Titel: Varrentrapp, über Lackfirnisse.
Autor: Varrentrapp, Franz
Fundstelle: 1849, Band 112, Nr. XLVII. (S. 214–222)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj112/ar112047

XLVII. Ueber Lackfirnisse. Von Dr. Varrentrapp.

Aus den Mittheil. für den Gewerbev. des Herzogth. Braunschweig, Bd. IV, Nr 49.

Für helle Oellackfirnisse ist der Copal das beste Harz; für dunklere der Bernstein. Beide müssen erst geschmolzen werden, was am zweckmäßigsten, ebenso wie bei den Oelfirnissen, in einem halbkugelförmigen |215| Kessel geschieht, dessen Feuerung so eingerichtet ist, daß der Kessel anfänglich bis zu 1/3 seiner Höhe eingesenkt, später aber mittelst eines aufgelegten gußeisernen Ringes so in die Höhe gehoben werden kann, daß nur noch der Boden desselben vom Feuer getroffen wird. Als Brennmaterial ist die Holzkohle am geeignetsten.

Beide Harze nehmen durchs Schmelzen eine dunklere Farbe an, und zwar um so mehr, je höher man sie erhitzt. Ich habe vergebens versucht, den Copal, bei dem es vor allem darauf ankommt, ein möglichst farbloses Product zu erhalten, in Glasgefäßen im Oelbade bei dem möglichst niedrigen Hitzgrade zu schmelzen; das Harz bräunte sich aber auch in diesem Falle, und man muß es demnach für unmöglich halten, eine Schmelzung desselben, ohne daß es sich etwas dunkler färbt, überhaupt bewirken zu können. Am hellsten bleibt es bei folgender Schmelzmethode: man bringt den gröblich gepulverten Copal in den Kessel, rührt fleißig um und taucht, sobald ein größerer Antheil geschmolzen ist, einen hölzernen Spatel hinein, und zieht mittelst desselben immer die geschmolzene Masse heraus, wodurch man ein Ueberhitzen vermeidet; der zuletzt schmelzende Antheil fällt etwas dunkler aus und muß für sich verwendet werden. Bisweilen benutzt man auch zum möglichst farblosen Schmelzen, namentlich zum Reinigen der Harze einen kupfernen Trichter, in dem man einen Sack von Drahtgeflecht, mit den Harzen gefüllt, so aufhängt, daß er nirgends die Wandungen berührt, kittet einen kleinen gut schließenden Trichter als Deckel oben auf und setzt das Ganze in der Weise auf ein Kohlenbecken mit hohen Füßen, daß das Trichterrohr durch den Rost hindurch geht und das geschmolzene Harz in ein untergesetztes Gefäß abfließen läßt. Ein Deckel von Schwarzblech, der in der Mitte mit einem Loche von der Größe versehen ist, daß der Trichterhals es gerade ausfüllt, wird auf das Gefäß gedeckt, in das man auch Wasser gießen kann, um den Copal etc. desto leichter herausnehmen zu können; derselbe muß dann noch sorgfältig getrocknet werden, ehe man ihn zur Firnißbereitung verwendet.

Lackfirnisse mit Weingeist.

Das Auflösen der Harze in Weingeist geschieht im Kleinen in Glasgefäßen, bei fabrikmäßigem Betriebe in kupfernen oder zinnernen Blasen, die man am zweckmäßigsten im Wasser- oder Dampfbade erhitzt. Zur Wiedergewinnung des bei der Digestion verdampfenden Lösungsmittels setzt man einen Helm auf, der mit einem Kühlapparate in Verbindung steht. Die meisten Firnisse filtrirt man heiß, entweder |216| durch Filzbeutel oder durch ungeleimtes weißes Papier. Alle Geräthschaften, die man hierzu verwendet, müssen vollkommen trocken seyn.

Sandarak und Mastix sind zwei fast farblose, in Weingeist leicht lösliche Harze, aber sie sind wenig fest und dauerhaft, obwohl glänzend. Das erstere Harz kann namentlich ohne Zusatz eines weichern Harzes gar nicht benutzt werden; man löst daher zugleich Anime, Elemi, Kampher, am gewöhnlichsten etwas dicken Terpenthin mit auf, oder setzt Lösungen dieser Harze in passenden Mengen dem Sandarakfirniß zu, was am zweckmäßigsten ist, da man dann aus den Auflösungen der einzelnen Harze leicht Compositionen von jeder beliebigen Eigenschaft darstellen kann.

