Titel: Ueber die Anwendung der ausgedehnten Luft als Motor.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1849, Band 112/Miszelle 1 (S. 72)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj112/mi112mi01_1

Ueber die Anwendung der ausgedehnten Luft als Motor.

Man hat viele Versuche angestellt, um die heiße Luft als Motor benutzen zu können. Unter diesen sind die Bemühungen des durch seine Entdeckungen in der Photographie bekannten Hrn. Niepce fast gar nicht berücksichtigt worden. Es wird die Praktiker interessiren, zu erfahren worin Hr. Carnot die Schwierigkeiten der Lösung dieses Problems sah, weßhalb wir aus dessen (im Buchhandel sehr selten gewordenen) Réflexions sur la puissance motrice du feu folgende Bemerkungen über Niepce's Versuche entnehmen:

„Um die Ausdehnung der Luft durch das Feuer als Triebkraft zu benutzen, bedienten sich die HHrn. Niepce eines kleinen, von ihnen Pyroeleophor genannten Apparats. Derselbe war ein mit einem Kolben versehener Cylinder, in welchen man atmosphärische Luft von der gewöhnlichen Dichtigkeit trieb. Man warf eine sehr brennbare Substanz in sehr fein zertheiltem Zustande hinein, welche einen Augenblick in der Luft suspendirt blieb und entzündete diese Substanz hierauf. Die Verbrennung brachte ziemlich dieselbe Wirkung hervor, wie wenn die elastische Flüssigkeit ein Gemenge von Luft und brennbarem Gas, z.B. Luft und Kohlenwasserstoff gewesen wäre; es erfolgte eine Art Explosion und eine Ausdehnung der elastischen Flüssigkeit, welche man auf die Art benutzte, daß man sie vollständig gegen den Kolben wirken ließ, dem sie eine entsprechende Bewegung ertheilte.

Diese sehr sinnreiche und wegen der Neuheit ihres Princips interessante Maschine hatte einen Hauptfehler. Die Substanz welche man als Brennmaterial benutzte, nämlich Bärlappsamen (Hexenmehl), ist offenbar zu theuer und andererseits war es schwierig ein Brennmaterial von mäßigem Preise aufzufinden, weil das Verfahren erheischt, daß solches ein leichtes Pulver bildet, welches sich schnell entzündet, seine Entzündung leicht fortpflanzt und wenig oder keine Asche hinterläßt.

Anstatt dieses Verfahren einzuschlagen, wäre es nach meiner Ansicht zweckmäßiger gewesen, die Luft durch Druckpumpen zu comprimiren und sie dann durch einen vollkommen geschlossenen Feuerraum streichen zu lassen, in welchen das Brennmaterial in kleinen Portionen vermittelst einer mechanischen Vorrichtung geschafft wird; die Luft dann ihre Wirkung in einem Cylinder mit Kolben vollbringen und sie hierauf in die Atmosphäre entweichen zu lassen, oder sie auch in einen Dampfkessel ziehen zu lassen, um die ihr gebliebene Wärme zu benutzen. Die Hauptschwierigkeiten bei dieser Methode bestünden darin, den Feuerraum in eine hinreichend solide Hülle einzuschließen und dennoch die Verbrennung gehörig zu unterhalten, ferner die verschiedenen Theile des Apparats auf einer mäßigen Temperatur zu erhalten und eine schnelle Zerstörung der Cylinder und des Kolbens zu verhindern; ich halte diese Schwierigkeiten jedoch nicht für unbesiegbar.“ (Moniteur industriel, 1848 Nr. 1304.)

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