Titel: Versuche um die galvanische Elektricität zum Bemalen oder Bedrucken des Porzellans und Steinguts anzuwenden; von R. Smith in Blackford.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1849, Band 112/Miszelle 8 (S. 319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj112/mi112mi04_8

Versuche um die galvanische Elektricität zum Bemalen oder Bedrucken des Porzellans und Steinguts anzuwenden; von R. Smith in Blackford.

Der Zweck dieser Versuche war, die Oberfläche des Porzellans oder Steinguts in verschiedenartigen Medien (Auflösungen) zu verzieren, um Farben von jeder Nüance zu erhalten. Soll die Devise purpurroth werden, so taucht man die verglühten Geschirre einige Secunden lang in Wasser und dann in eine Auflösung von salzsaurem Zinnoxydul. Zunächst hat man nun das Geschirr, angenommen es sey eine Schale, aus der Auflösung zu nehmen und es so zu stellen, daß die obere Fläche seines Innern in Berührung mit einem bleiernen Stabe ist, welcher mit der Kathode oder dem negativen Pol einer Volta'schen Batterie verbunden ist; eine Kette wird mit ihrem einen Ende an der Anode oder dem positiven Pol der Batterie und mit ihrem anderen Ende an einem Golddraht befestigt. Der Golddraht wird nun an die Außenseite der Schale, der bleiernen Elektrode gegenüber, so gehalten, wie man mit einer Feder schreiben oder mit einem Pinsel malen würde. So oft der Draht mit dem Geschirr in Berührung kommt, wird letzteres purpurroth gezeichnet; auf diese Art kann man also jede Figur auf dasselbe zeichnen, indem man die Schale auf der Kathode herumbewegt. Bei diesem Proceß wird von dem Golddraht eine geringe Menge aufgelöst und verbindet sich mit dem in der Auflösung enthaltenen Zinn zu Goldpurpur. Wenn die Devise vollendet ist, taucht man das Geschirr in Wasser und hierauf in den Glasurbrei, um es fertig zu brennen.

Nach einer anderen einfacheren Methode wird das Muster, z.B. ein Blumengewinde, aus einem Stück Goldfolie ausgeschnitten und auf einem Streifen von Gutta-percha angebracht. Nach dem Eintauchen in die Zinnauflösung wird die Schale auf die Kathode gesetzt, wie es vorher beschrieben wurde, die mit der Anode verbundene Kette aber an dem Goldmuster befestigt, während man den Gutta-percha-Streifen um die Schale herum bindet, um das Goldmuster in genaue Berührung mit ihrer Oberfläche zu bringen. Die Schale wird dann im Kreise bewegt, so daß die bleierne Elektrode über die innere Oberfläche, dem Muster gegenüber, passirt; hiebei entsteht ein gefärbter Abdruck des Musters aus der Porzellanfläche, welcher der in der Goldfolie ausgeschnittenen Zeichnung entspricht. Das Geschirr braucht dann bloß noch glasirt zu werden. Es versteht sich, daß diese Methode bei Geschirren von allen Größen und Formen anwendbar ist. Soll z.B. das Innere einer Untertasse bedruckt oder verziert werden, so verfertigt man ein dieser Fläche anpassendes Muster von Folie und Gutta-percha und bringt die Kathode in Berührung mit der Außenseite. Um verschiedene Farben im Muster zu erhalten, setzt man dasselbe auf der Gutta-percha aus Folie von verschiedenen Metallen, z.B. Gold, Platin, Silber, Kupfer etc. zusammen und anstatt die Geschirre in eine Auflösung von Zinnsalz zu tauchen, benutzt man eine Auflösung von Königswasser.

Um Metalllüster zu erhalten, belegt man die Gutta-percha-Formen mit Folie von Gold, Platin, Kupfer etc. nachdem man die Geschirre mit Königswasser gewaschen hat und läßt nach dem Aufpassen der Gutta-percha eine kurze Zeit den galvanischen Strom einwirken. Nachdem die Form abgenommen ist, muß das Geschirr einige Minuten mit Königswasser befeuchtet bleiben, um die Oxyde aufzulösen, welche sich auf dessen Oberfläche abgesetzt haben. Die Geschirre sind nun in einem ähnlichen Zustande, wie wenn man sie mit einer Auflösung des Metalls in Königswasser bemalt hätte und können die Glasur empfangen.

Diese Versuche, von welchen sich der Verfasser praktischen Erfolg verspricht, wurden mit einer gewöhnlichen Volta'schen Batterie von 32 Paaren dreizölliger Platten angestellt. (Practical Mechanic's Magazine, April 1849 S. 3.)

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