Titel: Fyfe, über den relativen Werth des Kohlengases zur Beleuchtung.
Autor: Fyfe, Andrew
Fundstelle: 1849, Band 111, Nr. X. (S. 31–41)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj111/ar111010

X. Ueber den relativen Werth verschiedener Steinkohlensorten hinsichtlich der Leuchtgasbereitung und über neue Verfahrungsarten den Werth des von ihnen gelieferten Gases zu bestimmen; von Dr. Andrew Fyfe, Professor der Chemie zu Aberdeen.

Aus dem Edinburgh new philosophical Journal, 1848, Nr. 2 und 3.

In einer im Jahr 1842 veröffentlichten Abhandlung (polytechn. Journal Bd. LXXXIV. S. 439) berichtete ich über zahlreiche Versuche, welche ich in der Absicht anstellte, den Werth verschiedener Steinkohlensorten zum Zwecke der Beleuchtung zu bestimmen. Neuerdings veranlaßt, zu demselben Behufe Versuche anzustellen, mache ich hiemit einige Resultate derselben bekannt, weil ich sie für interessant halte und glaube, daß ein praktischer Nutzen aus denselben hervorgehen kann.

Die Zwecke, welche ich bei meinen Versuchen im Auge hatte, waren, nicht nur die relative Lichtmenge zu bestimmen, welche die aus den Kohlen erhaltenen Gase liefern, sondern auch die Dauer (durability) dieser Gase (ihre Brennzeit), wodurch ich in den Stand gesetzt wurde, ihren relativen Werth und folglich auch ihre relativen Kosten für den Zweck der Beleuchtung möglichst festzustellen. Uebrigens berücksichtigte ich auch andere Umstände, welche mit dem Gasverbrauch in Beziehung stehen und ebenfalls von Wichtigkeit sind.

1. Qualität der Gase.

Bei Beurtheilung der Qualität der Steinkohlengase und folglich ihres relativen Werthes zum Zweck der Beleuchtung, muß sowohl das |32| von ihnen erzeugte Licht, als die zum Verbrauch (Verbrennen) gleicher Volume erforderliche Zeit in Rechnung gezogen werden.

Zur Prüfung des erstern bediente ich mich in nachfolgenden Versuchen stets des in meiner frühern Abhandlung erwähnten Verfahrens nämlich der Verdichtung mittelst Chlor, welcher Methode ich jetzt, nachdem ich meine Versuche sehr vervielfältigte, das größte Vertrauen schenke.

Zur Ermittelung der letztern befolgte ich die gewöhnliche Methode mit einem genauen Gasmesser (Gasuhr), womit die zum Verbrennen gleicher und unter gleichen Umständen verbrennender Gasvolume erforderliche Zeit, sowie auch das in gleichen Zeiten verbrannte Gasquantum leicht zu bestimmen war. Der Strahlbrenner war bei allen Versuchen derselbe.

Nach meiner Ansicht ist es aber unerläßlich diese beiden Umstände zu berücksichtigen, denn obwohl einige Physiker nur den einen, und andere nur den andern für nothwendig erachteten, so gelangen wir, ohne beide in Rechnung zu ziehen, doch nicht zu dem wahren Werth der Gase und können folglich dieselben hinsichtlich des Beleuchtungszweckes nicht miteinander vergleichen. So können zwei Gase bei ihrer Verbrennung mit denselben oder ähnlichen Brennern, bei gleicher Höhe der Flamme, gleiches Licht geben; wenn aber ein Kubikfuß des einen Gases eine Stunde lang, der Kubikfuß des andern aber 1 1/2 Stunden lang andauert, so ist das letztere Gas zur Beleuchtung die Hälfte mehr werth, weil es für eine um die Hälfte längere Zeit das gleiche Licht gibt; oder mit andern Worten, weil von dem erstem Gas um die Hälfte mehr verbraucht werden muß, damit es so lange fortbrennt wie das letztere. Leider wurde dieß bei Beurtheilung des Werthes des Steinkohlengases bisher oft übersehen.

Da mein Hauptzweck nicht die Vergleichung des Steinkohlengases oder seiner Kosten mit dem Lichte aus andern Quellen, sondern nur die der Gase untereinander war, wie sie aus verschiedenen Steinkohlensorten erhalten werden, so beginne ich mit dem Gas der englischen Backkohle, und nehme es als Einheit für die Vergleichung an.