Der Terpenthin macht den Firniß, selbst bei nicht sehr großem Zusatz, hinreichend zähe und biegsam, so daß er bei Reibung oder Stoß weniger leicht als ein weißes Pulver von der gefirnißten Fläche abfällt, weil das in dem Terpenthin enthaltene Oel sehr hartnäckig zurückgehalten wird. Mit der Länge der Zeit aber verdampft das letztere vollständig, und etwas bedeutende Temperaturveränderungen erzeugen Sprünge und Risse, namentlich wenn die Firnißdecke etwas stark ist. Man muß nie mehr als die unbedingt nothwendige Menge von Terpenthin zusetzen.

Folgende Vorschriften sind zu empfehlen: 1) 10 Theile Sandarak, 1 Theil venet. Terpenthin, 30 Theile Weingeist; 2) 6 Theile Sandarak, 4 Theile Mastix, 1/2 Theil Terpenthin, 30 Theile Weingeist. Etwas sehr stark aber schön glänzend wird der Firnißüberzug von einer Lösung von 12 Th. Sandarak, 6 Th. Mastix, 1/4 Th. venet. Terpenthin und 30 Lth. Weingeist. Er ist hart, etwas spröde, aber weniger leicht dem Reißen unterworfen als die ersteren Vorschriften.

Viel dauerhafter ist der Schellackfirniß, obwohl nicht ganz farblos. 1 Th. Schellack in 4–5 Th. Weingeist gelöst, gibt einen ziemlich consistenten Firniß, der sehr rasch trocknet, in der That aber auch noch etwas spröde ist, weßhalb man ihm nicht selten 1/16 Terpenthin zusetzt. Der gebleichte Schellack löst sich oft nur unvollständig auf, man thut daher wohl, ihn erst im Kleinen zu probiren, ehe man größere Mengen in Arbeit nimmt. Aller Schellack enthält neben dem in kaltem Alkohol löslichen Harze noch eine wachsartige Substanz, die in kaltem Weingeist unlöslich ist, von heißem Weingeist aber etwas gelöst wird, der Firniß ist daher trübe und muß kalt filtrirt werden, wenn er klar und durchsichtig erscheinen soll. Setzt man der Lösung von dem orangefarbenen Schellack etwas Thierkohle zu, so wird die Lösung fast |217| ebenso farblos, wie die von gebleichtem Schellack, und man hat nicht zu fürchten, daß die Harzsubstanz durch die Bleichmittel gelitten habe. Durch Zusatz von Sandarak und Mastix erhöht man den Glanz des Schellackfirnisses, aber auf Kosten seiner Dauerhaftigkeit.

Die sogenannte Tischlerpolitur ist nichts anders, als ein verdünnter Schellackfirniß, den man auf ein zusammengelegtes Stückchen Leinwand, welches vorher mit etwas Leinöl befeuchtet wurde, tropft, und damit ebne, wohlgeglättete Holzflächen so lange reibt, bis dieselben einen hinreichenden Glanz angenommen haben. Gewöhnlich pflegt man dieselben vor dem Gebrauche nicht zu filtriren, es ist dieß aber eine Bequemlichkeit, die man sich ihrer Nachtbeile halber nicht sollte zu Schulden kommen lassen; bei Hölzern namentlich, die etwas weite Poren haben, entsteht durch das eingeriebene undurchsichtige Wachs eine häßliche, grüne, trübe Farbe, und im allgemeinen erschwert das an dem Polirlappen sitzen bleibende, eine Kruste bildende Wachs das Erlangen einer schönen Politur sehr, und man muß das Tuch viel öfter wechseln, als wenn man die kleine Mühe des Filtrirens nicht gescheut hat. Der Spiritus hierzu muß wenigstens 85° Tr. stark seyn; ein größerer Wassergehalt öffnet die Poren des Holzes, und wenn es vorher noch so glatt bearbeitet war, so vermindert sich diese Ebenheit, und das Ansehen des polirten Stückes verliert sehr. 1/4 Pfd. Schellack in 1 Pfd. Spiritus von 85° Tr. gelöst, kalt filtrirt, das Filtrum mit 2 Lth. Spiritus, in dem 1/16 Lth. Benzoe gelöst, ausgewaschen, liefert eine sehr gute Politur. Zum Poliren aus der Drehbank muß eine unverdünnte Lösung von 1 Pfd. Schellack auf 2 Pfd. Spiritus benutzt und zu starke Erhitzung vermieden werden. Für weiße Hölzer wird die Politur zweckmäßig mittelst Thierkohle entfärbt.

