Titel: Leclaire's Oefen zur Fabrication von Zinkweiß.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1849, Band 112, Nr. LX. (S. 270–275)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj112/ar112060

LX. Leclaire's Oefen zur Fabrication von Zinkweiß.

Aus dem Technologiste, Novbr. 1848, S. 65.

Mit Abbildungen auf Tab. V.

Beschreibung der Oefen.

Retortenofen. Fig. 1 zeigt einen solchen Ofen mit allem Zugehör zum Erzeugen und Sammeln des Zinkoxyds, im Grundriß. Fig. 2 ist der Querdurchschnitt dieses Ofens und Fig. 3 der Längendurchschnitt desselben.

A Thür des Ofens; B Feuerraum; C, C Retorten aus feuerbeständigem Thon, auf jeder Seite fünf. D, D Oeffnungen der Retorten, durch welche die Destillationsproducte entweichen. E, E, E Eisenstangen oder Schaber, welche wie Fig. 2 zeigt, so aufgehängt sind, daß sie sich querüber vor den Retorten bewegen, um das Zinkoxyd zu beseitigen oder abzuschaben, welches den Oeffnungen derselben anhaften und sie verstopfen könnte. F, F horizontale Stange, an welcher alle Schaber befestigt sind; indem man diese Stange vor oder zurück stoßt, kommt jeder Schaber in Thätigkeit und reinigt die Oeffnung seiner Retorte. G, G Trichter, welche die schweren Massen von calcinirtem Zink aufnehmen; diese Trichter sind unter den Oeffnungen der Retorten an gebracht und ihr unteres Ende communicirt durch kleine kurze Röhren mit einem gemeinschaftlichen Canal G', welcher die Producte in den Recipient G'' schafft. Diese Trichter haben übrigens nur die festen Substanzen aufzunehmen, welche während der Destillation entweichen – |271| oder den Theil des Products, welcher sich an der Oeffnung der Retorten anhäuft und zu schwer ist, als daß er durch Ansaugung in die Oxydationskammer gezogen werden könnte.

Eine kleine Kammer aus Eisen H ist an jeder der Retorten angebracht, um sie von einander zu isoliren. Jede solche Kammer steht auf einem Gerüst H' und ist an der Mauer befestigt; man kann aber auch die Einrichtung treffen, daß sich diese Kammern mittelst eines Krahns beliebig wegheben oder auf Schienen wegrollen lassen. Der vordere Theil dieser Kammern ist offen und den Oeffnungen der Retorten gegenüber angebracht, damit die Destillationsproducte aus letztern in die Kammern gelangen können. Im Grundriß Fig. 1 sind einige Kammern weggelassen und andere an ihrer Stelle gezeichnet. Der hintere Theil dieser Kammern kann nach Belieben offen oder geschlossen erhalten werden; im Fußboden K ist eine Oeffnung J angebracht und durch eine Thür mit Scharnier verschlossen, welche man mittelst einer durch die hintere Wand der Kammer gehenden Kette I aufzieht oder herabläßt, um sie handhaben zu können ohne die Kammer öffnen zu müssen.

K ist der Fußboden, welcher die Kammern H trägt und diesen Theil des Apparats von der Oxydationskammer trennt. Man kann diesen Fußboden hohl machen, um beständig frische Luft hindurchziehen zu lassen, welche die Temperatur der über ihm befindlichen Kammern erniedrigt und erträglich macht.

Mit den Röhren der Trichter G, G communicirt das Rohr L, welches einen heißen Luftstrom zuführt, der das weiße Product in die Oxydationskammer treibt. Die Kammer M heißt die oxydirende, weil die metallischen Dämpfe, welche die Retorte verließen, darin durch ihre Berührung mit der atmosphärischen Luft oxydirt werden. Der Theil N heißt die Sammelkammer; in derselben sind Scheidewände aus Zeug angebracht, um das Product zu sieben. Dieser Theil der Kammer besteht aus einer Reihe von Trichtern oder geneigten Ebenen, auf welchen sich die Producte in dem Maaße als sie sich bilden, absetzen und durch ihr eigenes Gewicht in die Recipienten der darunter angebrachten Kammer fallen. Diese Trichter sind mit Klappen oder Registern versehen, um den Producten den Durchgang nach Belieben öffnen oder verschließen zu können.