Gas von englischen Backkohlen. Das Gas dieser Kohlensorte, womit ich meine Versuche anstellte, war Newcastle'sches. Die Verdichtung mittelst Chlor betrug bei diesem Gase im Mittel mehrerer Versuche 4,33 Procent.

Das specifische Gewicht dieses Gases bei 60° F. (12 1/2° R.) und 30 Zoll Barometerstand war 420.

|33|

Die Dauer einer vierzölligen Flamme aus einem Platin-Strahlbrenner von 1/33 Zoll Durchmesser betrug für einen Kubikfuß 50 Minuten 30 Secunden. Der Druck des Wasser-Manometers am Brenner entsprach 11/10 Zoll.

Eine Tonne Steinkohlen liefert 8000 Kubikfuß Gas.

Die mittelst meines Versuchsapparates von verschiedenen Proben derselben Steinkohlenart, sowohl vor Kurzem als vor mehreren Jahren schon, erhaltenen Gase hatten nahezu dieselbe Zusammensetzung. Es wurden mehrerlei Hitzgrade zum Austreiben des Gases angewandt, um den geeignetsten zu ermitteln. Die Verdichtung mittelst Chlor wechselte von 3,5 bis 5,5; die Durchschnittszahl von acht Versuchen war nahezu 5. Die Dauer (Brennzeit) wechselte von 47'20'' bis 53'30'', wovon das Mittel 50'25'' ist.

Das durchschnittliche specifische Gewicht acht verschiedener Gase war 464, das höchste nämlich 512, das geringste 414.

Wie erwähnt, nehme ich das Gas dieser Kohlensorte hinsichtlich seiner Leuchtkraft und Dauer (Brennzeit), folglich seines Werthes als Norm (Einheit) zum Vergleichen anderer Kohlengase an.

Gas der englischen Cannel-Kohle. Das Gas dieser Steinkohlensorte, sowie dasjenige der Kohle von Wigan in Lancashire, welches Liverpool, Salford und andere Orte benutzen, ferner das Gas aus den Steinkohlen in verschiedenen Theilen von Yorkshire, dessen man sich manchmal zu Manchester bedient, sind ziemlich von gleicher Beschaffenheit.

Die Yorkshire Parrot- (Fackel- oder Cannel-) Kohle ist in Aussehen und Qualität von der englischen Backkohle völlig verschieden. Sie gleicht mehr der schottischen Fackelkohle. Die Verdichtung durch Chlor betrug 7,66; die Brennzeit 52'30''; Druck am Brenner 8/10. Eine Tonne Kohlen liefert 11,500 Fuß Gas.

Ich habe schon angegeben daß die Chlorprobe mit der englischen Backkohle 4,33, die mit der Yorkshire Cannelkohle 7,66 ergab; die Leuchtkräfte dieser Gase verhalten sich also = 1 : 1,76. Die Brennzeit war 50'30'' und 52'30'', verhält sich also = 1 : 1,03; hienach beträgt der Werth des letztern Gases für den Leuchtzweck 1,81, dem erstem = 1 gegenüber (1 : 1,76 = 1,03 : 1,81).

Gas der Wigan Cannel-Kohle. Ich hatte öfter Gelegenheit, die Qualität des Gases dieser Kohlensorte zu prüfen, nämlich zu Liverpool, Salford etc., woselbst das Gas von gleicher Qualität befunden wurde. Die Chlorprobe ergab 7,55. Die Brenndauer war 57'; der Druck am Brenner 8/10 und 9/10; das specifische Gewicht betrug 460 bis 520. Eine Tonne Kohlen liefert 9500 Fuß Gas. (In einem Fall erhielt |34| man 11,500 Fuß; die Qualität war auch aber eine geringere. Ich ziehe daher obige Angabe vor.)

Da das Gas der Newcastle Steinkohle bei der Chlorprobe 4,33 und die Wigan-Cannelkohle 7,55 ergab, so verhalten sich diese Gase = 1 : 1,73. Ihre Brenndauer, 50' 30'' und 57', verhält sich wie 1 zu 1,12. Hienach verhält sich ihr Werth = 1 zu 1,93 (1 : 1,73 = 1,12 : 1,93); er ist also ziemlich derselbe wie von der Yorkshire-Cannelkohle; den durchschnittlichen Werth des Gases der englischen Parrot-Kohle kann man nach meinen bisherigen Versuchen im Vergleich mit der englischen Backkohle gleich 1,85 zu 1 annehmen.

