Titel: Picciotto, über das Reinigen des arabischen Gummi's.
Autor: Picciotto, M. H.
Fundstelle: 1849, Band 112, Nr. XV. (S. 68–70)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj112/ar112015

XV. Verfahrungsarten zum Reinigen und Entfärben aller Sorten arabischen Gummi's; patentirt für M. H. Picciotto in London am 17 August 1848.

Aus dem London Journal of arts, März 1849, S. 112.

Erstes Verfahren.

Man bereitet eine ziemlich starke Auflösung von (gewaschenem) schwefligsaurem Gas, welche man gegen den Zutritt der Luft verwahrt halten muß. In dieselbe bringt man 1 Gewichtstheil ganzes oder gepulvertes Gummi auf 6 bis 12 Theile Flüssigkeit: wenn sich das Gummi aufgelöst hat, wird der größere Theil seines Farbstoffs zerstört seyn, d.h. mit der schwefligen Säure eine farblose Verbindung eingegangen haben.

Um nun die Gummi-Auflösung von der schwefligen Säure zu befreien, welche sich mit dem Farbstoff verbunden hat, verfährt man folgendermaßen: man erhitzt auf kurze Zeit das geschlossene Gefäß worin sich die Mischung befindet, und leitet während dieser Zeit das Gas welches sich aus der Mischung entbindet, mittelst eines Rohrs in einen anderen mit Wasser gefüllten Behälter, um es zu einer neuen Operation |69| verwenden zu können – man läßt dann die heiße Mischung in kleinen Portionen in ein größeres und offenes Gefäß ablaufen, welches eine zum Sättigen der schwefligen Säure hinreichende Menge kohlensauren Baryt enthält; man rührt um, und nachdem alle Kohlensäure ausgetrieben und die Auflösung neutral geworden ist, deckt man das Gefäß zu und läßt die Auflösung einige Stunden stehen, damit sich die gröberen Theile von den festen Substanzen absetzen können. Dann filtrirt man die abgegossene Auflösung, um den unauflöslichen schwefligsauren Baryt mit den anderen Unreinigkeiten (Holzfasern, Sand, erdigen Theilchen und unauflöslichem Gummi) von ihr abzusondern; auf dem Filtertuch läßt man sie hiebei eine dünne Schicht einer gallertartigen Thonerde (aus Alaun präcipitirt) durchziehen. Die filtrirte Auflösung ist nur mehr wenig gefärbt; wünscht man aber ein ganz weißes Gummi zu erhalten, so muß man die Behandlung mit schwefliger Säure wiederholen. Durch Abdampfen der filtrirten Auflösung erhält man ein farbloses, geschmackloses und reines Gummi, dessen natürliche Eigenschaften nicht im geringsten verändert worden sind.

Uebrigens kann man die Gummiauflösung auch von der schwefligen Säure befreien, ohne letztere durch eine Basis zu neutralisiren; man kocht nämlich die Mischung in einem geschlossenen luftdichten Gefäß und leitet das sich entbindende Gas in ein Gefäß mit Wasser. Wenn es nöthig ist, wiederholt man den Entfärbungsproceß, indem man einen Strom reinen schwefligsauren Gases in die Auflösung leitet und letztere dann durch Sieden von ihm befreit. Nach ihrem Erkalten findet man, daß sich alle Unreinigkeiten, welche ursprünglich mit dem Gummi verbunden waren, am Boden des Gefäßes abgesetzt haben, und die reine Auflösung kann nun abgezogen oder durch Zeugsäcke filtrirt werden.

Zweites Verfahren.

Man löst das Gummi in kaltem oder heißem Wasser auf – im Verhältniß von 1 Gewichtstheil Gummi auf 6 bis 15 Theile Wasser – und filtrirt die Auflösung durch Zeug; dann vermischt man frisch gefälltes und ausgewaschenes Thonerdehydrat, welchem ein wenig Pfeifenerde einverleibt wurde, innig mit der Gummi-Auflösung, in der Kälte oder Wärme, so daß das Ganze die Consistenz eines dünnen Teigs erhält; nachdem dieser durch Zeug filtrirt worden ist, wird die klare Gummi-Auflösung großentheils entfärbt seyn. Letztere muß noch einmal mit einer frischen Portion gallertartigen Thonerdehydrats behandelt |70| werden, wenn ein vollkommen weißes Gummi verlangt wird; nöthigenfalls wird dieser Proceß noch zum drittenmal wiederholt. Da die zweite und dritte Portion Thonerde nach ihrer Anwendung nur sehr wenig Farbstoff enthalten, so lassen sie sich zur ersten Entfärbung einer anderen Portion Gummis wieder verwenden.

Nachdem das Thonerdehydrat viel Farbstoff aufgenommen hat, wascht man es auf dem Filter mit heißem Wasser aus, um es vom anhaftenden Gummi zu befreien; hierauf wird die Thonerde mit kaltem Chlorwasser ausgewaschen oder mit einer klaren Auflösung von Chlorkalk; dann filtrirt man sie und wascht sie wiederholt mit heißem Wasser; so erlangt sie ihre ursprüngliche Weiße und Reinheit wieder, nebst ihrer chemischen Verwandtschaft zum Farbstoff.

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