Titel: Ueber das freiwillige Erblassen der Manganschrift; von C. F. Schönbein.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1849, Band 111/Miszelle 8 (S. 236–237)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj111/mi111mi03_8

Ueber das freiwillige Erblassen der Manganschrift; von C. F. Schönbein.

Die gelbbraune Färbung der Schrift, welche man erhält, wenn mit einer Auflösung von schwefelsaurem Mangan beschriebenes Papier der Einwirkung ozonisirter Luft ausgesetzt wird (polytechn. Journal Bd. CV S. 440), ist nach den von mir gemachten Erfahrungen nicht beständig: sie erblaßt nach und nach und verschwindet mit der Zeit so vollständig, daß das beschriebene Papier endlich wieder vollkommen weiß erscheint. Hat man eine derartige Schrift oder Zeichnung nur schwach entwickelt, dadurch nämlich, daß man ozonisirte Luft nur kurze Zeit auf das beschriebene oder überzeichnete Papier einwirken ließ, doch so, daß Schrift oder Zeichnung noch bemerklich war, und überläßt man ein solches Papier sich selbst, so sieht man von jener schon nach wenigen Wochen beinahe nichts mehr. Im September vorigen Jahres überschrieb ich einen Bogen mit der erwähnten Manganlösung und ließ denselben in einer Ozonatmosphäre so lange hängen, bis die Schrift merklich stark hervorgetreten, jedoch mehr gelb als braun war, und nun legte ich den Bogen in meinen Arbeitstisch. Vor wenigen Tagen nahm ich jenen wieder zur Hand und fand ihn so völlig weiß, daß von der Schrift auch nicht die geringste Spur mehr wahrgenommen werden konnte. Brachte ich den so beschaffenen Bogen in ozonisirte Luft, so kam die frühere Schrift wieder vollkommen zum Vorschein. Manganschrift zu gleicher Zeit gemacht, aber merklich stärker, d.h. bis zur braunen Färbung entwickelt, ist zur Stunde immer noch deutlich, obwohl etwas blasser geworden. Vielleicht werden Jahre vergehen, bis dieselbe vollständig verschwunden ist.

Ueber die nächste Ursache des freiwilligen und langsamen Verschwindens der Manganschrift weiß ich nichts Bestimmtes anzugeben; es unterliegt aber wohl keinem Zweifel, daß dasselbe auf einer allmählichen Desoxydation des Mangansuperoxydes beruht, welches die färbende Substanz besagter Schrift ausmacht. Mir scheint es wahrscheinlich zu seyn, daß die Papiermasse nach und nach desoxydirend auf das Superoxyd einwirkt und die auf der Stelle der Manganschrift befindliche und vom angewendeten Sulfat herrührende Schwefelsäure mit dem dort entstandenen Manganoxydul |237| sich wieder zu farblosem Sulfat vereiniget. Aus diesem Salz wird bei wiederholter Einwirkung des Ozons abermals Schwefelsäure ausgeschieden unter Bildung von Mangansuperoxydhydrat, weßhalb eben die freiwillig erloschene Manganschuft in ozonisirter Luft wieder zum Vorschein kommt. (Poggendorff's Annalen der Physik und Chemie, 1848 Nr. 11.)

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