Bei Tischlerarbeiten findet sich oft Schnitzwerk angebracht, welches das Verreiben der Politur nicht gestattet; dieses muß, um ihm ein dem Uebrigen gleiches Ansehen zu geben, gefirnißt werden; 1/4 Pfd. Schellack, 1/4 Pfd. Gummilack, 2 Loth Benzoe und 1 Pfd. Alkohol von 92° Tr. gibt eine gute Mischung, die den Vortheil hat, daß sie sich mit der Politur vollständig vereinigt. Möglichst dünnes Ausstreichen mit dem Pinsel ist sehr anzurathen, aber vor allem saubere vorläufige Bearbeitung des Holzes. Ohne beides erzielt man mit keinem Firniß eine schöne Arbeit.

Viel härter als der Schellack ist der Copal, aber es ist nicht leicht, denselben in Weingeist in einigermaßen bedeutender Menge zu lösen, namentlich wenn er nicht zuvor geschmolzen wurde. Deßhalb schmilzt |218| man ihn auch zu diesem Zweck, wenn es nicht auf die Farbe des Firnisses sehr ankommt, pulvert ihn, gibt ihn mit Glas gemengt in einen Kolben, wo man ihn mit ganz starkem Weingeist einige Zeit im Wasserbade kocht und dann heiß filtrirt. Durch Zusatz von etwas Terpenthin oder Elemi mildert man seine große Sprödigkeit. Zu 1/12 einer mit starkem Spiritus bereiteten Tischlerpolitur zugesetzt, bildet er ein vortreffliches Material zum Nachpoliren.

Soll der Firniß zum Ueberziehen von weißem oder sehr zart gefärbtem Holz, Papier etc. dienen, so muß er so gut wie ganz farblos seyn. Man wählt dann die farblosesten reinsten Stücke von ostindischem Copal, wäscht den Staub gut ab, trocknet und pulvert den Copal, legt ihn, vor Staub geschützt, mehrere Tage auf eine warme Ofenplatte, die so heiß seyn muß, als es das Papier nur ertragen kann, ohne braun zu werden, schüttet in eine ganz trockne Steinkruke 2 Loth geschlämmte, getrocknete Kreide, darauf 1 Loth gewaschenen Sand oder grobes Glaspulver, mengt ebenso viel davon mit 2 Loth Copalpulver, gießt langsam Alkohol von 94° Tr. darauf, verbindet mit Blase und digerirt bei einer bis zum Kochpunkte gehenden Temperatur 1/2 bis ganze Stunde, worauf man die Lösung so heiß als möglich durch Löschpapier filtrirt.

Concentrirtere Lösungen aus Copal erhält man, wenn man denselben mit seinem doppelten Gewicht Aether übergießt, ihn darin aufquellen und zerfließen läßt, dann die Lösung bis zum anfangenden Kochen erhitzt und nach und nach mit heißem Alkohol durch gutes Schütteln mischt. Das Löslichmachen des Copals durch Ammoniak ist zu verwerfen, da man weniger glänzende und feste Ueberzüge durch solche Firnisse erhält.

Lackfirnisse mit Terpenthinöl.

Die Lackfirnisse, welche durch Auflösen von Harzen in Terpentinöl dargestellt werden, sind etwas langsamer trocknend, dafür aber auch haltbarer und weniger spröde als die Weingeistlackfirnisse. Zusätze von Colophonium und Terpenthin sind in beträchtlicherer Menge zu den besseren Lackfirnissen nicht zu empfehlen, weil sie leicht bei dem vollsten Trocknen, welches sie bedeutend erschweren, ein Reißen und Springen des Lackes veranlassen. Von Manchen wird der Zusatz von Animeharz sehr empfohlen, jedenfalls aber ist starker Leinölfirniß der beste Zusatz, um die große Sprödigkeit der Harze zu mindern, wenn auch das völlige Austrocknen dadurch etwas verzögert wird.

