Titel: Bereitung der chinesischen Tusche.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1848, Band 110/Miszelle 7 (S. 437–438)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj110/mi110mi06_7
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Bereitung der chinesischen Tusche.

Die Chinesen bedienen sich zur Bereitung ihrer Tusche (in der Mandarinensprache: Chinn-Me; in der Canton-Sprache: Kinn-Mak) des Rußschwarzes (Kienrußes), des Leims und gewisser ätherischen Oele und wohlriechender Substanzen. Der Hauptbestandtheil ist das Rußschwarz, von dessen Güte die der Tusche abhängt. Um dasselbe in Menge zu erhalten, werden Nadeln und kleine Zweigchen der Tanne verbrannt, wo sich dann der Flatterruß an beweglichen Brettchen anlegt, die an dem Gewölbe des Daches befestigt und oberhalb der Oefen angebracht sind. Diese Oefen haben in der Regel mehrere Kamine um den Ruß besser zu zertheilen. Wenn die Brettchen genug davon aufgenommen haben, wird dem Feuer Einhalt gethan.

Das Rußschwarz erster Qualität wird durch langsame und unvollkommene Verbrennung gewisser Oele erhalten. Das Gefäß ist eiförmig, ein brennender Docht taucht in das Oel und die in unzureichender Menge zuströmende Luft verhindert die Verbrennung der durch die Zersetzung des Oels erzeugten Kohle, welche sich an der Wölbung des Topfes anlegt. Aus diesem sehr zarten Rußschwarz, scheint die sogenannte Nankin-Tusche bereitet zu werden.

Du Halde theilt mehrere Recepte zur Bereitung der Tusche mit Zu Canton wo die Fabrication bedeutend ist, wird wie folgt verfahren.

Auf eine gewisse Menge Rußschwarz in einem irdenen Krug mit weiter Mündung gießt man eine kochende Auflösung von Leim in Wasser, rührt mit einer langen hölzernen Spatel um, bis alles gut gemischt ist, läßt dann erkalten und beginnt, wenn man die Masse für hinreichend fest erachtet, mit dem Formen. Die Formen sind in eine Platte von hartem Holz eingeschnitten und in der Regel parallelepipedisch. Man bringt etwas Masse in dieselbe, drückt sie fest hinein und erhält auf diese Weise Stangen mit dem Abdruck der in die Wände der Form gravirten Zeichnungen. Diese Stangen werden an der Luft bald fest. Dann erhält sie der Verzierer, welcher die Zeichnungen, in Drachen, Löwen, Pferden, Menschen, Blumen etc. bestehend, mit Gold, auch blau oder grün bemalt.

Zu der aus Oelruß bereiteten Tusche erster Qualität muß der Leim vorher gereinigt werden, um ihn von seinem übeln Geruch zu befreien. Es wird ihm dann Moschus oder sonst ein Aroma zugesetzt.

Man erkennt die feinste Sorte von Tusche an dem Glanz ihres Bruches und der Feinheit des Korns; sie hat einen angenehmen Geruch; befeuchtet und auf dem Nagel aufgerieben, soll sie sich leicht verbreiten. Die geringern Tuschsorten haben einen matten, körnigen Bruch; die Verzierungen derselben sind bei weitem nicht so sorgfältig gemacht und das Gold und Silber daran, von sehr geringem Gehalt, daher sie an der Luft bald schwarz werden.

Die chinesische Tusche wird in Cattys zu 12 Taels oder 452 Gramme verkauft. Die gewöhnlichsten Abtheilungen sind 5, 10, 20, 40, 60 und 80 Stangen im Catty. Die Form ist meistens ein rechtwinkliges Prisma, doch gibt es auch cylindrische und elliptische Formen, octaedrische Prismen etc. (Aus dem Moniteur industriel, 1848, Nr. 1276.)

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