Titel: Chemische Untersuchung gallisch-römischer Malerfarben; von Chevreul.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1849, Band 112/Miszelle 6 (S. 76–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj112/mi112mi01_7

Chemische Untersuchung gallisch-römischer Malerfarben; von Chevreul.

Unter den Gegenständen, welche sich in dem 1845 zu Saint-Médard-des-Près bei Fontenay (Dpt. de la Vendée) entdeckten Grab einer gallisch-römischen Frau, offenbar einer Künstlerin, vorfanden, waren mehrere zur Malerei dienende, welche mir zur chemischen Untersuchung mitgetheilt wurden.

Sie bestanden in farbigen Metalloxyden, wovon aber keines rein war; vier Muster enthielten hauptsächlich kohlensaures Blei- und Kupferoxyd, nebst Eisenoxyd, keines bot aber eine reine Farbe dar. Ein fünftes Muster enthielt außer diesen drei Oxyden phosphorsaures Eisen. Ein sechstes Muster enthielt außer den genannten Oxyden noch eine beträchtliche Menge Zinkoxyd mit einer Spur von Manganoxyd und Phosphorsäure.

Ein siebentes Muster bestand hauptsächlich aus Veroneser Erde und einer blauen kupferhaltigen Substanz, welche alle Eigenschaften des ägyptischen Blau zu besitzen schien.

Auch organische Substanzen wurden in dem Grabe aufgefunden, nämlich Kerzen von Bernstein zum Räuchern, Fichtenharz, Bienenwachs, ein Präparat aus Wachs und Harz; endlich ein Präparat aus Oelsäure bestehend, welches noch Talgsäure, Wachs und Kienruß enthielt. Es ist möglich, daß die Fettsäuren durch Veränderung eines verseifbaren fetten Körpers entstanden, welcher ursprünglich mit dem |77| Wachs und Kienruß gemischt wurde; sie können diesen aber auch beigemischt worden seyn, nachdem man sie durch Zersetzung einer Seife mittelst Essigs oder Citronensafts gewonnen hatte.

Endlich untersuchte ich zwei Stücke einer Wandmalerei, welche bei den Ausgrabungen in den Ruinen einer Villa in der Nähe des Grabes der gallisch-römischen Künstlerin entdeckt wurden. Diese Malereien waren auf einem Mörtel von fettem Kalk und Sand ausgeführt. Ihr Grund bestand aus dem erwähnten Gemenge von Veroneser Erde und ägyptischem Blau; auf diesen Grund war nach seinem vollkommenen Austrocknen eine Figur gemalt worden, zu deren Fleischdarstellung ein Gemenge von Eisenoxyd und Kreide oder gelöschtem Kalk verwendet wurde. Diese Malereien enthielten nur Spuren einer in Alkohol auflöslichen organischen Materie. (Comptes rendus, Januar 1849. Nr. 5.)

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