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Man bewirkt die Lösungen ganz wie bei dem Weingeist, nur thut man besser, den Kolben nicht in ein Wasserbad, sondern in einen eisernen Topf, auf dessen Boden man einen halben Finger dick eine Lage von auf dem Feuer getrocknetem und wieder erkaltetem Sand gebracht hat, zu stellen, um stärker erhitzen zu können. Die Lösungen in Töpfen vorzunehmen, die man direct auf das Feuer stellt, ist wegen der leichten Entzündbarkeit des Oeles und seines Dampfes einerseits nicht anzurathen, andererseits aber erleidet man dabei auch einen beträchtlichen Verlust an Oel.

Terpenthin- oder Harzfirniß. Dieß ist die ordinärste Sorte und wird durch Lösen von venezianischem Terpenthin, weißem Tannen- oder Fichtenharz (Galipot) oder auch von Colophonium, je nachdem man ihn farbloser oder gefärbter verwenden kann, erhalten, er ist aber wenig dauerhaft, bekommt sehr leicht nach kurzer Zeit Risse, und wird namentlich für Spielsachen und ähnliche gewöhnliche Artikel gebraucht. Helle, etwas bessere Sorten bereitet man aus Mastix und Sandarak. 12 Th. Mastix, 1/2 Th. Terpenthin, 1/2 Th. Kampher, in 36 Th. Terpenthinöl gelöst (ist das Terpenthinöl alt, so läßt man den dicken Terpenthin ganz weg), oder statt des Mastix Sandarak, oder die Hälfte von beiden, sind gewöhnliche Vorschriften.

Asphaltlack. Auflösungen von Asphalt in Terpenthin liefern einen dauerhaften, schwarzen Firniß; auch Theer von Steinkohlen und Holz, namentlich wenn ersterer mit etwas Kalk gekocht wird, liefern ähnliche Ueberzüge. Sollen sie schnell trocknen, so ist es bei letzteren unumgänglich nöthig, aber auch bei dem Asphalt sehr gut, dieselben mehrere Stunden lang vorher stark zu erhitzen, in Kesseln, die bis zu 3/4 voll davon angefüllt werden, damit sich nicht zu viel des abdestillirenden Oeles, welches durch Erhitzen verjagt werden soll, an den Wänden condensire und immer wieder zurückfließe. Diese Ueberzüge eignen sich sehr gut für Eisen und Metalle überhaupt, die man am besten vor dem Auftragen des Firnisses nur so stark erwärmt, daß der Firniß keine Blasen bildet, nicht kocht, sondern nur abdampft.

Copallack. Copal löst sich leichter in Terpenthinöl, als in Alkohol, aber auch besser, wenn er vorher geschmolzen wurde. Für ganz helle Lackfirnisse schmilzt man ihn aber nicht, sondern pulvert und trocknet ihn nur, und bindet ihn in ein feines Musselinläppchen. Man wählt einen Kolben, der in dem untern Drittel seiner Kugel das 3–4fache Gewicht des Copals an Terpenthinöl faßt, hängt das Beutelchen mit |220| Copal an einem Bindfaden gerade bis über die Oberfläche des Oeles auf, und erhitzt nun so lange im Sandbade, bis die Dämpfe des kochenden Oeles allen Copal aufgelöst haben, und derselbe in das Oel getropft ist; hat der Kolben einen langen Hals, und erhitzt man ihn nicht zu stark, so verdichten sich die Dämpfe des Oeles in dem langen Halse fast vollständig und laufen wieder zurück. Man hat dieselbe Methode zur Lösung des Copals in Weingeist vorgeschrieben, dort ist sie aber nicht so zweckmäßig, weil die Weingeistdämpfe nicht so leicht die Lösung bewirken, nicht so heiß sind und sich schwieriger verdichten.

