Titel: Ueber Begräbnißplätze für große Städte.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1849, Band 112/Miszelle 8 (S. 238)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj112/mi112mi03_8

Ueber Begräbnißplätze für große Städte.

Hr. Gannal betrachtet diesen Gegenstand, besonders in Beziehung auf Paris, in einer Abhandlung sowohl hinsichtlich der öffentlichen Gesundheit als der Kosten. Die durch das langsame Vorsichgehen der Zersetzung bloß eingegrabener Leichen nothwendig werdende öftere Vergrößerung der Kirchhöfe verursacht nicht nur bedeutende Kosten, sondern die beständige Entwicklung von Gasen ist auch für die Umgebung sehr ungesund. Um diesen Uebelständen zu begegnen, schlägt er die Anwendung des von ihm erfundenen bekannten Verfahrens zur Aufbewahrung von Thierstoffen vor, aber in Verbindung mit einem neuen (noch nicht veröffentlichten), welches im Gegentheil die Zersetzung der weichen Theile beschleunigt, ohne Gasentwickelung hervorzurufen. Letzteres Verfahren soll die Zeit der Zersetzung um 7/8 abkürzen, so daß im Leichentuch nichts zurückbleibt als die Kalksalze des Knochengerippes. Der Boden, welcher auf solche Weise zubereitete Leichen aufnahm, kann sonach ohne Anstand viel früher wieder umgegraben werden als bisher. Dieses Verfahren sollte nach ihm in allen Fällen in Anwendung kommen, wo die Familien nicht ausdrücklich das Gegentheil verlangen; außerdem müßten die Leichen entweder nach Gannal's Methode einbalsamirt werden, wo sie dann in gewöhnlichen Kirchhöfen begraben werden könnten, oder wenn sie gar nicht präparirt sind, auf einen neuen, wenigstens 1 Myriameter von der Stadt entfernten Kirchhof gebracht werden. (Comptes rendus, März 1849, Nr. 10.)

[Gannal gab im J. 1836 zur Aufbewahrung (Einbalsamiren) von Thierstoffen eine Lösung an, die aus 2 Theilen Alaun, 2 Theilen Kochsalz und 1 Theil Salpeter in so viel Wasser gemacht ist, daß ihr spec. Gewicht = 1,11. In dieser Flüssigkeit kann man in den wärmsten Jahreszeiten ganze Leichen zu Dissectionen aufbewahren. Aber vor allen kräftig wirkt eine Lösung von essigsaurer Thonerde von 1,064 spec. Gewicht in die Adern injicirt; sie scheint die Fäulniß gänzlich abzuhalten.]

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