Titel: Ueber die chemische Natur des Stahls, von Hrn. Nasmyth.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1849, Band 111/Miszelle 3 (S. 311–312)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj111/mi111mi04_3

Ueber die chemische Natur des Stahls, von Hrn. Nasmyth.

Ich theile in Folgendem meine Ansichten über diesen Gegenstand mit, in der Absicht einen Beitrag zur Aufklärung der chemischen Natur des Stahls zu liefern, welche allein die Basis für Verbesserungen in der Stahlfabrication bilden kann. Bekanntlich wird Stahl (Cementstahl) gebildet, wenn man schmiedeiserne Stangen mit Holzkohlenpulver umgeben in Kästen aus feuerbeständigem Thon bringt, von welchen die Luft ausgeschlossen ist, und die Eisenstangen in Berührung mit der Kohle mehrere Tage lang einer starken Rothglühhitze aussetzt, worauf man die Eisenstangen in Stahl verwandelt findet. Welche Veränderung hiebei das Eisen erlitt, ist noch nicht mit Sicherheit ermittelt; die gewöhnliche Erklärung ist, daß das Eisen Kohlenstoff aus der Kohle absorbirte und sich mit demselben zu Kohlenstoffeisen verband; die Analyse des Stahls ergibt aber, daß das Eisen hiebei nur eine höchst unbedeutende Menge Kohlenstoff aufnahm. Nach meiner Ansicht besteht das Geheimniß in |312| der Veränderung, welche der Kohlenstoff erleidet, wenn er sich mit Eisen verbindet um Stahl zu bilden. Wer sich mit der Verwandlung des Eisens in Stahl beschäftigt hat, muß die merkwürdige Veränderung im äußeren Ansehen der Eisenstangen nach dieser Verwandlung beobachtet haben, insbesondere daß sie mit Blasen überzogen sind. Diese Blasen zeigen die Entbindung eines sehr elastischen Gases an, welches aus dem Kohlenstoff während seiner Vereinigung mit dem Eisen frei wurde. Es ist mir höchst wahrscheinlich, daß diese Blasen durch Zersetzung des Kohlenstoffs entstehen, dessen metallische Basis mit dem Eisen in Verbindung tritt und mit ihm eine Legirung bildet, während der andern. Bestandtheil des Kohlenstoffs sich abscheidet und bei seinem Entweichen die fraglichen Blasen hervorbringt. Diese Annahme führt uns auf eine sehr interessante Frage – was ist die Natur dieser Gasart? Um dieß zu untersuchen, braucht man nur eine Retorte aus Schmiedeisen mit einem Gemenge von reinem Kohlenstoff und Eisenfeile zu füllen, sie einer lange andauernden Rothglühhitze auszusetzen und das entbundene Gas über Quecksilber aufzufangen Nachdem man auf diese Weise das fragliche Gas erhalten hat, bringe man ein Stück polirten Stahls in Berührung mit diesem Gas, und höchst wahrscheinlich wird dadurch eine Schicht Kohlenstoff auf der Oberfläche des Stahls reproducirt, in Folge der Wiedervereinigung seiner zwei Elemente, nämlich der im Stahl enthaltenen metallischen Basis des Kohlenstoffs mit dem noch unbekannten Gase. (Aus Jameson's Edinburgh new philosophical Journal, 1849 Nr. 1. Die Ansicht eines talentvollen Mannes, wie des ausgezeichneten Mechanikers Nasmyth, verdient immer Beachtung, wenn sich ein solcher auch auf ein ihm fremdes Gebiet wagt; Hr. Nasmyth übersah, daß die Gasart, welche sich möglicherweise von dem metallischen Radical des Kohlenstoffs in der rothglühenden schmiedeisernen Retorte trennen könnte, selbst vorausgesetzt, daß sie auf deren Material gar nicht einwirkt, durch diese glühende Retorte wie durch ein Sieb entweichen müßte, also keineswegs über Quecksilber aufgesammelt werden könnte. E. D.)

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