Zusatz von Leinöl zu derartigen Firnissen macht sie zähe und dauerhafter, aber weniger schnell trocknend. Der Firniß muß heiß seyn und das Oel ebenso, jedoch nicht über 40° R. sonst kann es ein Kochen und Ueberlaufen des Firnisses bewirken. Dadurch werden die ätherischen Oellackfirnisse zu fetten Oellackfirnissen.

Dammarlack. Ein nicht sehr dauerhafter, aber fast farbloser, leicht darstellbarer Lackfirniß findet jetzt viel Anwendung. Dammarharz, in ausgesucht hellen Stücken, wird gröblich zerrieben, längere Zeit einer mäßigen Wärme ausgesetzt, so daß es nicht gerade schmilzt, dann auf die bekannte Weise in seinem 3–4fachen Gewicht Terpenthinöl gelöst. Hat man das Harz nicht gehörig getrocknet, so erhält man einen trüben Firniß, der sich sehr schwer klärt. Auch ätherische Lösungen dieses Harzes, mit absolutem Alkohol versetzt, sind im Gebrauch.

Recepte zur Bereitung von Lackfirnissen.

Goldlack für Metalle. Man löst 1 Th. Schellack in 4 Th. Weingeist, entfärbt die Lösung mit Blutkohle, wenn die Farbe recht schön werden soll, und setzt nun concentrirte geistige Auszüge von Gummigutt, Orlean, Safran, Drachenblut oder Sandelholz, entweder von allem oder nur von einzelnen, so viel zu, bis die Farbe die gewünschte Nüance erhält. Zu viel Gummigutt macht den Lack zu weich und schwer trocknend. Auch kann man die Ingredienzien, Orlean, Drachenblut etc., so wie den Schellack in Terpenthin lösen, um etwas schwieriger trocknende, aber auch etwas zähere Firnisse zu erhalten, oder statt des Schellacks Mastix und Sandarak nehmen, sowohl für die Weingeist-, wie für die Terpenthinlackfirnisse, aber sie sind weniger haltbar. Sehr schön wird der nach obiger Methode durch Lösen von ungeschmolzenem Copal in Terpenthinöl erhaltene, auf die angegebene Weise mit Orlean und Drachenblut gefärbte Lackfirniß.

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Fetter Copallack. Dieser wird aus 1 Th. geschmolzenem Copal mit 2 Th. sehr dick gekochtem Leinöl und ebenso viel Terpenthinöl bereitet und liefert, auf heiße Gefäße gestrichen und dieselben nach 3–4 Anstrichen bis zum Rauchen und Braunwerden des Firnisses erhitzt, einen Ueberzug, der statt Verzinnung dienen kann, indem er selbst beim Sieden weder vom Wasser, noch von Weingeist oder Essig angegriffen wird. Wenn immer nur möglich, streicht man alle Lacke auf das vorher erwärmte Metall, und läßt sie bei hoher Temperatur trocknen (backen). Bernsteinlacke vertragen weniger Hitze als Copallacke, Asphaltlacke am allermeisten. Die Metalle müssen vor dem Lackiren vollkommen frei von jedem Rost oder Schmutz seyn.

Zu Lederlack eignen sich vorzüglich Asphalt- und Copallackfirnisse, mit einander gemengt, und reich an recht zähem Leinölfirniß. Papier, bei dem nie von großer Haltbarkeit die Rede seyn kann, wird stets mit Weingeist- oder Terpenthinlackfirniß überzogen, nachdem die Oberfläche des Papiers, um das Eindringen des Lackfirnisses zu verhindern, vorher mit Leimwasser oder einer Auflösung von Hausenblase oder Gummi arabicum überstrichen worden ist; selbst das Schreibpapier, voraus das mit Harz geleimte Maschinenpapier, wird von dem Lackfirniß sogleich durchsichtig, wenn man es nicht vorher mit einer Leimschicht überzieht.

Retouchirlack (Retouchirbutter). Die Maler bedürfen zuweilen, um Gemälde zu retouchiren, eines sehr schnell trocknenden Oeles als Zusatz zu ihren Farben. Um es darzustellen, siedet man 8 Loth Mohn- oder Nußöl, setzt 2 Loth feingeriebene Bleiglätte und dann noch 1 Loth fein gestoßenen Mastix zu, und läßt noch eine Weile sieden. Man darf dabei die Hitze nicht zu hoch steigern, um einen möglichst farblosen Firniß zu erhalten.

