Titel: Ueber unnachahmliche Werthpapiere; von B. Dondorf.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1849, Band 112/Miszelle 2 (S. 235–236)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj112/mi112mi03_2

Ueber unnachahmliche Werthpapiere; von B. Dondorf.

Vor kurzem brachte die Frankfurter Oberpostamts-Zeitung einen Zeitungsartikel über eine Erfindung, Abdrücke durch chemische Behandlung vor Ueberdruck durch besondere Anfertigung der Platten vor Nachahmbarkeit zu schützen, und dadurch unnachahmliche Werthpapiere herzustellen, mit der in gesperrter Schrift gedruckten Behauptung, „daß dieselben auf keine bis jetzt irgend denkbare Weise nachzuahmen sind.“ Es gibt keine menschliche Arbeit, die nicht nachgeahmt werden kann; werden Naturkräfte dabei benutzt, so stehen dieselben Kräfte, oder ähnliche auch andern zu Gebot. Gleiches Wissen ist nicht seltener als gleiches Können. Für einen Nachahmer ist es gleichgültig, ob er die chemische Behandlung der Abdrücke oder die besondere Anfertigung der Platten in derselben Manier, wie die Originale hergestellt sind, nachahmen kann, er wählt die Nächstliegende, einfachste Manier. Aehnliche Resultate können auf verschiedenen Wegen erreicht werden, sie sind, selbst unvollkommen, gut genug, das Publicum zu täuschen.

Die auffallende Behauptung in diesem Zeitungsartikel veranlaßte mich, einige Versuche in meinem Atelier machen zu lassen, Abdrücke durch chemische Behandlung vor Ueberdruck zu schützen. Unter mehreren Mitteln ist das eigenthümlichste die Anwendung einer Auflösung von Schießbaumwolle. Abdrücke, durch diese Auflösung gezogen, sind vor Ueberdruck geschützt. Die ersten Sachkenner dieses Faches in Paris haben sich zwar gegen Anwendung chemischer Mittel entschieden ausgesprochen, indessen ist es möglich, daß eine vorsichtige, nicht übertriebene Behandlung ohne Gefahr ist. Ein sicheres Urtheil über diese Gefahr kann bei Anwendung chemischer Processe nur nach langjähriger Erfahrung festgestellt werden. In Paris hat man vor langer Zeit chemische Zubereitungen des Papiers und der Abdrücke in den allerverschiedensten Arten angewandt; Senefelder machte schon vor 30 Jahren aus jedem Papier Pergament durch eine Umwandlung der Faser, Knecht in Paris hat längst die Aufgabe gelöst, ungeleimtes, schwaches, bedrucktes Papier in starkes, festes umzuwandeln und zugleich den Ueberdruck zu verhindern, Schönbein soll schon vor zwei Jahren einen Liquor erfunden haben, der gleiche Eigenschaften, wie die im Zeitungsartikel bezeichneten, bei Präparatur von Papier zeigt.

Schützt chemische Behandlung auch vor Ueberdruck, und darf man sich zu deren Anwendung entschließen, nachdem langjährige Proben den Beweis geliefert, daß das Papier nicht darunter leidet, so schützt sie doch nicht vor Uebertragung durch andere, vom anastatischen Druck verschiedene Methoden, vor Nachmachen auf mechanische Weise, am wenigsten vor Nachahmen. Keine Manier der Ausführung ist unnachahmbar, Veränderung der Zusammenstellung von Metallen bei Piil's Erfindung bietet weder Schwierigkeit noch die mindeste Sicherheit vor Nachmachen, Piil hat bereits längst in den verschiedensten Metallen chemitypirt. Auf die Nachahmbarkeit hat dieß Alles nicht den geringsten Einfluß. Nicht die Manier selbst gewährt Schutz, sondern nur die Ausführung, die Schwierigkeiten, das Umständliche, die Gediegenheit, das Künstlerische. Die Siderographie ist deßhalb die empfehlenswertheste Manier, weil sie die vorzüglichste Leistung in jeder Beziehung gestattet.

Es wird vielleicht ein anderes Mittel als Auflösung von Schießbaumwolle angewandt, indessen ergeben die in meinem Atelier gemachten Proben dieselben Resultate, |236| wie die im Zeitungsartikel bezeichneten. Wird das Verfahren später verändert, verbessert, so mag es Schwierigkeiten bieten, gerade dasselbe Mittel zu finden, welches zu den neuen Präparaturen dienen wird, man wird aber, wie bei diesen ersten Versuchen, durch einfache Mittel so ähnliche Resultate erzielen, daß der angebliche Schutz für den Staat gänzlich verschwindet.

Diese einfachen, leicht nachahmbaren, Manipulationen, Abdrücke chemisch zu behandeln, sind nicht in Vergleich zu bringen mit den ausgezeichneten Knecht'schen Papieren, die nicht bloß vor dem Ueberdruck schützen, sondern die für das Nachmachen so vielerlei Schwierigkeiten bieten, daß sie gewiß als das Empfehlenswertheste erscheinen, was in diesem Fache bisher geleistet wurde. Knecht's Papiere sind bis jetzt nicht nachgemacht worden, nicht das Geheimniß ihrer Fabrication hat sie beschützt, sondern die Schwierigkeit und Umständlichkeit der Anfertigung und die Sorgfalt der Ausführung schreckten die Nachahmer ab, da hierbei Wissen und Können verschiedenster Art nöthig ist. Sobald es meine Zeit erlaubt, werde ich über diese interessanten Papiere einige Mittheilungen machen.

Kassel, April 1849.

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