Titel: Ueber die Herstellung unnachahmlicher Werthpapiere; von C. Piil in Leipzig.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 110/Miszelle 6 (S. 157–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj110/mi110mi02_6

Ueber die Herstellung unnachahmlicher Werthpapiere; von C. Piil in Leipzig.

In der Regel werden solche Papiere, besonders Cassenanweisungen, auf ein dazu eigens verfertigtes Papier gedruckt, das man früher auch noch mit besonderen Wasserzeichen versah; doch glaube ich, man hat die Erfahrung gemacht, daß diese nichts nützen, indem sie sich leicht nachahmen lassen und mit der Länge der Zeit ohnehin so undeutlich werden, daß sie zuletzt fast ganz verschwinden; auch hat man beim Durchzählen größerer Summen nicht immer Zeit genug, um das Papier gegen das Licht zu halten und so zu untersuchen, inwieweit noch ein Gedanke von Wasserzeichen sichtbar geblieben ist. Da es außerdem Leuten, die Papiergeld nachmachen wollen, natürlich nicht auf die Qualität des Papiers, sondern nur darauf ankommt, daß die von ihnen gebrauchte Papiersorte der des Originals einigermaßen ähnlich ist, so gewährt keines der erwähnten Präservative Sicherheit gegen die Nachahmung. Die ebenfalls vielfach verwendete erhabene Prägung kann wohl kaum einen andern Zweck haben, als dem Papiergelde, so lange es noch neu ist, ein gefälliges Aussehen zu geben; vor Nachahmung kann sie durchaus nicht schützen, da es für einen nur irgend geschickten Graveur gar nicht schwer ist solche Stempel herzustellen, die Prägung selbst aber auch nach geringer Circulation so undeutlich wird, daß sie kein Kennzeichen mehr abgeben kann. Die in der letzten Zeit viel in Anwendung gebrachten Maschinenarbeiten sowohl als der Druck mit theils vertieften, theils erhabenen Platten und manchmal in zwei, drei und mehr Farben, gewährt wohl bis jetzt den sichersten Schutz gegen Nachahmung, denn diese erfordert unter solchen Umständen allerdings eine Vereinigung mehrerer Leute, welche in den verschiedenen Fächern erfahren sind, wenn eine dem Original nur einigermaßen entsprechende Nachbildung erreicht werden soll.

Da insofern die Nachahmung von Papieren durch dieses Verfahren in gewisser Weise verhindert wird, so würde letzteres seinen Zweck allerdings vollkommen erfüllen, wenn es sich allein darum handelte, Leute, die mit der Fabrication von Papiergeld vertraut sind, in den Stand zu setzen, falsche von ächten Producten zu unterscheiden, was sie auch gewiß jederzeit leicht können, da sie noch überdieß Kenntniß von geheimen Merkmalen besitzen, welche die Untersuchung noch erleichtern. Allerdings zeigt die Erfahrung daß falsches Papiergeld, wenn es Jemanden zu Gesicht kommt, der mit solchen Sachen zu thun hat, in der Regel sofort als falsch erkannt wird; auf der andern Seite hat die Erfahrung aber auch gezeigt, daß ein falsches Papier sehr lange circuliren kann, ehe die Entdeckung erfolgt — ein Uebelstand der unbedingt nicht vorkommen könnte, wenn das Publicum im Stande wäre, sich selbst ebenso zuverlässige und unfehlbare Kennzeichen der Aechtheit oder Falschheit eines Papiers leicht zu bilden, wie es bisher bei den Behörden der Fall war; und wenn es dahin gebracht ist, daß das größere Publicum, für welches ja das Papiergeld bestimmt ist, diese Fähigkeit besitzt, dann muß die Nachahmung und Verfälschung von Werthpapieren von selbst aufhören, indem der Producent sie dann nicht ohne augenblickliche Entdeckung ausgeben kann.

Hier findet also ein Mangel statt, und so lange diesem nicht abgeholfen ist, behalten die Fälscher noch ein offenes Feld, in welchem sie sich bewegen können, da sie ihre Producte natürlich nur bei solchen Leuten anzubringen suchen, die kein Urtheil darüber fällen können. Diese Lücke hoffe ich durch Herstellung eines Erzeugnisses ausgefüllt zu haben, dessen Zeichnung durch die bloßen Kräfte der Natur und nicht durch Kunst hervorgebracht ist, und zwar in solcher Weise daß Jedermann den Unterschied zwischen dem Aechten und dem möglicherweise Nachgemachten leicht ausfindig machen wird, indem die Zeichnung eine Menge charakteristischer Figuren darstellt, die sich dem Gedächtniß leicht einprägen lassen und deren Nachahmung in einer zur Täuschung nöthigen Treue durchaus nicht möglich ist. Kann man nun allerdings auch nicht verhindern daß der eine oder andere auf die Idee kommt, falsches Papiergeld |158| zu machen, so wird doch dem Nachahmer durch die schnelle Entdeckung jede Aussicht auf Erfolg benommen und die fruchtlosen Versuche werden deßhalb wahrscheinlich bald von selbst aufhören.

