Titel: Ueber die Anwendung des Wasserdampfs zur Reinigung von Fässern; von Prof. Siemens in Hohenheim.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 110/Miszelle 8 (S. 233–235)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj110/mi110mi03_8

Ueber die Anwendung des Wasserdampfs zur Reinigung von Fässern; von Prof. Siemens in Hohenheim.

Unter den mannichfaltigen Anwendungen des Dampfes dürfte wohl kaum eine von allgemeinerem Nutzen seyn als die hier bezeichnete, namentlich für ein Land, wo man den Inhalt eines Fasses zu schätzen weiß und deßhalb auch erkennt, wie häufig dieser durch eine unsaubere Behandlung an seiner Güte verliert. Die Ursache der sogenannten Krankheiten der Weine oder des Mostes, ist meist in der mangelhaften Reinigung der Füsser zu suchen. Bei einer bevorstehenden segensreichen Füllung unserer Fässer wird deßhalb ein guter Rath, sie auf die geeignetste Weise dazu herzurichten, am ehesten Beachtung finden.

Sehr oft besteht die Reinigung nur darin, daß man die Fässer wiederholt mit heißem oder auch nur mit kaltem Wasser ausschwenkt, bis dieses hell abfließt, und dann vor dem Füllen mit Wein oder Most ausbrennt, d. h. einen Schwefelschnitt darin verbrennen läßt. Mehr verunreinigte Fässer schlägt man zuvor auf und reinigt sie durch Bürsten von den fester anklebenden Verunreinigungen. Durch eine solche Behandlung wird aber nur ein nicht durch Säure verunreinigtes Faß zur Erhaltung eines guten Weins genügend hergerichtet; war das Faß längere Zeit nicht ganz voll oder mit einem schlechten, leicht Säure bildenden Wein gefüllt, wie das erstere meist in unsern Haushaltungen der Fall ist, wo der tägliche Verbrauch vom Füllen bis zum letzten Reste von ein und demselben Fasse genommen wird, so wird in dem Holze bei aller äußeren Reinigung so viel Säure zurückbleiben, daß die neue Füllung durch diese mit dem nöthigen Fermente zu einer neuen Säurung hinreichend versehen ist, der Wein aber ungesund und weniger haltbar werden werden muß, wenn ihn die Gewohnheit auch lange als genießbar gelten läßt.

Wie oft geschieht aber die Reinigung der Fässer so unvollständig, daß ihr Inhalt bald einen fauligen Geruch und Geschmack erhält. Es wird dieß hauptsächlich durch die in dem Fasse zurückgebliebenen hefigen Theile verursacht, die sich beim Trocknen so fest mit dem Holze verbinden, daß sie nur schwer davon zu trennen sind und als im Wasser nicht löslich auch erst nach und nach erweichen, was bei der längeren Berührung mit der neuen Flüssigkeit geschieht, und dieser dann durch die Zersetzung oder Fäulniß, welche sie erleiden, jenen fauligen Geruch und Geschmack ertheilen. Je alkoholärmer das aufzubewahrende Getränk ist, je mehr natürliche Säure und schleimige Theile es enthält, desto mehr wird es auch zur weiteren Säurebildung geneigt seyn. Je länger ein solches Getränk aufzubewahren ist, desto sorgfältiger müssen wir auf die Reinigung der Fässer bedacht seyn.

Diese Reinigung laßt sich aber auf keine Weise leichter und vollständiger als mittelst Dampf erreichen, welcher hiezu durch seine Gasform, die ihn fähig macht die Körper leichter zu durchdringen, und durch seine große Menge Wärme die er enthält, besonders geeignet ist. Seine allgemeinere Anwendung dazu wird bis jetzt durch die anscheinend umständliche Gewinnung desselben verhindert, weßhalb mit der |234| erleichterten Erzeugung des Dampfes auch seine Benützung eine allgemeinere werden kann. Diese leichtere Gewinnung wird nun aber durch die von Gall24 angegebenen tragbaren Dampferzeuger so befriedigend erreicht, daß die Verbreitung derselben mit Recht alle Unterstützung verdient. Es ist deßhalb auch erfreulich, daß gegenwärtig mehrere Kupferschmiede hier im Lande sich mit der Anfertigung solcher Dampferzeuger beschäftigen. Namentlich haben der Kupferschmied Sigelen in Stuttgart und Mechanikus Flor in Ludwigsburg der landwirthschaftlichen Centralstelle einen solchen Apparat, zunächst zur Benützung bei der Dampfwäsche, zur Prüfung vorgelegt, der aber eben so gut zu obigem Zwecke sich eignet. Auch der Kupferschmied Wagner in Eßlingen fertigt dieselben von allen Größen und zweckmäßiger Construction.

Ein solcher tragbarer Dampferzeuger besteht bei kleineren Dimensionen aus einem Cylinder von Eisen-, Kupfer- oder Messingblech von 2–3 Fuß Höhe und 1 bis 1½ Fuß Weite, je nachdem man mehr oder weniger Dampf bedarf. Im Innern dieses Cylinders ist ein kleiner Ofen mit Rost und Aschenfall angebracht, wie man dieß bei den russischen Theemaschinen (Samowar) schon lange kennt. Das Rauchrohr des Ofens geht oberhalb noch durch einen Aufsatz des Cylinders, der als Vorwärmer für das in Dampf zu verwandelnde Wasser dient. Vom oberen Rande des Vorwärmers führt ein Rohr das Wasser in den unteren Kessel, wo es sich an der Oberfläche des Ofens in Dampf verwandelt. Dieser wird oberhalb durch ein Rohr abgeleitet Um die dampfbildende Fläche des Ofens zu vergrößern, sind mehrere Röhren in demselben angebracht, die sich innen mit Wasser füllen und außen vom Feuer berührt eine rasche Dampfentwicklung zulassen.