Man kann das Gesammtproduct ohne Verlust mittelst Gefäßen oder Recipienten sammeln, welche mit Wasser gefüllt und mit zwei Röhren versehen sind. Die eine dieser Röhren communicirt mit der Oxydationskammer, worin das Zinkweiß gebildet wird, und ihr anderes Ende taucht |272| in das Wasser des Recipienten; sie führt das Zinkweiß aus der Oxydationskammer in den Recipient. Das Ende der anderen Röhre taucht nicht in das Wasser, sondern diese Röhre dient um die Luft aus dem Recipient zu saugen und in der anderen (in das Wasser tauchenden) Röhre ein Vacuum zu erzeugen, um das Product anzusaugen und hinabzutreiben. O, O sind die Recipienten, welche das Zinkweiß aufnehmen. P, P Scheibewände aus Metalltuch oder gewöhnlichem Zeug, welche die atmosphärische Luft hindurchlassen, aber das Zinkweiß zurückhalten oder sieben. Q ist ein Exhaustionsrohr, um sowohl die Luft durch die siebenden Flächen zu saugen, als auch die Producte in dem Maaße anzuziehen, als sie sich in der Nähe der Oxydations- und Sammelkammer bilden.

Ueber der Mündung jeder Retorte ist ein Rohr R angebracht; durch die trichterförmige Oeffnung dieses Rohrs entweichen die Producte, welche sich während des Beschickens der Retorten verflüchtigen oder zu der Zeit, wo die Communication der Retorten mit der Oxydationskammer durch Absperrung des Registers J unterbrochen ist. Das Rohr R führt die verflüchtigten Producte in die Oxydationskammer auf die Zeugwände. Um das Vacuum hervorzubringen, treibt man heiße Luft durch das Rohr R. Dasselbe bleibt natürlich verschlossen, während die Retorten in Gang sind.

Windofen. Einen Windofen zur Fabrication von Zinkweiß zeigt Fig. 4 im Grundriß, Fig. 5 im Längendurchschnitt und Fig. 6 im Querdurchschnitt.

Dieser Ofen wird oben durch einen beweglichen Deckel geschlossen, um die Retorten vermittelst eines Trichters beschicken zu können, in welchen man die anzuwendenden Materialien wirft. Man könnte ihn auch oben luftdicht schließen und zum Beschicken an einer Seite öffnen; diese Oeffnung würde man nach dem Beschicken der Retorten absperren. Endlich könnte man die Materialien auch durch die Oeffnung B eintragen, und in diesem Falle muß man ein Loch in der erforderlichen Richtung anbringen, um eine geneigte Ebene aufzunehmen, auf welche man die Beschickung schafft. Ich gehe nun auf die Einzelnheiten über.

A ist ein gewöhnlicher Windofen; B die Oeffnung, durch welche die Producte in die Oxydationskammer C abziehen; letztere ist wie in den vorhergehenden Figuren beschaffen. Zwischen jedem Trichter in der Oxydationskammer bringt man Scheidewände aus Metalltuch an, um sowohl die schwersten Theile der Producte aufzuhalten, als auch die Unreinigkeiten, welche durch die Oeffnung B entweichen könnten. Das Zinkweiß geht wegen seiner Leichtigkeit und Zartheit durch diese Scheidewände. |273| Die Oeffnung B versieht man mit einem Register, um die Communication der Oxydationskammer mit dem Ofen bei dem Beschicken etc. absperren zu können.