Das Ziel welches ich mir gesteckt hatte war also: Jedermann in den Stand zu setzen, ebenso leicht wie bisher Sachverständige eine Fälschung auf den ersten Blick zu erkennen Ich erreichte diesen Zweck dadurch, daß ich durch die Natur selbst hergestellte Krystallisationsfiguren auf einer Metallplatte so fixiren kann, daß sie sich in diese einatzen und in diesem Zustande unter der Kupferdruckplatte oder, wenn meine Erfindung, die Chemitypie, dabei angewendet wird, unter der Buchdruckpresse abdrucken läßt; und da die Natur sich nun bekanntlich in ihren Schöpfungen nie wiederholt, so ist es auch unmöglich, ein einmal vorhandenes Original zum zweitenmal so herzustellen, daß die Nachbildung die zur Täuschung nöthige Aehnlichkeit bekommt. Und deßhalb kann man, ohne befürchten zu müssen, die Nachahmung zu erleichtern, dem Publicum eine genaue Anleitung geben, auf welche Weise es ein Merkmal für sich herausfinden kann, indem es sich nämlich gewisse Figuren aussucht, die ihm als Merkmal dienen. Um dieß zu erleichtern, mußte ich die von der Natur selbst hervorgebrachten Krystallisationsfiguren so weit in meine Gewalt zu bekommen suchen, daß sie ansprechende und zweckmäßige Bilder darstellen, von denen aber auch das eine nicht vor dem andern hervortreten durfte, während das Ganze einen Wirrwar von Figuren darstellt. Es müßte nun jeder der ein solches Papier nachmachen wollte, um vor Entdeckung sicher zu seyn, die ganze Masse von Figuren genau wiedergeben, und da diese selbst auf dem Raume einer gewöhnlichen Banknote mehrere Tausend kleiner Gestalten enthält, die sich noch dazu in neuen Zusammenstellungen zeigen, je nachdem man das Papier dreht, so bin ich überzeugt daß Jeder, dem ein solches Product vor Augen kommt, leicht einsehen wird daß ein solcher Versuch ohne Erfolg bleiben muß.

Ich brauche wohl kaum noch zu bemerken, daß man hier mit einem Druck und einer Platte erreichen kann, was man bisher durch verschiedene Farben, Drucke und Platten zu erreichen suchte, nämlich die Verhinderung der Nachahmung, und ich halte es gerade für vortheilhaft, Werthpapiere, so weit es das gefällige Aussehen gestattet, mit einem einfachen Drucke herzustellen; denn je einfacher ein für das größere Publicum bestimmtes Product ist, desto eher heftet sich dessen Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Gegenstand, der sich dann natürlich auch leichter auf längere Zeit im Gedächtniß bewahren läßt. Ich suche nun die von der Natur hervorgebrachten Zeichnungen in der Art durch mechanische Nachhülfe zu ordnen, daß sie eine Menge von Carricaturgesichtern bilden, und je länger man einen auf diese Weise erreichten Druck betrachtet, destomehr eigenthümliche Figuren wird man herausfinden, obgleich das Ganze sich beim Anblick als ein graues Bild ohne irgend bestimmte Zeichnung darstellt.

Es sind schon ähnliche von der Natur selbst hervorgebrachte Producte in Anwendung gebracht worden, keines der mir bekannt gewordenen aber entspricht dem von mir verfolgten Zwecke, indem sie keine solcher Figuren enthalten, daß man sich daraus ein Bild formen kann, bestimmt genug, um es längere Zeit im Gedächtniß zu bewahren.