Schottische Parrot- (Cannel-) Kohle. Ich hatte oft Gelegenheit die Qualität des Gases dieser Steinkohlensorte zu untersuchen, nicht nur wie es in den Gasanstalten bereitet wird, sondern auch wie ich es in meinem Apparat zu Edinburgh und Aberdeen erhielt.

Das Gas aller Varietäten der schottischen Parrotkohle ist besser als das Gas der besten englischen Parrotkohle; doch ist es je nach der Kohlensorte sehr verschieden. In allen schottischen Städten welche ich besuchte, bedient man sich zur Gasbereitung eines Gemenges von 1 Theil guter Kohlensorte und 1 Theil oder mehr einer geringern Sorte, theils weil erstere nicht in hinlänglicher Menge herbeigeschafft werden kann, theils weil sie zu theuer ist; daher kömmt es, daß mit Ausnahme von einer oder zwei Städten, namentlich in den kleineren Städten, die Qualität des Gases beinahe ganz gleich befunden wurde.

In meiner frühern Abhandlung gab ich die Verdichtung der aus den darin erwähnten Steinkohlen bereiteten Gase durch Chlor als von 9 bis 20 variirend an. Zwei Ausnahmen abgerechnet, fand ich dieselbe nie unter 12. Das Mittel von mehr als zwanzig Versuchen ist 15, also nahezu das Doppelte der englischen Cannelkohle, und 3,46 mal so groß als jenes der englischen Backkohle. Es ergibt sich hiernach, die Leuchtkraft der englischen Backkohle = 1 gesetzt, die der englischen Cannelkohle = 1,85, die der schottischen Cannelkohle = 3,46. Die engl. Cannelkohle = 1 angenommen, ist die schottische 2, oder beinahe 2.

Die Versuche mit denselben Gasen ergaben eine wechselnde Brenndauer derselben von 56' bis 94'; mit den beiden oben erwähnten Ausnahmen betrug sie nicht unter 70', – das Mittel war 80'; hienach beträgt ihre Brenndauer 1,58 der Newcastlerkohle, und 1,48 oder 1,45 der englischen Cannelkohle als Einheit gegenüber. Es verhält sich also der Werth des schottischen Parrotkohlengases bei gleichen Volumen wie 5,46 zu dem der Newcastle-Kohle als Einheit, und wie 2,68 zu dem der englischen Parrotkohle als Einheit.

|35|

In der letzten Zeit habe ich eine Reihe von Versuchen mit Parrotkohlen von Fifeshire, den Lothians und den westlichen Districten Schottlands angestellt, um den Werth ihrer Gase zu ermitteln. Die Gase wurden mittelst meines Apparates unter verschiedenen Umständen gewonnen, so daß man nicht nur von der Genauigkeit der Resultate versichert seyn, sondern auch erfahren konnte, welchen Einfluß die Bereitungsart auf das Product hat. Ich bemerke hier nur, daß das Mittel von mehr als vierzig Versuchen für die Chlorprobe und die Brenndauer sehr nahe dieselben Resultate ergibt wie die obigen.

Hinsichtlich des Gases, womit die schottischen Städte beleuchtet werden, wurde schon gesagt, daß bei seiner Fabrication ein Gemenge verschiedener Steinkohlensorten angewandt wird, je nach der Lage der Stadt und der möglichen Zufuhr. In Edinburgh wird die Kohle vorzüglich von Lothians und Fifeshire bezogen. In Glasgow von Lesmahago, Kelvinside, Wilsentown etc. In Greenock werden Monkland- und Skaterigkohlen angewandt. In den Städten des nördlichen Schottlands bezieht man die Kohlen hauptsächlich von Lesmahagow und Fifeshire.

Der Preis der Steinkohlen ist nach der Sorte verschieden. Zu Edinburgh und im Westen beträgt er 20–23 Shill. per Tonne. Im Norden aber steigt er, je nach der Entfernung von den Gruben, immer höher.

In den größern Städten welche ich besuchte, fand ich einen sehr geringen Unterschied in der Qualität des aus den verschiedenen Gemengen erhaltenen Gases. Die Chlorprobe ergab 13 bis 15; das Mittel kann zu 14 angenommen werden. Die Brenndauer war 70 bis 90', sehr selten unter 80' – im Durchschnitt war sie etwas über 80'.

