Titel: Ueber die Verfälschungen des Chloroforms und die Mittel sie zu erkennen; von Dorvault.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1849, Band 112/Miszelle 6 (S. 157–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj112/mi112mi02_6

Ueber die Verfälschungen des Chloroforms und die Mittel sie zu erkennen; von Dorvault.

Ungeachtet der Verbesserungen, welche in der Bereitung des Chloroforms gemacht wurden, welche es zu einem sehr mäßigen Preise zu geben gestatten, blieb dieses Product doch nicht von Verfälschungen verschont. Dazu kommt noch, daß sich diese Substanz freiwillig zersetzen kann (worauf Dorvault in Paris und Morson in London gleichzeitig aufmerksam machten), bei welcher Veränderung es Salzsäure, Chlor und unterchlorige Säure liefert. Um diese Zersetzung des Chloroforms zu |158| vermeiden, ist es gut dasselbe in Flaschen aus blauem oder schwarzem Glase aufzubewahren, oder nach Morson unter Wasser.

Wenn sich das Chloroform von selbst verändert hat, ist die gewöhnliche Reinigung das einzige Mittel um es zum medicinischen Gebrauch geeignet zu machen.

Die fremdartigen Substanzen, welche man bisher in dem Chloroform fand, sind: Alkohol, Chlor, Salzsäure, unterchlorige Säure, Chlorwasserstoffäther und gewöhnlicher Aether, die Methylverbindungen, Aldehyd, Wasser und fixe Substanzen.

Alkohol. – Es kam Chloroform vor, welches 50 Proc. Alkohol enthielt, in Folge absichtlichen Zusatzes oder einer unvollständigen Reinigung. Der Alkohol vermindert immer die Dichtigkeit des Chloroforms. Es wurden mehrere Verfahrungsarten vorgeschlagen, um die Gegenwart des Alkohols im Chloroform zu erkennen:

1) Soubeiran empfahl einen Tropfen des verdächtigen Chloroforms in eine Mischung von gleichen Theilen destillirten Wassers und concentrirter Schwefelsäure zu gießen, welche nach dem Erkalten eine Dichtigkeit von 1,440 hat. Das reine Chloroform muß sich auf den Boden begeben, während das alkoholhaltige auf der Oberfläche schwimmt. Bei diesem Verfahren kann man sich aber täuschen, denn wenn man das Ganze stark schüttelt, trennt sich der Alkohol vom Chloroform, welches dann auf den Boden des Gefäßes sinkt; und wenn man andererseits nicht umrührt, können sogar Tropfen von reinem Chloroform auf der Oberfläche der Probeflüssigkeit zurückbleiben.

2) Das alkoholhaltige Chloroform brennt mit Flamme.

Diese Eigenschaft besitzt aber auch das mit Aetherarten, Aldehyd etc. verfälschte Chloroform.

3) Mialhe probirt das Chloroform, indem er einen oder mehrere Tropfen desselben in eine Röhre gießt, welche Wasser enthält; wenn das Product rein ist, muß es durch das Wasser sinken und dabei seine Durchsichtigkeit behalten, während das unreine dabei milchig wird.

Letheby empfahl dieses Verfahren zur quantitativen Bestimmung des Alkohols, womit Chloroform verfälscht ist. Man gießt 30 Tropfen Chloroform in eine enge graduirte Glasröhre, bemerkt das Niveau der Flüssigkeit, setzt dann 8 Gramme destillirten Wassers zu und schüttelt die Mischung; dann läßt man sie eine oder zwei Stunden absetzen. Das Chloroform sammelt sich am Boden der Flüssigkeit und die Abnahme seines Niveau zeigt an, wie viel Alkohol es an das Wasser abgab. Dieses Verfahren ist aber mangelhaft, weil das Chloroform in Wasser merklich auflöslich ist und im vorliegenden Falle die Auflöslichkeit desselben noch größer wird in Folge der Vermischung des Wassers mit dem verfälschenden Alkohol.

