Titel: Verbesserungen an den Hochdruckdampfmaschinen und Locomotiven; von Remond, Ingenieur in Birmingham.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1849, Band 112/Miszelle 2 (S. 396–397)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj112/mi112mi05_2

Verbesserungen an den Hochdruckdampfmaschinen und Locomotiven; von Remond, Ingenieur in Birmingham.

Hinsichtlich der Dampfmaschinen blieb bisher ein wichtiges Problem zu lösen, nämlich die Beseitigung des Widerstandes (der Compression oder des Drucks), welcher durch den Dampf selbst unter dem Kolben hervorgebracht wird. Dieser Druck ist bei den besten bisherigen Systemen von fixen oder beweglichen Dampfmaschinen stets beträchtlich; wenn man ihn vermeiden könnte, so würde man entsprechend an Triebkraft gewinnen und folglich an Brennmaterial ersparen.

Alle Systeme von Dampfschiebern sind an dieser Schwierigkeit gescheitert und mußten nothwendig scheitern, weil sie den absoluten Gegendruck nicht zu verhindern vermochten, welcher auf den Kolben während der Zeit des Dampfaustritts wirkt; zahlreiche, noch in der letzten Zeit mittelst des Indicators angestellte Versuche ergaben, daß der Verlust in Folge des Widerstandes (Drucks) auf der Rückseite des Kolbens, im Mittel 42 Proc. bei Hochdruckmaschinen beträgt, welche wie die Locomotiven mit großer Geschwindigkeit gehen.

Bei dem neuen System gibt man dem Dampfaustritt eine drei- bis viermal größere Oeffnung als seinem Eintritt und man kann die Ausströmungsöffnung fast während des ganzen Kolbenlaufes vollkommen offen lassen; es ist daher so zu sagen fast keine Compression des Dampfs auf der Rückseite des Kolbens möglich.

Bei diesem System vermeidet man den absoluten Gegendruck auf den Kolben während der Zeit des Dampfaustritts; ein Hauptvortheil dieser Verbesserung ist die Vergrößerung der Geschwindigkeit des Kolbens, welcher bei der Leichtigkeit, womit der Dampf entweichen kann, fast gar keinen Widerstand mehr hat, während der Gegendruck des Dampfs es bisher unmöglich machte, ohne bedeutend größeren Aufwand an Brennmaterial große Geschwindigkeiten bei den Locomotiven zu erzielen.

Dieses System gewährt bei seiner Einfachheit und Vortrefflichkeit noch den großen Vortheil, daß es sich ohne Schwierigkeiten mit geringen Kosten bei den jetzt gebräuchlichen Maschinen anbringen läßt.

Anfangs hat man sich damit begnügt, die Oeffnung, durch welche der Dampf aus dem Cylinder in die Atmosphäre entweicht, zu vergrößern; der Dampf wird aber, bevor er an dieser Oeffnung ankommt, auf seinem Laufe comprimirt.

Um diesem bekanntermaßen nachtheiligen Umstand zu begegnen, läßt man den Schieber der Austrittsöffnung voreilen, was aber ein reiner Dampfverlust ist; der Kolben, welcher noch nicht am Ende seines Laufes ankam, wird nämlich bloß durch die erlangte Bewegung vorwärts getrieben, und wenn dieses Voreilen nicht ertheilt wird, die Schieber keine regulirten Sperrplatten haben und den Dampfzutritt noch vor dem Ende des Kolbenlaufes absperren, so sperren sie zu gleicher Zeit den Austritt desjenigen Dampfes ab, welcher seine Leistung vollbracht hatte; es findet dann eine Compression statt, welche bei Locomotiven mit großer Geschwindigkeit nahezu 50 Proc., im Mittel 40 bis 42 Proc. beträgt.

Um allen diesen Uebelständen abzuhelfen, benutzt Hr. Remond zur Steuerung zwei von einander vollkommen unabhängige Schieber; der eine derselben läßt den Dampf an einer bestimmten Stelle zutreten und ihn nach vollbrachter Wirkung durch eine so große Oeffnung als man wünscht entweichen, während der andere Schieber seinerseits dieselbe Rolle spielt, so daß man bei jedem Umgang unzweifelhaft eine so genaue und vortheilhafte Vertheilung des Dampfs erhält, als man wünschen kann. Remond macht seine Schieber von einander unabhängig, obgleich ihnen die Bewegung – welche sie in den Stand setzt, die doppelte Function des Zulassens und Auslassens des Dampfs zu verrichten – von derselben Quelle aus ertheilt wird.

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Um den unabhängigen Schiebern die Bewegung zu ertheilen, wendet er eine doppelte spiralförmige Rolle an; die auf derselben verzeichneten Wege machen die Schieber an den mittelst geeigneter Stangen fixirten Punkten steigen, anhalten und sinken, und zwar mit einer Regelmäßigkeit und Genauigkeit, wie man sie mit dem Excentricum nicht erhalten könnte, obgleich sich auch letzteres zum Steuern derselben unabhängigen Schieber benutzen läßt. Armengaud. (Moniteur industriel, 1849, Nr. 1849)

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