Lack für Gemälde. Hierzu dienen Lösungen von 1 Th. Dammarharz, oder von 1/2 Th. Sandarak, 1/2 Th. Mastix und 1/24 Th. Terpenthin in dem vierfachen Gewicht Terpenthinöl. Häufig verwendet man dazu auch den gewöhnlichen mit Terpenthinöl bereiteten Dammarfirniß.

Lack für Xylographien. Man zieht jetzt häufig Kupferstiche oder Lithographien auf Holz ab, d.h. man trägt die Druckfarbe von Papier auf Holz über, entfernt dann das Papier, und überzieht das Holz mit einem durchsichtigen Lackfirniß. Dieß wird am besten auf folgende Art bewirkt: das helle, geglättete und wohl geschliffene Holz wird dreimal mit einem Firniß, der aus 2 Loth Sandarak in 6 Loth Alkohol und 1 Loth Schellack, ebenfalls in 6 Loth Alkohol gelöst, mit Thierkohle gebleicht und mit 1/2 Loth venet. Terpenthin versetzt |222| ist, überzogen. Unterdeß legt man den Kupferstich in Wasser, dem man etwas Kochsalz zusetzen kann. Sobald der dritte Firnißüberzug recht trocken ist, legt man den Kupferstich glatt zwischen Fließpapier, um dadurch alle überschüssige Feuchtigkeit zu entfernen, richtet ein Brett glatt zu, von der Größe des Kupferstiches, und erwärmt es recht gleichmäßig über Kohlen, streicht alsdann den Firnißüberzug noch einmal mit demselben Lackfirniß über, legt sogleich den noch feuchten Kupferstich auf, breitet ein Stück Flanell glatt darüber, legt das erwärmte Brett darauf, und drückt es durch mehrere Schraubenzwingen an. Nach drei Stunden löst man das Brett und legt nun nasse Flanelllappen auf das Papier; nach einiger Zeit läßt sich dieses in großen Stücken herunterziehen. Das noch festhaftende Papier wird wieder angefeuchtet, abgetrocknet und einem feinen wollenen Läppchen abgerieben; was noch sitzen bleibt, reibt man mit etwas Leinöl und mit einem feinen Leinwandläppchen oder mit den weichen Fingern ab, worauf man nach sorgfältiger Entfernung des Oeles einen farblosen Copal- oder Sandarakfirniß darüber streicht.

Schwarzer Lack für Metalle. Die beliebte schwarze Farbe auf gußeisernen oder anderen Metallwaaren erhält man, indem man die Gegenstände mit stark gekochtem Leinöl bestreicht und über einem leichten Flammenfeuer ziemlich hoch aufhängt, jedoch so nahe, daß das Oel durch die Hitze abdampft. Wenn dieß ziemlich vollständig geschehen und das Holz zu Kohlen verbrannt ist, nähert man die Gegenstände immer mehr, und taucht sie dann noch heiß einen Augenblick in altes Terpenthinöl, was bei seiner Verdampfung von der heißen Oberfläche einen glänzenden Ueberzug zurückläßt.

Lackfirniß aus Schießwolle. Farblose Ueberzüge, die selbst dem kochenden Wasser widerstehen, kann man sich auch aus Schießbaumwolle oder Xyloidin darstellen, indem man die erstere in Essigäther, das letztere in Essigsäure auflöst. Streicht man den ersteren auf eine Glasplatte, die man mit etwas Oel bestrichen und nachher wieder abgewischt hat, so löst sich der Ueberzug nach dem Trocknen wie ein ganz dünnes Glasplättchen ab. Das Xyloidin erhält man durch Zusammenrühren von Stärkmehl mit concentrirter Salpetersäure. Nach einiger Zeit entsteht eine durchsichtige Lösung, die beim Vermischen mit Wasser einen käseartigen Niederschlag bildet, den man auswäscht, auspreßt und trocknet; in concentrirter Essigsäure löst sich derselbe zu einem durchsichtigen zähen Schleim auf, der sich als Lackfirniß benutzen läßt.

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