Der Druck am Brenner variirte von 60/100 bis 74/100. Das spec. Gewicht war im Durchschnitt 640. Die Leuchtkraft des Gases, mit welchem die schottischen Städte versehen werden, verhält sich also im Mittel wie 3,23 zum Newcastle-Gas, und wie 1,85 zum durchschnittlichen Gas der englischen Cannelkohle, beide als Einheit angenommen. Die Brenndauer verhält sich wie 1,58 zur englischen Backkohle und wie 1,45 zur andern, beide = 1. Hienach ist bei gleichen Volumen der Beleuchtungs-Werth für englische Backkohle 1, englische Cannelkohle 1,85, und für das durchschnittliche Gas der schottischen Städte 5,1, also 5. Wird die englische Cannelkohle als Einheit angenommen, so berechnet sich die schottische zu 2,63 bis 2,72. Von dem in mehreren Städten angewandten Steinkohlengemenge lieferte eine Tonne im Durchschnitt 9500 Fuß Gas.

|36|

2. Werth der Steinkohlen hinsichtlich des Beleuchtungszweckes.

Aus dem was soeben über die Qualität der von den verschiedenen Steinkohlen gelieferten Gase gesagt wurde, läßt sich nun der relative Werth dieser Kohlen für die Gasbereitung beurtheilen, unabhängig von ihrem Preise und dem Werthe der Nebenproducte, wie Kohks, Ammoniak und anderen nutzbaren Substanzen.

Eine Tonne englischer Backkohle liefert im Durchschnitt in den Gaswerken 8000 Fuß Gas. Der Werth dieser Kohle wird bei den folgenden Berechnungen als Einheit angenommen.

Die Wigan-Cannelkohle lieferte 9500 und 11,500 Fuß; der Werth des Gases verhält sich dem Volum nach gleich, nämlich wie 1,85 zu dem erstern als Einheit. Zieht man nun die Menge des erhaltenen Gases in Rechnung, so stellt sich der Werth der Kohlen hinsichtlich der Leuchtkraft ihrer Gase zu 2,23 für die eine und zu 2,5 für die andere Qualität; im Durchschnitt ist der Werth der englischen Cannelkohle = 2,35, oder, die Newcastler Backkohle als Einheit angenommen, = 2 1/3.

Schottische Parrotkohle. – Während die englische Cannelkohle von verschiedenen Fundorten als von gleichem Werthe betrachtet werden kann, ist dieß keineswegs bei der schottischen Parrotkohle der Fall. Wie gesagt, ist sie in verschiedenen Districten sehr verschieden, und daher weicht (obwohl die Qualität der Gase, mit welchen die verschiedenen Städte versehen werden, in Folge der stattfindenden Vermengung besserer und geringerer Steinkohlensorten ziemlich dieselbe ist) der Werth der verschiedenen Steinkohlen doch sehr von einander ab, weil das aus ihnen erzeugte Gas in Qualität und Quantität verschieden ist.

Ich habe den durchschnittlichen Werth des Gases der schottischen Parrotkohle, dem der englischen Backkohle als Einheit gegenüber, = 5 angenommen. Da die Gasmenge der letztem 8000, die der erstern 9500 Fuß beträgt, verhält sich also der Werth der Steinkohlen in Rücksicht auf das durch die Verbrennung ihrer Gase gelieferte Licht wie 6,1 zu 1.

Es ist dieß der durchschnittliche Werth der schottischen Parrotkohle, nämlich in ihrem gemengten Zustande, wie sie die Gasgesellschaften in der Regel anwenden. Die ärmste schottische Parrotkohle, welche ich untersuchte, gab nur 9000 Fuß Gas, dessen Werth sich zu demjenigen der englischen Backkohle wie 2,2 zu 1 verhielt, wonach sich also der Werth dieser Kohle als Lichtmaterial nur auf 2,5 stellt.

|37|

Den Werth des Gases von der Lesmahagokohle, welche die Gasfabrikanten allgemein als die beste des Marktes betrachten, fand ich, dem englischen Backkohlengas als Einheit gegenüber = 6,6; da sich nun die Gasmenge wie 1,13 zu 1 verhält, so ergibt sich das Werthverhältniß der Lesmahagokohle wenigstens = 7 : 1.

