Titel: Ueber Verzinkung von Eisenblech.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 109/Miszelle 3 (S. 478–479)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj109/mi109mi06_3

Ueber Verzinkung von Eisenblech.

In England wendet man gegenwärtig zur Verzinkung des Eisens das nachstehende Verfahren an, welches ein wirklich galvanisches Verfahren ist, während das was von Sorel ausgeführt wird, diese Bezeichnung mit Unrecht führt. Das englische ist eine Verzinnung auf galvanischem Wege, dem die eigentliche Verzinkung in geschmolzenem Metalle folgt. Nachdem die Blechplatten auf die gewöhnliche Weise gereinigt sind, bringt man sie in einen hölzernen Trog der zur Hälfte mit einer schwachen Auflösung von Zinn in salzsaurem Wasser angefüllt wird. Man bereitet sich diese Auflösung, indem man metallisches Zinn in concentrirter Salzsäure auflöst, wozu 2–3 Tage nöthig sind, und dann diese Lösung durch Zusatz von 300–400 Gallons Wasser auf 2 Quart der Lösung verdünnt. Man breitet nun auf dem |479| Boden des Troges eine dünne Lage feingekörnten Zinkes, deckt alsdann eine gereinigte Eisenblechplatte darauf, und fährt abwechselnd mit Zink und Eisenblech fort, bis der Trog voll ist. Das Zink zusammen mit dem Eisen und der Auflösung bilden eine schwache galvanische Batterie. Das Zinn schlägt sich aus der Lösung nieder und überdeckt die Blechplatten völlig gleichmäßig in weniger als zwei Stunden mit einer dünnen Haut.

Während dieser Vorbereitung wird in einem schmiedeisernen Troge Zink geschmolzen und dasselbe mit Salmiak und einer erdigen Masse bestreut, um die Verflüchtigung des Zinks und des Salmiaks zu hemmen. Ein Walzenpaar befindet sich eingetaucht in Zink und dient dazu, um die Eisenplatten durch das Zinkbad zu leiten. Man nimmt zu dem Ende die Tafeln aus der Zinnauflösung heraus, läßt sie abtropfen und naß, wie sie sind, durchs Walzenpaar gehen. Auf diese Weise erhalten dieselben einen gleichmäßig glatten Ueberzug von Zink, welches durch die untere Zinnhaut befördert wird, und indem das Zink seinen eigenthümlichen krystallinischen Charakter beibehalt, erhalten die Platten ein dem Metallmohr ähnliches Ansehen.

Würden die Platten senkrecht ins Bad eingetaucht, so bliebe begreiflich das untere Ende länger in Berührung mit dem Zink, wodurch dieses brüchiger werden würde als das obere. Die Walzen führen hingegen die Platten rasch wagerecht hindurch, und die benö'thigte Geschwindigkeit kann ihnen genau gegeben werden. Es ist augenscheinlich, daß beim Verfahren des Durchwalzens viel dünneres Blech verzinkt werden kann, als solches thunlich ist, wenn man bloß eintauchte, weil man das Verbleiben der Platten im Zinkbade bis auf die Secunde durch Abänderung der Geschwindigkeit beim Durchwalzen zu bemessen vermag.

Das auf gewöhnliche französische Weise verzinkte Eisen soll sich sehr gut für Schiffsbekleidung eignen, und englische Urtheile bezeugen, daß dieses Verfahren ungleich besser und wohlfeiler ist als das Verkupfern der Schiffe. Das nach der eben beschriebenen Weise verzinnte und verzinkte Eisen ist inzwischen weicher und paßt besser für dünnes Blech. Man kann es aus diesem Grunde besser verarbeiten; es biegt und löthet sich leicht und erweist sich zur Dachdeckung ungemein anwendbar. Es hat sich beim Gebrauche von verzinkten eisernen Gegenständen, welche in England sowohl zum öffentlichen als Privatgebrauche viel zur Anwendung kommen, gezeigt, daß unter andern so verzinkte Anker und Ankerketten, sowie überhaupt Gegenstände, welche der Reibung sehr ausgesetzt sind, ihren Ueberzug von Zink nicht abschleifen. Diese Erscheinung schreibt man der nicht oxydirten Oberfläche des Zinks zu, welche durch das Schleifen der Theile dicht auf einander gehalten wird, während unverzinktes Eisen sich mit Rost überzieht und sich nach und nach verzehrt.

Man hat geglaubt, das Zink verbinde sich innig mit der Oberfläche des Eisens, inzwischen ist eher anzunehmen, daß bei stets vorhandener Feuchtigkeit die abgeschliffenen und von Zink entblößten Theile des Eisens sich von selbst wieder verzinken, vermöge der Abgabe des Zinks von den nahe liegenden Flächen. Man hat alle Ursache, diese Vermuthung für begründet zu halten, weil Erfahrungen vorliegen, welche bei ihrem ersten Kundwerden bedeutende Verwunderung erregten. Die Kanten einiger verzinkten Blechtafeln, welche die Pfeiler eines Leuchtthurms zu Billwork bedeckten, verzinkten sich, nachdem sie geschnitten worden waren, sogleich von selbst aufs Neue. Die Nagellöcher, sogar die Nägel und die Klammern von blankem Eisen, welche mit den Zinktafeln zusammenhängen, verzinkten sich ebenfalls. Auf dieselbe Weise verzinkten sich die Nagellöcher der Schiffsbekleidung mit Zink, ebenso die verzinkten Drähte für elektrische Telegraphen an den Stellen, wo sie durchschnitten werden. Dieses Ueberwachsen und Anwachsen des Zinks geschieht höchst wahrscheinlich durch eine galvanische Wirkung des Eisens auf das Zink, wobei die Feuchtigkeit die Rolle des verbindenden Mediums spielt, in welcher Feuchtigkeit sich das Zink theilweise auflöst. (Deutsche Gewerbezeitung, 1848, Nr. 61.)

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