4) Nach Letheby ist das Eiweiß ein Probirmittel des Chloroforms. Wenn letzteres rein ist, bringt es das Eiweiß nicht zum Gerinnen; wenn es aber Alkohol enthält, macht es das Eiweiß gerinnen. Dieses Reagens ist sehr empfindlich.

(Chloroform, welches Alkohol enthält, bildet nach Cattell grünes Chromoxyd, wenn man es mit ein wenig chromsaurem Kali und Schwefelsäure versetzt.)

Chlor. – Das Chloroform enthält Chlor, wenn es unvollständig gereinigt wurde. Salpetersaures Silber, welches das reine Chloroform nicht trübt, fällt das chlorhaltige. Chloroform, welches Chlor enthält, zerstört übrigens die Pflanzenfarben.

Salzsäure. – Das Chloroform kann Salzsäure enthalten, entweder in Folge mangelhafter Bereitung oder in Folge einer eingetretenen freiwilligen Veränderung. In diesem Falle trübt es das salpetersaure Silber und röthet das blaue Lackmuspapier.

Unterchlorige Säure. – Sie entsteht ebenso wie die Salzsäure und wird auch durch dieselben Reagentien erkannt; nur wird das blaue Lackmuspapier nach dem Röthen von ihm gebleicht.

Chlorwasserstoffäther. – Er entsteht ebenfalls bei der freiwilligen Zersetzung des Chloroforms. Um ihn zu entdecken, behandelt man das verdächtige Chloroform mit Wasser und destillirt die Mischung im Wasserbad. Die zuerst übergehenden Producte riechen merklich nach leichtem Salzäther.

Aether. – Es kam auch Chloroform vor, welches gewöhnlichen Aether (Schwefeläther) enthielt. Dieser Betrug ist leicht zu erkennen, weil eine solche Mischung eine geringere Dichtigkeit hat und mit Flamme brennt.

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Aldehyd. – Man erkennt es daran, daß es das frisch gefällte Silberoxyd reducirt; auch wird solches Chloroform, mit Aetzkali versetzt und erwärmt, sich braun färben.

Methylverbindungen. – Letheby hat zuerst auf diese Verfälschung aufmerksam gemacht, leider konnte er aber zur Entdeckung derselben kein anderes Mittel angeben als die Wirkung derselben auf den Organismus: Kopfschmerz, allgemeine und rasche Erschlaffung.

Wasser. – Das Chloroform löst wie der Aether ein wenig Wasser auf, welches man ihm durch geschmolzenen salzsauren Kalk entziehen kann.

Fixe Substanzen. – Es sind solche, welche das Chloroform auflösen kann. Beim Erwärmen des Chloroforms im Wasserbad verdunstet es und die fixen Substanzen bleiben zurück.

Chloroform, welches Alkohol, Chlor, Salzsäure enthält, wirkt kaustisch auf die Haut und kann sehr gefährliche Zufälle veranlassen.

Reines Chloroform besitzt also folgende Eigenschaften:

1) es ist vollkommen durchsichtig;

2) es verflüchtigt sich vollständig;

3) seine Dichtigkeit beträgt bei 12° R. 1,49;

4) es hat einen ätherischen Geruch, den Renettenäpfeln ähnlich, und einen ätherischen, zugleich scharfen und süßen Geschmack;

5) in Alkohol und Aether löst es sich in allen Verhältnissen auf;

6) in einer Mischung aus gleichen Theilen Wasser und Schwefelsäure sinkt es auf den Boden;

7) das blaue Lackmuspapier wird von ihm weder geröthet noch gebleicht;

8) es darf, wenn es durch Wasser sinkt, nicht opalisirend werden;

9) es wird durch salpetersaures Silber nicht gefällt;

10) das Albumin (vom Weißen der Eier) bringt es nicht zum Gerinnen;

11) beim Annähern eines brennenden Körpers fängt es nicht Feuer;

12) wenn man die Haut damit einreibt, bringt es bloß eine Röthung hervor, ohne Blasen zu ziehen. (Journal de Chimie médicale, Jan. 1849, S. 41.)

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