Ich sagte oben, daß der Werth der Kohks bei diesen Berechnungen nicht berücksichtigt wurde; obgleich ich nun den Werth der Newcastler-Kohle hinsichtlich der Lichtgewinnung durch die Verbrennung ihrer Gase, im Vergleich mit demjenigen der Cannelkohlen sehr nieder annahm, so kann sich dessenungeachtet, wenn man die größere Menge guter Kohks die sie liefert in Rechnung zieht, den Werth dieser Kohle für Gasfabrikanten höher stellen, als ich ihn im Vergleich mit den andern Kohlen angegeben habe; dieß hat jedoch mit unserer Frage – dem relativen Werth der Steinkohle hinsichtlich der Lichtgewinnung durch die Verbrennung ihrer Gase – nichts zu schaffen.

3. Kosten des Lichts von verschiedenen Gasen.

Nachdem ich nun den Werth der von den verschiedenen Steinkohlensorten erhaltenen Gase bestimmt habe, will ich nach den an verschiedenen Plätzen für die Gase bezahlten Preisen die relativen Kosten für dieselbe Lichtmenge berechnen.

Hiebei ergibt sich eine Schwierigkeit in Folge der verschiedenen Art, wie die Preise für Gas in verschiedenen Städten notirt werden. Folgende Bemerkungen sind daher nur als eine Annäherung an die Wahrheit zu betrachten.

Gas von englischen Backkohlen. – Die Preisnotirung für dieses Gas ist zu Newcastle 4 Shill. 6 Pence per 1000 Fuß; mit dem Disconto und der Notirung für Straßenlampen, stellt sich dieser Preis zu 3 Shill. 10 Pence, den wir auch als Einheit annehmen wollen.

In den verschiedenen Städten, die ich in England besuchte, wo man sich der englischen Cannelkohle bedient, variirt der Preis von 4 Shill. 6 Pence bis 5 Shill. 6 Pence. Nehmen wir den Durchschnittspreis zu 5 Shill. an, so verhalten sich der Preis dieses und des englischen Backkohlengases wie 1,3 : 1. Da aber der Werth dieser Gase bei gleichem Volum zum Leuchtzweck sich wie 1,85 : 1 verhält, so ist der relative für dieselbe Lichtmenge bezahlte Preis nur 75 zu 100.

Die Preisnotirung des Gases von schottischen Parrotkohlen ist in den verschiedenen Städten sehr verschieden, was hauptsächlich in der Verschiedenheit des Kohlenpreises seinen Grund hat. In den größern Städten wechselt er von 5 bis 7 Shill.; rechnet man aber den |38| Disconto ab, so stellt es sich auf 5 Shill. bis 6 Shill. 5 Pence. Zu 5 Shill. angenommen, verhält sich sein Preis zu dem des englischen Backkohlengases wie 1 zu 1,3; zieht man den Werth der Gase in Rechnung, so verhält sich der für gleiche Lichtmengen gezahlte Preis = 25 zu 100; folglich belaufen sich, wenn man mit diesen Gasen gleich stark beleuchten will, die Kosten des englischen Gases viermal so hoch als diejenigen des andern. Bei dem Preise von 6 Shill. würde er sich wie 30 zu 100 stellen, und bei 6 Shill. 6 Pence wie 33 zu 100; der für gleiche Lichtmengen bezahlte Preis beträgt also 1/3 bis 1/4 des für englisches Backkohlengas bezahlten.

Ich habe den relativen Werth des englischen Parrotkohlengases und des schottischen = 1 und 2,7 angegeben; der Durchschnittspreis des erstern ist 5 Shill., der des letztem 5 Shill. 6 Pence, und 6 Shilling 6 Pence. Fürs Erste werden sich, wenn der Preis derselbe ist, die Kosten für gleiches Licht umgekehrt verhalten wie der Werth der Gase, also wie 2,7 zu 1; bei 6 Shill. 6 Pence, der höchsten Preisnotirung, verhalten sich die relativen Kosten = 2 : 1. Die Kosten für gleiche Beleuchtung mittelst dieser Gase sind also 2 bis 2 3/4 für das englische, wenn man das schottische = 1 setzt; d.h. wenn die Kosten für eine gewisse Lichtmenge auf eine gewisse Zeit beim schottischen Gase 1 sind, so sind dieselben für eben so viel Licht in eben so viel Zeit beim englischen Parrotkohlengas 2 bis 2 3/4 und beim englischen Backkohlengas 3 bis 4, je nach dem für das schottische Gas bezahlten Preise.