Außer dem Luftstrom, welchen das Gebläse liefert, oder dem Luftzug, welcher die Verbrennung unterhält, könnte man noch einen andern Luftstrom direct in den Ofen oder die Oeffnung B leiten, um den Metalldämpfen den zur Bildung von Zinkweiß erforderlichen Sauerstoff zu liefern.

Der beschriebene Ofen kann eine kreisförmige oder horizontale Form haben, oder auch mehr oder weniger geneigt seyn.

Horizontaler rohrförmiger Ofen. Fig. 7 ist der Grundriß desselben; Fig. 8 der senkrechte Querdurchschnitt und Fig. 9 der senkrechte Längendurchschnitt.

Dieser Ofen besteht aus zwei neben einander angebrachten horizontalen Röhren; die Feuerräume derselben werden durch Gebläse mit Wind versehen. A, A Röhren aus feuerbeständigem Thon; B Formen, welche die heiße oder kalte Luft eines Ventilators zuführen; C unterer Theil des Ofens, wo sich die Rückstände von der Verbrennung anhäufen, die man zeitweise durch eine Oeffnung beseitigt. Dieser Theil C könnte sich unmittelbar unter jedem Feuerraum so verlängern, daß er eine Art Aschenraum bildet, wie man bei J sieht; die Asche würde durch eine hiezu angebrachte Oeffnung beseitigt und der Boden bei C durch ein Register geschlossen, welches man nach Belieben öffnen kann, damit die Asche in den untern Raum fällt. Anstatt eines Registers könnte man den Aschenraum auch durch einen Rost verschließen, dessen Stangen so weit von einander entfernt sind, daß sie das Erz zurückhalten und nur die Schlacken durchlassen; hiebei würde man einen aufsteigenden Luftstrom durch die Stangen leiten und das Gebläse ersparen; in diesem Falle müßte man aber das Erz vor dem Eintragen in den Ofen mit einem Fluß vermengen, um die Schlacke in flüssigen Zustand zu versetzen und sie durch eine im Theil C angebrachte Oeffnung abstechen zu können.

D, D sind die Feuerräume, welche untereinander vermittelst des darüber befindlichen horizontalen Canals (Gewölbes) F communiciren; die Beschickung von Erz und Kohks wird aufgeschüttet, bis sie an der Ofenmauer die Linie a erreicht, indem man den oberen Theil leer läßt. E, E sind die Ziegelmauern, welche unten jeden Feuerraum D vom anderen trennen.

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Durch den Canal F kann ein Luftstrom getrieben oder angesaugt werden, um die flüchtigen Producte in die Sammelkammern zu führen und um die metallischen Dämpfe zu oxydiren, welche während der Verbrennung entstehen.

An jedem Ende des Canals F sind Sammelkammern angebracht, in welche sich die Producte durch die Züge G, G begeben. Diese Züge sind mit Registern versehen, welche man gelegentlich öffnet oder schließt. Die Sammelkammern H, H, welche das sich bildende Zinkoxyd aufnehmen, sind so eingerichtet, wie es oben beschrieben wurde. Die Oeffnungen I, I, I, welche direct über den Feuerräumen angebracht sind, dienen zum Eintragen der Beschickung und müssen nach einer solchen jedesmal luftdicht abgesperrt werden.

Retortenofen nach Art der Gasanstalten. Fig. 10, 11 und 12 zeigen im Grundriß und im senkrechten Durchschnitt nach der Länge und Breite einen solchen Ofen zur Fabrication von Zinkweiß, mit seiner Oxydationskammer etc. Dieselben Buchstaben bezeichnen dieselben Gegenstände wie in den andern Figuren. Der einzige Unterschied besteht darin, daß man die Retorten durch die Kammer, wo der Feuerraum angebracht ist, beschicken kann. Hiezu ist die Retorte an beiden Enden D und D' offen; man beschickt sie durch das Ende D', welches man dann luftdicht schließt und geschlossen läßt so lange die Destillation dauert.

