Titel: Ueber die Anwendung der Schießbaumwolle zum Versilbern des Glases.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1849, Band 112/Miszelle 4 (S. 236–237)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj112/mi112mi03_4

Ueber die Anwendung der Schießbaumwolle zum Versilbern des Glases.

Eine Auflösung von Schießbaumwolle in Aetzkali besitzt nach Herrmann Vohl in hohem Grade die Eigenschaft, das Silber aus seinen Auflösungen in metallischem Zustande niederzuschlagen. Die Schießbaumwolle löst sich in hinreichend starkem Aetzkali unter starker Erwärmung und mit Entbindung von Ammoniak auf; es entsteht eine dunkelbraune etwas dicke Flüssigkeit, welche auf Zusatz einer Säure unter lebhaftem Aufbrausen Kohlensäure und salpetrige Säure entbindet.

Dieses Verhalten der Schießbaumwolle beweist, daß sie sich nicht als solche im Aetzkali auflöst, sondern eine Zersetzung erleidet, wobei sich die Sauerstoffatome der Salpetersäure mit dem Kohlenstoffatom der Baumwolle zu Kohlensäure verbinden müssen, welche sich sowie die aus der Salpetersäure entstandene salpetrige Säure, mit einem Theil des Kali verbindet. Eine neue Zersetzung des salpetrigsauren Salzes durch das Kali bei Gegenwart wasserstoffhaltiger Substanzen, liefert das Ammoniak.

Die merkwürdigste Eigenschaft dieser alkalischen Auflösung ist folgende.

Wenn man in diese Auflösung einige Tropfen salpetersaures Silber gießt, dann Ammoniak zusetzt, bis sich das niedergeschlagene Silberoxyd wieder aufgelöst hat, hierauf die Mischung langsam im Wasserbad erwärmt, so tritt ein Moment ein, wo sich die Flüssigkeit schwarzbraun färbt, ein Aufbrausen erfolgt und alles Silber sich auf die Wände des Gefäßes in Form eines schönen Spiegels niederschlägt. Der |237| so erhaltene Spiegel ist bei weitem glänzender als man ihn mittelst ätherischer Oele oder ammoniakalischen Aldehyds erhalten kann; es ist daher zu hoffen, daß diese Art das Glas zu versilbern technische Anwendung finden wird.

Auch die explodirbaren Substanzen, welche man durch Behandlung von Rohrzucker, Milchzucker, Mannit, Gummi etc. mit Salpetersäure erhält, können zu demselben Zweck angewandt werden. (Technologiste, April 1849.)

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