Auf die besprochene Idee führte mich zunächst die Betrachtung gefrorner Fensterscheiben. Obgleich diese alle dem Gesetze der Wasserkrystallisation unterworfen sind, so zeigen sie sich doch in ihrer Erscheinung so verschieden, daß man leicht eine von allen andern unterscheiden kann, wenn auch die Kennzeichen welche sie abgeben nicht charakteristisch genug sind, um ein bestimmtes Bild zu bieten. Ich kann nun auch Blumen, Baumzweige etc., wie sie auf gefrorenen Scheiben erscheinen, durch mein Verfahren hervorbringen, doch habe ich die Darstellung gerade von Carricaturgesichtern gewählt, weil sich solche am leichtesten merken lassen, indem man ja leicht ein Gesicht mit einer langen Nase, einem schiefen Mund, einem spitzen Kinn etc. im Gedächtniß behält, das man nun in jedem Abdruck auf einer und derselben Stelle wiederfinden muß. Man hat daher nur nachzusehen, ob diese Figuren vorhanden sind, um sich von der Aechtheit eines Products zu überzeugen.

Aehnlich verhält es sich mit dem marmorirten Papier, welches durch Fettaugen auf einer Wasserfläche entsteht. Ich kann in ähnlicher Weise auf einer Wasserfläche sich bildende Fettaugen auf der Platte fixiren und sie in diese einätzen. Zwar gibt dieß ein ebenso unnachahmliches Product wie die Krystallisationsfiguren, und sieht |159| im Druck fast ganz wie Marmor aus, doch fehlt diesen Bildern das Charakteristische und man würde sie daher nur als ein zweites Präservativ anwenden können, indem man sie zu Hinter- und Unterdrucken benutzt, deren einzelne Drucke sich alle gleich bleiben, und dadurch zu gleicher Zeit ein hübsches marmorirtes Papier herstellt.

Mein Verfahren ist, glaube ich, nicht allein für Werthpapiere von Wichtigkeit, es könnte auch jeder Fabrikant, dem es darauf ankommt, seine Fabricate durch Anwendung desselben vor Nachahmung schützen, so daß man keine ähnliche Waaren unter seinem Namen verkaufen kann. Gewiß muß es jedem Fabrikanten lieb seyn, durch eine einfache Vignette, deren Kosten die anderer nicht bedeutend übersteigen, seinen Ruf schützen zu können, indem hier der Fall eintritt, daß man vielleicht im Stande ist, sein Fabricat täuschend nachzuahmen, Gleiches aber bei der Vignette nie stattfinden kann.

Ich bin also überzeugt, durch mein vorstehend mitgetheiltes Verfahren das Mittel aufgefunden zu haben, wodurch dem oben erwähnten Mangel abgeholfen wird, indem ich Jedermann in den Stand setze, auf dieselbe Weise und mit derselben Sicherheit, wie es bis jetzt nur den Behörden möglich war, ein falsches Werthpapier von einem ächten sofort unterscheiden zu können.

Hiezu macht die Redaction unserer Quelle folgende Bemerkungen, denen wir vollkommen beistimmen: der Redaction liegen mehrere Proben von Abdrücken von Platten vor, die von Hrn. Piil nach seiner Erfindung gefertigt sind, und die allerdings das Versprochene zu gewähren verheißen. Die Idee ist offenbar eine glückliche: eine einfach gedruckte Oberfläche voll lauter verwirrter Figuren zu erzeugen, deren örtliche besondere Stellung gegeneinander, nämlich irgend einer einzelnen Figur zu einer andern, sich auf den ersten Blick erkennen läßt; und welche Figuren einen so eigenthümlichen Charakter tragen, daß derselbe sehr schwer nachzuzeichnen und allenfalls ähnlich, keineswegs aber in seinem scharfen Gepräge, was die Hauptsache ist, umzudrucken ist. Das Urtheil von andern Kennern hat sich sehr günstig über die Sache ausgesprochen, und sie verdient also, daß man ihr eine ernste Aufmerksamkeit zuwende, in dieser Zeit, wo das Volk und seine Privatindustrie, die Vortheile, welche Creditpapiere gewähren können, mehr in die Hand bekommen wird und muß, in dieser Zeit, in der man ferner darauf hinwirken wird und muß, daß die Fabrikzeichen irgend einer Art nicht länger schmählich gefälscht werden, sondern in der alles darauf ankommt, durch Rechtlichkeit und strenge Gewissenhaftigkeit das Mißtrauen nach und nach zu vertilgen, welches sich gegen manchen deutschen Gewerbsartikel bei einheimischen und fremden Käufern eingedrängt hat.

Wir empfehlen daher die Erfindung des Hrn. Piil (Kunstanstalt von Hrn. C. H. Friedlein in Leipzig) allen Denen, die in ihrem Geschäft von unnachahmlichen Papieren Gebrauch machen können. Hr. Piil liefert die betreffenden Platten zu verhältnißmäßig billigen Preisen. (Deutsche Gewerbezeitung, 1848 Nr. 70.)

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