Ein solcher Apparat ganz von Metall zu 24 bis 36 fl. genügt, ein Faß von 8 bis 10 Eimern binnen 30 bis 40 Minuten vollständig zu reinigen. Um dieß zu bewerkstelligen, wird das Faß auf einer paffenden Unterlage oder auch auf seinem Lager selbst so gedreht, daß die Spundöffnung nach unten kommt. In diese steckt man einen Spund mit einem 2 bis 3 Fuß langen Rohre und läßt dieß in einen kleinen Kübel tauchen, der so weit mit Wasser gefüllt ist, daß dieses die Oeffnung des Rohrs verschließt. Hierauf stellt man den Dampferzeuger so neben dem Fasse auf, daß das Dampfrohr in das Zapfloch des Fasses reicht, und leitet nun so viel Dampf hinein, bis das Holz des Fasses überall eine fühlbare Wärme zetgt. Der zuerst einströmende Dampf wird sich sämmtlich zu Wasser condensiren und das untere Gefäß nach und nach füllen. Später werden hier aber Dämpfe austreten, die sich durch ein Geräusch zu erkennen geben, wo sich dann auch das Faß außen erwärmt zeigen wird und hinreichend Dampf zugeleitet ist, was sich jedoch nach dem Grade der Verunreinigung des Fasses richtet. War das Faß bereits sauer und innen mit Schimmel überzogen, so muß man den Dampf bedeutend länger einwirken lassen, als dieß bei einem gut erhaltenen Fasse nöthig wird. Durch die Absperrung des unteren Rohrs mit Wasser werden die entweichenden Dämpfe verhindert, sich in dem Locale zu verbreiten, und erhalten dadurch zugleich auch, sowie sich das Gefäß mit Wasser füllt, eine höhere Temperatur, die ihre eindringende und auflösende Kraft noch vermehrt.

Man kann auf diese Weise die Reinigung größerer Fässer, die nicht wohl aus dem Keller oder von ihrem Lager zu transportiren sind, ganz gut an Ort und Stelle vornehmen, wenn es sich nur bewerkstelligen läßt, den Rauch des Feuers durch die Kelleröffnung abzuleiten. Die Temperatur des Kellers wird dadurch unmerklich erhöht, da der Ofen ganz von dem Wasser umgeben ist und keine Dämpfe aus dem Fasse oder unteren Gefäße entweichen. Hat man eine größere Anzahl Fässer zu reinigen, so geschieht dieß freilich zweckmäßiger da, wo eine Erwärmung des Locals keinen Nachtheil verursacht.

Wie bedeutend die reinigende Wirkung des Dampfes ist, zeigte die Anwendung desselben in der technischen Werkstatt zu Hohenheim, wo beim Ausdämpfen einer Stande, die sechs Jahre früher zum Einschlagen von Kirschen und später zu verschiedenen Zwecken benutzt worden ist, aus den Poren des Holzes eine rothe Flüssigkeit verdrängt wurde, deren Färbung unverkennbar jenem früheren Gebrauche zuzuschreiben |235| war. Aus diesem Grunde eignet sich auch das Ausdämpfen vorzüglich, um neue Fässer zur Aufnahme des Weins oder Mostes vorzubereiten, da sie durch Dampf binnen weniger Stunden vollständiger von Lohe befreit werden, als durch wochenlanges Auffüllen mit Wasser

Aber nicht nur zur Reinigung der Fässer eignet sich der Dampf, es können damit auch eben so gut die Bottiche oder Kufen angeschwellt und gereinigt werden, wozu man diese auf einem ebenen Boden umkehrt und den Dampf in die untere Oeffnung leitet. Ebenso können damit die ausgepickten Bierfässer nach dem Gebrauche sehr gut gereinigt werden, wobei zugleich das überflüssig darin befindliche Pech bei längerer Einwirkung des Dampfes abfließt und so das spätere Abspringen desselben verhütet wird. Endlich wäre die Anwendung des Dampfes zur Reinigung der Holzgefäße in größeren Milchwirthschaften zu empfehlen, da namentlich bei der Butterbereitung die größte Reinlichkeit nöthig wird.

Das Vorurtheil und die nicht ungerechte Scheu vor allem Neuen wird auch diese vortheilhafte Anwendung des Dampfes nicht so bald allgemein machen; es wäre aber sehr zu wünschen daß man hier in größern Keltern und Weinlagern die Sache aufmerksam prüfte, wo sie dann nach und nach schon weitere Ausbreitung finden wird, denn alles Gute pflegt zwar langsam, aber gewiß einmal sich Bahn zu brechen. (Riecke's landwirthschaftliches Wochenblatt, 1848, Nr. 39.)

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Beschreibung und Abbildung meiner tragbaren Dampferzeuger von L. Gall. Trier, 1844.

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