Titel: Poudrettedünger.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 109/Miszelle 13 (S. 483–484)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj109/mi109mi06_13

Poudrettedünger.

Seit zwei Jahren besteht in Frankfurt a. M. unter der Leitung von Hrn. Le Bourgo eine Fabrik von Poudrettedünger. Dieser Dünger besteht größtentheils aus menschlichen Excrementen, bei welchen die schwefel- und stickstoffhaltigen Stoffe |484| durch Zugabe sowohl von Eisenvitriol als thierischer Kohle zweckmäßig fixirt sind. Je nach der Beschaffenheit des Bodens und den Bestandtheilen der Gewächse, für welche der Dünger gebraucht werden soll, finden dann noch Beimischungen von eigens präparirtem Blut und Muskelfleisch, Knochenmehl, Strohasche und verschiedenen alkalischen und Erdsalzen statt. Man verkauft diese Poudrette in drei Hauptqualitäten, nämlich

I. für Weinberge, Gärten, Bäume, Blumen etc. (Bedarf per Stock 1–2 Pfd.),

II. für Getreide, Handelsgewächse, Gemüse etc. (Bedarf per Morgen 6–8 Ctr.),

III. für Wiesen, Kleefelder etc. (Bedarf per Morgen 4–6 Ctr.).

Der Centner erster Qualität wird frei bis Stuttgart oder Cannstatt zu 3 fl, der Centner zweiter Qualität ebenso für 2 fl. 30 kr. von der Fabrik geliefert, bis Heilbronn verhältnißmäßig billiger. Die Verpackung wird aber dabei noch besonders berechnet. Der Bezug von der Poudrette dritter Qualität ist für Orte, die der Fabrik entfernter liegen, nicht zu empfehlen, da sich die Versendungskosten dabei verhältnißmäßig zu hoch belaufen.

Was die Art der Anwendung dieses Düngers betrifft, so kann man denselben für Getreide etc. vor oder nach dem Säen einstreuen, immer aber nach dem Umackern und vor dem Eggen. Im Fall man verhindert seyn sollte im Herbst Dünger auf das Feld zu bringen, kann man die Poudrette auch im Anfang des Frühjahrs auf das eingesäete Land ausstreuen. Bei Kartoffeln, Mais etc. legt man die Poudrette in der Regel handvollweise in die Stecklöcher der Furchen, nachdem man dieselbe vorher mit der Erde aus den Löchern etc. gemischt hat. Von besonderer Wichtigkeit ist es dabei, windstilles und wo möglich feuchtes Wetter abzuwarten, indem dieser Dünger aus einer leichten staubartigen Masse besteht, welche durch den leisesten Wind weithin getrieben wird. Auch muß die Poudrette wo immer möglich in eine größere Tiefe eingebracht werden, wo sie den Pflanzenwurzeln nahe kommt und die Feuchtigkeit während der Dauer der Vegetation sich erhält. Für einjährige und slachwurzelnde Pflanzen ist eine Tiefe von 3–4″, für tiefer wurzelnde Pflanzen eine Tiefe von 7″ zweckmäßig, während jedoch die Poudrette auch mit der oberen Erdschichte etwas gemischt werden muß, damit auch die junge Pflanze davon Nutzen ziehen kann.

Dieser Poudrettedünger hat jedenfalls vor den vielen in neueren Zeiten vielfach empfohlenen künstlichen Düngerarten den großen Vorzug, daß die Stoffe welche die Pflanzen zu ihrem Wachsthum bedürfen, ihnen hier in derjenigen Form dargeboten werden, welche die zweckmäßigste für die unmittelbare Ernährung der Pflanzen ist. Mit einem Wort: es ist zum größten Theil, wie der Stalldünger, ein organischer Dünger, aber durch die Kunst sind die dabei wirksamen Bestandtheile fixirt und durch Beseitigung des Werthlosen das Uebrige leicht transportabel gemacht. Freilich bleibt die nützliche Verwendung dieses Düngers bei all seiner Wirksamkeit durch die Entfernung Frankfurts für den Oekonomen in Württemberg immer sehr erschwert, da ohne die Versendungskosten der Centner leicht um ⅓ bis ½ wohlfeiler kommen dürfte. Aber wir geben uns der Hoffnung hin, daß, wenn unsere Oekonomen nur einmal die Ueberzeugung von dem inneren Werthe des Poudrettedüngers auf dem Wege der eigenen Erfahrung gewonnen haben werden, auch die Entstehung ähnlicher Fabriken in unserem Lande nicht ausbleiben und so eine rationelle Benützung der menschlichen Excremente für den Acker- und Gartenbau sich auch bei uns Bahn brechen wird. (Riecke's Wochenblatt, 1848, Nr. 38.)

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