Titel: Ueber excentrische Universalmühlen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1849, Band 112/Miszelle 3 (S. 155–156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj112/mi112mi02_3

Ueber excentrische Universalmühlen.

In einem kleinen Werkchen „Ueber excentrische Universalmühlen, Zofingen 1848“ macht der Verfasser desselben, J. H. Kraut, Ingenieur, Vorschläge zur Verbesserung der von Bogardus erfundenen patentirten excentrischen Mühlen, welche dieselben in durchaus veränderter Form erscheinen lassen und für die Praxis von solcher Bedeutung werden dürften, daß sie wichtig genug sind, um unsere Leser damit näher bekannt zu machen.

Die beiden Mahlscheiben bestehen bekanntlich aus zwei schon ihrer äußeren Form nach wesentlich verschiedenen Theilen. Der mittlere Theil derselben bis etwa zur Hälfte des Halbmessers, also etwa ein Viertel der Scheibe, ist mit schneckenförmig gewundenen Canälen, die vom Centrum gegen die Peripherie verjüngt auslaufen, versehen, während gegen den äußern Theil derselben concentrische, gegen die Peripherie zu kleiner werdende scharfe Vertiefungen der Scheibe die ihrer Bestimmung nöthige Rauhheit geben.

Beim Gebrauch ist der letztere Theil der Abnutzung weit mehr ausgesetzt als der mittlere, während dieser bei stumpfgewordenen Scheiben dem Schärfen ungleich größere Schwierigkeiten entgegensetzt, deren Kosten nicht selten die der Anschaffung erreichen möchten, was viele Besitzer veranlaßte, die Scheiben durch neue zu ersetzen.

Dieser Uebelstand, der namentlich für jene Besitzer um so empfindlicher seyn mußte, die von Gießereien weit entfernt waren, stand bisher dem Emporkommen der Mühlen hemmend entgegen und soll nun durch die vorgeschlagenen Verbesserungen gehoben werden.

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Der Verfasser schlägt vor, den mit schneckenförmigen Canälen versehenen Theil der Mahlscheibe (Curvenscheibe) aus einem besonderen Stücke anzufertigen, so daß bei vorkommenden Schärfungen man nicht nöthig hat die Canäle zu vertiefen, sondern die ganze Scheibe tiefer zu legen, was durchaus keinen Schwierigkeiten unterliegt, und also von entschiedenem praktischem Vortheile ist. Den äußeren Theil der Scheibe, der durchs Mahlen ungleich stärker angegriffen wird, theilt er nun wieder in zwei concentrische Theile, und läßt den äußeren, der sich am stärksten abnutzt, aus Stahl anfertigen und ihn ebenso wie die Curvenscheibe in die Mahlscheibe einsetzen und durch Schrauben befestigen. Daß eine Mühle, auf diese Weise construirt, den möglichsten Anforderungen entsprechen werde, unterliegt keinem Zweifel, und es kann das Streben des Ingenieur Kraut deßhalb nur lobend erkannt werden.

Die Darstellung des Gegenstandes betreffend, ist dieser sowohl für Mühlenbauer als Besitzer berechnet. Die für letztere berechnete Beschreibung ist so anschaulich und faßlich behandelt, daß jedem dadurch die Mittel gegeben sind, die Mühle sowohl in ihren einzelnen Theilen als in ihrer Zusammensetzung genau kennen zu lernen, und es ist deßhalb dieß Werkchen für Bäcker, Bierbrauer, Branntweinbrenner, Gypsmüller etc. eine eben so willkommene Erscheinung, als die Erfindung der Mühle selbst für sie von entschiedenem Vortheile ist. Mit den für Mühlenbauer gegebenen Anweisungen kann sich Schreiber dieses nicht überall mit dem Verfasser einverstanden erklären.

So sagt er z.B. Seite 10: „Es bleibt dem Modellmacher überlassen, die Schrift der Zähne zu bestimmen.“ Nun sind aber alle Dimensionen der Räder abhängig vom Druck, dem sie zu widerstehen und der Geschwindigkeit, mit der sie sich zu bewegen haben. Es hat sich deßhalb der Constructeur in ganz bestimmten Gränzen zu bewegen, wenn er keine Mißverhältnisse schaffen will. Aehnliches läßt sich von Stellen auf Seite 8 und 36 sagen. Hatte der Verfasser auf solche Verhältnisse aufmerksam gemacht, so hätte sein Werkchen unstreitig einen höhern Werth.

Die äußere Ausstattung des Werkchens betreffend, sind Druck und Papier gut, während die beigegebenen Zeichnungen hierüber deutlich in einem praktisch durchaus vortheilhaften Maaßstab ausgeführt sind, so daß namentlich jene, welche die Mühle in ihren einzelnen Bestandtheilen darstellen, nichts zu wünschen übrig lassen; es verdient deßhalb das Werkchen dem Publicum eben so sehr empfohlen zu werden, als zu wünschen ist. der Verfasser möge seine Kräfte auch für die Zukunft diesem Theile der Literatur widmen. (Mannheimer Gewerbvereinsblatt, 1849 Nr. 2.)

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