heißem Asphalte in Berührung kommen. Ferner bin ich der Meinung, ein Backsteingemäuer nicht nur mit einer Asphaltdecke zu überziehen, sondern die einzelnen Stücke selbst in Asphalt zu legen und keinen Speis mit ihnen in Berührung zu bringen, aus dem sie jedesmal Feuchtigkeit aufnehmen.

Bei Anfertigung eines Reservoirs verfährt man daher auf folgende Weise. Um die Stärke der Mauer zu erhalten, führe man eine äußere Umfassungsmauer aus rauhen Steinen auf; ist diese vollendet, so schreite man zur Aufführung der innern Backsteinmauer, die man ganz in Asphalt legt und zweckmäßig mit dem rauhen Gemäuer verbindet. Liegen die Backsteine gut in Asphalt, so verkleide man so schnell als möglich die äußere Fläche, also die Stirnfläche mit der gewöhnlichen Asphaltdecke. Diese Bauart kommt theuer, hält aber ewig! Denn nächst der Undichtigkeit jener Decke bei der gewöhnlichen Verarbeitung, erhält der Asphalt durch den Zusatz der Vallona beim Schmelzen die Eigenschaft, auf verticalen Flächen mit der Zeit Falten und Unebenheiten zu bilden, welche eine Folge seiner erhaltenen Zähigkeit und seines hohen Gewichts ist. Erhält er jedoch an dem aus den Fugen hervorstehenden oder vielmehr in diesem Asphalt einen Haltpunkt, so ist auch der Decke jene Festigkeit geboten.

Wendet man den Asphalt auf die von mir beschriebene Art an, so bietet er das sicherste Mittel, Reservoire von großer Ausdehnung zu bauen, und übertrifft den Cement bei weitem an Haltbarkeit. (Berg- u. hüttenm. Ztg.)

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