Indem ich diese Bemerkungen über den Werth der Gase an verschiedenen Orten und die hienach für gleiche Lichtmengen bezahlten Preise mache, will ich damit keineswegs andeuten, daß der von den Gaskäufern in England für ihr Licht bezahlte Preis zu hoch sey. Ich glaube vielmehr, daß einige englische Gascompagnien für ihr Gas einen Preis notiren, der sie nicht belohnt, und daß derselbe statt erniedrigt eher erhöht werden dürfte. Der Preis des Gases muß sich wie bei anderen Producten nach demjenigen des Rohmaterials richten; nun ist man aber in England nicht so glücklich wie in Schottland, wo man eine Kohle hat, welche, obgleich viel theurer als die englische, sich doch zur Gasfabrication besser eignet, weil sie ein Product von höherm Werthe für den Leuchtzweck liefert; wollte man aber diese Kohle in England verwenden, so würde sie durch den Transport etc. höchst wahrscheinlich so theuer werden, daß die Preisnotirung für das gleiche Licht daselbst noch höher gestellt werden müßte als gegenwärtig.

|39|

Bei Betrachtung obiger Resultate muß es Jedem einleuchten, daß Gase von gleicher Leuchtkraft mit gleichen Brennern sehr verschiedene Zeiten zum Verbrennen gleicher Volume erfordern, weßhalb also zur Ermittelung des Werthes eines Gases für den Leuchtzweck nicht nur seine Leuchtkraft, sondern auch seine Brenndauer in Berechnung gezogen werden muß. Die auffallende Verschiedenheit in der Brenndauer der Gase von schottischen Cannelkohlen aus verschiedenen Districten hat mein Augenmerk hauptsächlich auf diesen Umstand gelenkt; daher können auch zweierlei Steinkohlen dieselbe Menge Gas liefern und beide Gase, unter gleichen Umständen verbrannt, gleiche Leuchtkraft besitzen, und dennoch diese Kohlensorten von verschiedenem Werthe für die Gasfabrication seyn, insofern das Gas der einen Kohle unter denselben Bedingungen längere Zeit brennt, als das der anderen. Ein Beispiel sind die Steinkohlen von Lothian und von Westschottland. So war die mittlere Condensation durch Chlor des Gases von der Kohle des Marquis von Lethian bei meinen Versuchen 13,125, die mittlere Brenndauer 59'30''; während beim Lesmahago-Steinkohlengas die Verdichtung 15,77, die Brenndauer aber nur 62'24'' war. Wäre letztere Brennbauer im Verhältniß zur erstem gestanden, so hätte sie 71'30'' seyn müssen. Dieselbe Bemerkung gilt für die verschiedenen Kohlen von Westschottland im Vergleich mit irgend einer andern Sorte. So war die mittlere Verdichtung des Skaterig- und Knightswoodkohlengases durch Chlor 9, die Brenndauer 46'45''. Für das Gas der Lesmahagokohle betragen sie wie gesagt respect. 15,77 und 62'44''; letztere aber müßte, um mit dem erstem Gase gleichen Schritt zu gehen, 81'54'' betragen.

Aehnliche Resultate erhielt ich bei kürzlich angestellten Versuchen. Drei Kohlensorten lieferten mir Gase, welche mit Chlor 14 ergaben; die Brenndauer war bei dem einen 57', bei den andern 66; bei andern Gasen wieder, deren verdichtbarer Bestandtheil 19 und 22 betrug, überschritt die Brenndauer nicht 77' und 81'. Bei zahlreichen Versuchen fand ich, daß das Gas von englischer Backkohle eine Verdichtung durch Chlor = 4,33 ergab, während seine Brenndauer 50' 30'' betrug. Das Gas der Wigan-Cannelkohle ergab 7,5 Verdichtung, aber nur 57' Brenndauer; das Gas der Yorkshire-Cannelkohle 7,66 Verdichtung, aber nur 52' 30'' Brenndauer. Um mit der Verdichtungsprobe gleichen Schritt zu halten, hätte die Brenndauer der englischen Cannelkohle statt 52' und 57'' wenigstens 87'' betragen müssen.

Aus allem diesem geht hervor, daß die Brenndauer von anderen Umständen abhängt, als von der Gegenwart irgend eines Bestandtheils, |40| der die Verdichtung durch Chlor verursacht, mit andern Worten, als von der Leuchtkraft.

