Titel: Mittel um Elfenbein weich und halbdurchsichtig zu machen; von Dr. Elsner.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 110/Miszelle 6 (S. 317–318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj110/mi110mi04_6

Mittel um Elfenbein weich und halbdurchsichtig zu machen; von Dr. Elsner.

Seit einiger Zeit kommen aus Paris Gegenstände aus Elfenbein gefertigt in Handel, welche halbdurchsichtig sind und beim Einlegen in warmes Wasser oder warme Milch weich werden wie etwa starkes Leder; die aus diesem veränderten Elfenbein gefertigten Gegenstände sind z. B. Milchsauger für kleine Kinder, Warzendeckel bei wunden Brüsten etc. Die Wichtigkeit der Anwendung eines solchen veränderten Elfenbeins und das Interessante des Gegenstandes selbst bestimmten den Kaufmann Geisler, eine Reihe von Versuchen hierüber anzustellen, durch welche endlich ein Präparat erhalten wurde, was dem Pariser in nichts nachsteht. Das Verfahren welches derselbe hiebei in Anwendung brachte, ist nachstehendes.

|318|

Es werden die aus gewöhnlichem Elfenbein gefertigten Gegenstände in eine Auslösung von Phosphorsäure eingelegt und zwar in eine solche, die in dem Preiscourant unter dem Namen Acid. phosphoric. pur., spec. Gew. 1,130 aufgezeichnet ist; in dieser Säure bleiben die Gegenstände so lange liegen, bis sie ein durchsichtiges Ansehen angenommen haben, hierauf werden sie aus der Säure herausgenommen, mit Wasser abgespült und zwischen weichen Leinen abgetrocknet; sie sind jetzt so weich, als wenn sie aus einem starken Leder gefertigt worden wären; an der Luft liegend werden sie hart, nehmen jedoch, wie schon bemerkt, die Weichheit wieder an, wenn sie in warmes Wasser eingelegt werden. Eine schwächere Phosphorsäure ist ohne Wirkung. Ueber eine bestimmte Zeitdauer des Einliegens in der Säure läßt sich deßhalb nichts feststellen, weil es Elfenbeinsorten, bei gleicher Stärke (etwa ½′″) gibt, die bei weitem längere Zeit bedürfen, ehe sie den genannten Zustand annehmen. Mit anderen Säuren, wie Schwefelsäure, Salzsäure, Essigsäure, wollte es nicht gelingen die obige Veränderung des Elfenbeins hervorzubringen.

Offenbar beruht diese Thatsache auf der Auflösung eines Antheils Kalks, indem sich hierdurch eine Verbindung erzeugt von einem geringern Kalkgehalt, als dieses beim Elfenbein der Fall ist, welches bekanntlich aus etwa ¾ phosphorsaurem Kalk, sehr wenig kohlensaurem Kalk und etwa ¼ leimgebender Substanz besteht. Bekannt ist nämlich, daß bei der Behandlung von frischgefälltem phosphorsaurem Kalk (dargestellt aus Knochenasche) mit concentrirter Phosphorsäurelösung eine entfernt ähnliche Verbindung entsteht, deren Zusammensetzung sich ausdrückt durch 4CaO, 3PO5, während die Knochen aus 8CaO, 3PO5 bestehend nach Berzelius angenommen werden. Die mikroskopische Untersuchung, welche der Verfasser und Dr. Oschatz mit dem erweichten Elfenbein in Vergleich mit unverändertem anstellten, ergab, daß das Elfenbein durch die genannte Behandlung in seiner Structur durchaus nicht verändert worden war, wie sich auch schon im voraus dieses Resultat erwarten ließ. Nach Mittheilungen des Dr. Oschatz ist diese Methode, Elfenbein zu erweichen, schon seit einiger Zeit den Aerzten der Berliner Charité bekannt und in einer medicinischen Zeitschrift veröffentlicht; in technischen Zeitschriften und sonstigen technischen Werken scheint aber über diesen Gegenstand noch keine Mittheilung erfolgt zu seyn. (Berl. Gew.-, Ind.- u. Handelsbl. 1848. Bd. XXVIII. Nr. 6.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: