Titel: Ueber den Ertrag der Kühe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 109/Miszelle 12 (S. 482–483)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj109/mi109mi06_12
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Ueber den Ertrag der Kühe.

Eine schätzenswerthe Arbeit über diesen Gegenstand veröffentlichte Hr. A. Jul. Naville im Bulletin de la Classe d'Agriculture de la Société des arts de Genève Die praktischen Ergebnisse seiner auf alle Arten von Viehheerden mehr oder weniger anwendbaren Berechnungen und Versuche sind folgende:

1) Es ist unvortheilhaft, zahlreichere Heerden zu halten, als die Umstände, in welchen man sich befindet, es wohl gestatten, d. h. als nach Maaßgabe der bestimmten Menge Nahrung, die man ihnen reichen und der Sorgfalt, die man ihnen angedeihen lassen kann. Es ist viel vortheilhafter und nutzbringender, eine kleinere, aber wohl genährte und gepflegte, als eine zahlreiche, aber nicht hinlänglich ernährte und gepflegte Heerde zu besitzen.

2) Wenn man den Ertrag einer Heerde hierzulande (franz. Schweiz), die aus Kühen mittlern Schlags besteht, welche den größten Theil des Jahres hindurch im Stall gefüttert werden und ihre Kälber drei Wochen lang säugen, im Durchschnitt zu 6 31/100 Liter annimmt, wobei die von den Kälbern oder Färsen verzehrte Milch in Rechnung gezogen wird, so dürfte man sich von der Wahrheit nicht sehr entfernen.

3) Da unter den Kühen hinsichtlich des mittlern Milch-Ertrags ein sehr großer Unterschied stattfindet, so muß man, wenn man einen guten Ertrag von seiner Heerde haben will, sehr darauf sehen, nur gute Milchkühe zu haben.

4) Bei einer etwas zahlreichen Heerde läßt sich nicht darauf rechnen, für jedes Jahr der Kuh ein Kalb zu erhalten. Zu Vilette verhält sich die Zahl der verkauften Kälber zu jener der Kühe wie 864 zu 1000.

5) Das mittlere Gewicht der Kälber kann bei uns zu 130, oder wenn man die 2 Pfd. mitrechnet, welche der Metzger 20 Tage nach ihrer Geburt wegschneidet, zu 132¼ Pfd. Angenommen werden.

6) Die Stiere sind von sehr großem Einfluß auf den Stand einer Heerde; ihre Race ist von Einfluß auf die Qualität und das Gewicht der Kälber.

7) Von dem größten Einfluß auf das Product und die Haltung einer Heerde ist die Quantität und Qualität des Futters; 30–31½ Pfd. guten Heues können als die Normalration für Kühe von 900–950 Pfd. angesehen werden.

8) Für die Gesundheit der Kühe und die Menge und Güte ihres Products ist es von großem Belange, daß diese Ration aus verschiedenen Bestandtheilen bestehe, und zwar aus wässerigen, stickstoffhaltigen, zuckerhaltigen Substanzen und den zu den verschiedenen thierischen Functionen nothwendigen Salzen. Daher muß das trockne Futter, wie Heu und Stroh, immer auch mit wässerigem Futter, wie Runkelrüben, Rüben etc. nöthigenfalls auch mit Oelkuchen, Getreide, Bohnenmehl etc. vermengt werden.

9) Nicht mit Recht wird behauptet, daß die Runkelrüben Verwerfen oder Krankheiten zur Folge haben und die Kühe entkräften; der Gegenbeweis ist, daß solche Kühe 12 Jahre lang in unserm Stalle waren und nur eine einzige contagiöse Krankheit und nur sehr wenig Fälle von Verwerfen vorkamen.

10) Die Wahl des Kuhstallknechts ist von großem Belang für das Gedeihen einer Heerde; derselbe muß das Futter nach der Größe seiner Kühe umsichtig einzutheilen wissen.

11) Die Jahrgänge haben einen mehr oder weniger directen Einfluß auf den Milchertrag und die Gesundheit der Heerde; dieser Einfluß entspricht beinahe ganz dem des Futters.

12) Das Product einer Kuh läßt sich, den Dünger inbegriffen, jährlich ungefähr auf 264–281 Fr. anschlagen. (Moniteur industriel, 1848, Nr. 1235.)

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