Bei weiterer Verfolgung dieses Ergebnisses beobachtete ich eine merkwürdige Uebereinstimmung zwischen der Brenndauer und dem spec. Gewicht der Gase, wie aus folgender Zusammenstellung ersichtlich ist:

Spec. Gew. 620 627 645 659 704 740 836
Brenndauer 55' 64' 66' 67' 77'5'' 91'7'' 106'

Aus derselben geht hervor, daß je größer das spec. Gewicht der Gase ist, desto längere Zeit für die Verbrennung gleicher Quantitäten erfordert wird; doch hält die Zunahme des einen nicht gleichen Schritt mit derjenigen der andern. Indessen besteht eine gewisse Beziehung zwischen beiden, und ich kam später auf die Vermuthung, daß die Gasconsumtion durch Verbrennung nach demselben Gesetze stattfinden dürfte, wie die Diffusion der Gase. Nach Prof. Graham verhält sich unter gleichen Drucken die Diffusion umgekehrt wie die Quadratwurzeln der specifischen Gewichte. Demgemäß müßte die Consumtion in gleichen Zeiten sich umgekehrt verhalten wie die Quadratwurzeln der specifischen Gewichte; andererseits müßten sich die Zeiten für die Consumtion gleicher Volume bei gleichen Brennern und unter sonst gleichen Umständen verhalten wie die Quadratwurzeln der spec. Gewichte.

Dieß als richtig vorausgesetzt, müßte sich der Gasaustritt unter verschiedenen Drucken wie die Quadratwurzeln der Drucke verhalten und folglich die Zeit für gleiche Consumtionen umgekehrt wie die Quadratwurzeln dieser Drucke.

Um dieß durch das Experiment zu bestätigen, brachte ich einen Platin-Strahlbrenner, mit einem graduirten Manometer versehen, an einem Gasmeter an, daher ich das Gas unter demselben oder verschiedenen Drucken verbrennen lassen und die in einer gewissen Zeit verbrannte Quantität, folglich auch die für die Konsumtion gleicher Quantitäten erforderlichen Zeiten aufzeichnen konnte. Der Manometer war mit einem Nonius versehen, an welchem ich leicht noch 1/100 Zoll ablesen konnte. Auch die Temperatur und der Barometerstand wurden bei jedem Versuch aufgezeichnet und das spec. Gewicht des Gases nöthigenfalls auf gewöhnliche Weise ermittelt.

Folgendes sind die Resultate meiner Versuche.

|41|

Consumtion von Gasen unter verschiedenen Drucken.

Zahlreiche Versuche wurden, um dieselbe zu ermitteln, vorerst mit Manometern von kleinem Durchmesser angestellt, deren Resultate aber nicht mit einander übereinstimmten; bei einem Durchmesser derselben von nur 1/2 Zoll stimmten sie aber besser überein.

Aus vielen Versuchen theile ich folgende mit:


Brenner.

Druck
Quadratwurzel
des
Drucks.
Consumtion
nach dem
Gasmesser.
Consumtion
nach der
Berechnung.

Unterschied

Strahl
4
8
16
2
2,82
4
2,2
3,3
4,8
2,2
3,3
4,4


0,4

Strahl
3
6
12
1,73
2,65
3,47
2,6
3,6
5,8
2,6
3,9
5,2

0,3
0,4
Strahl 8
16
2,82
4
7,01
10,511
7,01
9,92

0,59

Strahl
50
100
200
7,07
10
14,14
5,07
7,06
9,64
5,07
7,07
10,14

0,01
0,50

Folgendes sind die Resultate mit verschiedenen Arten von Brennern, mit welchen die Versuche in der Absicht angestellt wurden, die Leuchtkraft zu bestimmen:

Kleiner Fischschwanz 34
77
5,83
8,79
1,41
2,16

2,13

0,03
Großer Fischschwanz 48
97
6,92
9,84
2,27
3,3

3,2

0,1
Großer Fischschwanz 50
70
7,07
8,36
2,2
2,5

2,6

0,1
Großer Fledermausflügel 70
140
8,36
11,8
3,1
4,5

4,37

0,13

Aus Obigem ist zu ersehen, daß der Gasaustritt den Quadrat wurzeln der Drucke ziemlich nahe kommt.

(Der Beschluß folgt im nächsten Heft.)

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