Titel: Instruction über die in den Bleiweißfabriken zu beobachtenden Vorsichtsmaaßregeln; von dem Gesundheitsrath der Pariser Polizei-Präfectur.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1849, Band 112/Miszelle 7 (S. 317–319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj112/mi112mi04_7

Instruction über die in den Bleiweißfabriken zu beobachtenden Vorsichtsmaaßregeln; von dem Gesundheitsrath der Pariser Polizei-Präfectur.

Die Bleiweißfabrikanten haben sowohl in ihrem eigenen wohlverstandenen Interesse, als zum Schutz der Gesundheit ihrer Arbeiter folgende, insbesondere für das holländische Verfahren geltende Vorsichtsmaaßregeln zu beobachten:

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§. 1. Vorschriften in Betreff der Fabrik.

1. Der zum Bau der Fabrik bestimmte Platz muß groß und für die Lufterneuerung gut gelegen seyn.

2. Die sogenannte Gießerei muß wenigstens 5 Meter Höhe haben und in verschiedenen Höhen durch Kreuzstöcke und Fenster, welche mit Scharnieren versehen sind, ventilirt werden.

Der Ofen muß von unverbrennlichem Material dauerhaft construirt und der Boden seines Kessels mit einer Stütze oder Träger versehen seyn, der ein zu schnelles Hinabgleiten der Bleiblöcke beim Schmelzen derselben verhindert. Die Blöcke müssen am Ofen vorher getrocknet werden.

3. Die von Hand geschehenden Operationen des Abkrustens durch Abklopfen, Zerdrückens, Siebens und Körnens müssen in der Folge auf mechanischem Wege in verschlossenen und dicht gemachten Apparaten bewerkstelligt werden.

4. Das Einschütten in conische Töpfe muß unterbleiben und statt dessen wird der wässerige Bleiweißteig unter die hydraulische Presse gebracht.

5. Ebenso das Einpacken des pulverförmigen Bleiweißes und der Mennige in Fässer mittelst der Stampfe; auch dieß hat mittelst der hydraulischen Presse zu geschehen.

6. Man unterlasse das trockene Reiben der Pulver in offenen Apparaten.

7. Die Beutelvorrichtungen sind mit einem hölzernen Verschlag zu umgeben, welcher mit Gyps, oder geleimtem Papier etc. überzogen wird, so daß auch der feinste Staub nicht hindurchdringen kann.

§. 2. Vorschriften in Betreff der Arbeiter.

8. Die Bleiweiß- und Mennig-Fabrikanten müssen ein Register über ihre Arbeiter führen, in welchem der Name, das Alter und der Wohnort jedes Arbeiters eingeschrieben wird; ferner seine gewöhnliche Erwerbsart, die Art seiner Beschäftigung in der Bleiweißfabrik, der Tag seines Eintritts, Ursache und Datum seines Austritts aus der Fabrik, sofern sich die Ursache auf eine Erkrankung desselben bezieht.

9. Da die Erfahrung lehrte, daß der unmäßige Genuß geistiger Getränke die vorzügliche disponirende Ursache der Bleikoliken ist, nehme der Fabrikant soviel als möglich nur nüchterne und ordentliche Arbeiter auf; jedenfalls lasse er niemand in die Werkstätte, welcher betrunken oder durch eine Ausschweifung am vorigen Tag noch angegriffen zu seyn scheint.

10. Der Arbeiter muß mit einem Schurz versehen seyn, welcher in der Fabrik zurückzulassen ist, und von Zeit zu Zeit gewaschen wird.

11. Wenigstens zweimal in der Woche hat ein auf Kosten des Fabrikanten aufgestellter Arzt alle Arbeiter der Fabrik zu untersuchen. Sobald sich bei einem Arbeiter Vorboten einer Metallkrankheit oder andere Zeichen von Unwohlseyn einstellen, muß er aufhören zu arbeiten.

12. Unter keinem Vorwand darf geduldet werden, daß die Arbeiter ihre Mahlzeiten in der Fabrik einnehmen.

13. Beim Verlassen der Arbeit sollen die Arbeiter gehalten seyn sich die Hände in drei Trögen nach einander zu waschen; im ersten mit lauwarmem Wasser, welchem etwas Schwefelkalilösung zugesetzt ist, im zweiten mit Thon in Wasser, im dritten mit Wasser.

14. Das Condensationswasser der Dampfmaschine soll in einer Kufe gesammelt werden, damit täglich mehrere Arbeiter eine Stunde lang ein lauwarmes Bad nehmen können, so daß sie in einer gewissen Zeit alle an die Reihe kommen.

15. Wenn ein Arbeiter kurze Zeit in einer mit Metallpulver angefüllten Atmosphäre verweilen muß, so hat ihn der Vorstand anzuhalten, daß er sich davor schützt durch Vorbinden eines feuchten Schwamms vor Mund und Nasenlöcher mittelst Schnüren.

16. Den Fabrikanten kann nicht genug anempfohlen werden, daß sie die Sorglosigkeit der meisten Arbeiter für ihre Gesundheit nach Kräften zu bekämpfen suchen.

In den Fabriken welche das Bleiweiß mittelst Bleiessigs und Kohlensäure bereiten, ist vorzüglich auf gute Lüftung und Ventilation zu sehen.

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Die Mitglieder der Commission: Guérard, Payen, Emery, Chevallier, und Cadet-Cassicourt Berichterstatter. (Journal de Chimie médicale, Jan. 1849 S. 56.)

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