Titel: Ueber das an den Ufern des Obersees in den nordamerikanischen Vereinigten Staaten vorkommende Gediegen-Kupfer; von Cordier.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1849, Band 112/Miszelle 5 (S. 157)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj112/mi112mi02_5

Ueber das an den Ufern des Obersees in den nordamerikanischen Vereinigten Staaten vorkommende Gediegen-Kupfer; von Cordier.

Schon vor einiger Zeit wurden an den mittäglichen Ufern des Obersees in den nordamerikanischen Vereinigten Staaten mithin sich erstreckende Lager von Gediegen-Kupfer entdeckt. Ueber 120 Compagnien sind gegenwärtig mit der Ausbeutung dieser in jeder Hinsicht höchst merkwürdigen Lager beschäftigt. Das Kupfer befindet sich darin beständig in gediegenem Zustand und ohne alle Beimengung seiner Vererzungsstoffe, welche das Ausbringen des reinen Metalls bekanntlich so langwierig und kostspielig machen. Inmitten eines weitausgedehnten Gebirges von Augit-Porphyr, welcher in oft mandelsteinartige, braune Wacke übergegangen ist, findet sich das Metall in Stücken jeder Größe und von unregelmäßiger Gestalt zerstreut. Die metallischen Theile sind bald in das Gestein gleichsam eingeknetet, bald füllen sie unregelmäßige Adern in weißem Kalkspath, weißem Datolith und grünem Epidot aus.

Ich bin im Besitz einer 50 Kilogr. schweren und sehr wenig Gangart enthaltenden Masse dieses Gediegen-Kupfers, von welchem unlängst in Havre eine Ladung von mehreren Tausend Kilogrammen ankam. Dieses Kupfer ist von außerordentlicher Zähigkeit und Reinheit und enthält kaum einige Zehntausendstel Schwefel und Silber.

Einer Ausnahme jedoch muß ich erwähnen, die eben so wichtig als sonderbar ist. An dem einen Ende dieses Kupferstrichs, nämlich da wo das Kupfer sich etwas minder reichlich zeigt, tritt Gediegen-Silber an seine Stelle, welches sich in dem Gestein oder gar im Kupfer selbst, in sehr feinen, gewöhnlich nicht sehr deutlichen, zuweilen jedoch 1 Centimeter dicken Partien zerstreut befindet. Das gemeinschaftliche Vorkommen der beiden Metalle in gediegenem Zustande ist eine ganz neue Thatsache.

Nach der Versicherung von Prof. Levret zu Havre und den Bankiers Green und Comp. daselbst, den Empfängern dieser Sendung, bekommt man beim Schmelzen dieser letztern Erze ein Kupfer, welches etwa ein Zwanzigstel Silber enthält.

Wenn, wie wahrscheinlich, diese Entdeckungen einen großen Erfolg haben, so sind die Vereinigten Staaten, welche bereits reiche Eisen- und Anthracit-Lager besaßen und die Bleilager am obern Mississippi sowie die an das Fabelhafte gränzenden Goldlager in Californien auszubeuten nicht versäumen werden, als das mit mineralischen Reichthümern gesegnetste Land zu betrachten. (Comptes rendus, Febr. 1849, Nr. 6.)

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