Bei dieser Anordnung sind die Kammer H und der Fußboden K entbehrlich. Sie ist aber jedenfalls nicht so vortheilhaft wie die andern Vorrichtungen und man wendet sie daher nur im Fall der Noth an.

Behandlung der Oefen.

1. Retortenofen (Fig. 13). Nachdem die Retorten bis zum Weißglühen erhitzt worden sind, werden sie vollständig mit Zinkbarren beschickt, worauf man entweder das Register öffnet, oder die Thür des Fußbodens aufzieht (nachdem man die Thür der äußeren Kammer H verschlossen hat), damit die Retorte in directe Communication mit der Oxydationskammer gebracht wird. Das in Dämpfen destillirte Zink oxydirt sich in Berührung mit der Luft, welche das Rohr L zuführt, und wird in die Kammer gezogen (vermittelst des Vacuums, welches durch das Rohr R beständig unterhalten wird). Hier wird dieses oxydirte Zink durch die aus Metalltuch bestehenden Scheidewände (welche nur die Luft durchlassen) aufgehalten und in den Trichtern abgesetzt, aus welchen es in die darunter befindlichen Recipienten fällt. Wenn |275| die Retorte erschöpft ist, sperrt man das Register ab oder läßt die Fallthür des Bodens herab; man beschickt dann die Retorte für eine neue Operation.

Wenn man statt metallischen Zinks ein Zinkoxyd enthaltendes Mineral (Zinkspath oder Galmei) anwenden will, vermengt man es mit der Hälfte seines Gewichts Kohlen. Bei Anwendung von Schwefelzink oder Blende vermengt man dieselbe mit der erforderlichen Menge Braunstein, Kalkstein oder Rotheisenstein.

2. Windofen (Fig. 46). Man beschickt ihn mit dem Erz, nachdem es mit dem erwähnten Zuschlag vermengt wurde und überdieß mit einer hinreichenden Menge eines der Natur der Schlacke angemessenen Flusses. In dem Maaße als das Zink aus dem Erze abgeschieden wird, destillirt es in metallischen Dämpfen, welche in die Oxydationskammer ziehen etc.

3. Horizontaler rohrförmiger Ofen (Fig. 79). Nachdem der Ofen mittelst Steinkohlen oder Kohks auf die erforderliche Temperatur gebracht ist, wird durch die Oeffnungen I, I, I das Gemenge von Galmei, Kohlen und Flußmittel (Thon und Kalkstein) eingetragen, aber so, daß der obere Theil F offen bleibt. Wenn man ungeröstete Zinkblende anwenden will, muß man dieselbe mit einem ihrem Schwefelgehalt entsprechenden Quantum von Kalkstein, Braunstein oder Rotheisenstein vermengen. Die aus dem Erz freiwerdenden Dämpfe von metallischem Zink verbinden sich mit dem Sauerstoff und werden als Zinkweiß in die Sammelkammern gezogen.

Unmittelbar nach dem Beschicken und bis die Beschickung glühend geworden ist, entweichen nicht nur Gase, sondern auch leichte feste Substanzen, durch welche die weiße Farbe des Zinkoxyds leiden würde, wenn sie in die Sammelkammern gelangten. Aus diesem Grunde wendet man zwei Kammern an, auf jeder Seite eine. Die eine von diesen Kammern ist dazu bestimmt die Producte aufzunehmen, welche entweichen bevor die Beschickung glühend wurde; man muß folglich sogleich nach dem Beschicken das Register derjenigen Kammer schließen, welche die reinsten Producte aufzunehmen hat, während man die Kammer, welche die unreinen Dämpfe aufzunehmen hat, offen läßt. Letztere wird wieder geschlossen, sobald sich reines Zinkweiß zu bilden anfängt und dagegen die andere Kammer geöffnet.

(Ein Apparat zur Fabrication von Zinkoxyd, welchen sich A. F. Rochaz in Paris für England patentiren ließ, ist im polytechn. Journal Bd. CX S. 100 beschrieben.)

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