Titel: Instruction für die Behandlung und den Dienstgebrauch des elektromagnetischen Telegraphen (nach dem Fardely'schen System) auf der Taunusbahn.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1849, Band 112/Miszelle 4 (S. 397–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj112/mi112mi05_4

Instruction für die Behandlung und den Dienstgebrauch des elektromagnetischen Telegraphen (nach dem Fardely'schen System) auf der Taunusbahn.

Behandlung.

1. Der Zeiger der Anzeigescheibe muß in der Ruhe immer auf dem Punkt, der Punkt des Mittheilers immer unten an dem senkrecht eingeschlagenen Stifte stehen.

Sollte bei dem Schluß der Depesche der Zeiger nicht auf den Punkt zurückkehren, so muß dieses bald möglichst durch Drücken auf den dazu bestimmten Knopf bewerkstelligt werden.

2. Der Gang des Telegraphenapparates ist abhängig von dem Aufziehen, was nicht versäumt werden darf.

3. Bei dem Drehen des Mittheilers ist darauf zu achten, daß derselbe nie rückwärts, sondern von der Linken zur Rechten gedreht werde.

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4. Der Buchstabe, welcher an dem anderen Orte bezeichnet werden soll, wird in einem mäßig schnellen Tempo, ohne dabei anzuhalten, nach unten an den Stift gedreht.

5. Bei dem Schluß eines Wortes wird der Punkt des Mittheilers einmal, bei dem Schluß der Depesche zweimal nach unten gedreht.

6. Um die Aufmerksamkeit am anderen Orte zu erregen, d.h. die Glocke spielen zu lassen, wird das A des Mittheilers nach unten gedreht und eine Weile stehen gelassen; alsdann dreht man die Scheibe des Mittheilers, bis die eigene Station auf dem concentrischen Ringe, unten am Stift, erscheint; darauf wird der Mittheiler abermals gedreht, bis auf dem concentrischen Ringe die Station am Stift erscheint, mit welcher man telegraphiren will, und darauf der Mittheiler auf den Punkt zurückgeführt.

Die Station, für welche die Nachricht bestimmt ist, dreht sodann den Mittheiler, bis die eigene Station am concentrischen Ring unten am Stift steht, und führt alsdann den Mittheiler auf den Punkt zurück.

Wird das Signal nicht zurückgegeben, so muß die Operation wiederholt werden, bis Antwort erfolgt.

7. Hierauf wird die kurz und deutlich abzufassende Depesche telegraphirt. Um jedoch sicher zu seyn, daß jedes einzelne Wort verstanden ist, gibt die die Depesche empfangende Station den auf jedes Wort erfolgenden Punkt zurück. Im Fall ein Wort nicht verstanden wird, ist statt des Punktes der Buchstabe N zurückzugeben, Worauf das nichtverstandene Wort nach einmal telegraphirt werden muß.

8. Bei Gewittern sind, vermöge der angebrachten Vorrichtungen, die Apparate von der Linie auszuschließen.

9. Die Flüssigkeit in den Gläsern außerhalb der Thoncylinder muß immer blau seyn, was durch Hineinlegen einiger Stückchen Kupfervitriols bewirkt wird; auch ist die Flüssigkeit stets in der Höhe des cylindrischen Kupferstreifens zu erhalten, was sowohl außerhalb als innerhalb der Thoncylinder durch Hinzugießen von Wasser geschieht. Die Flüssigkeit außerhalb der Thoncylinder darf jedoch niemals mit der im Innern der Thoncylinder befindlichen sich vermischen.

10. Das Einfrieren der Batterien zur Winterszeit muß verhütet werden.

Dienstgebrauch.

Der elektro-magnetische Telegraph ist zur Mittheilung dienstlicher Nachrichten, deren Beförderung durch die Züge nicht rasch genug erfolgen kann, bestimmt. Die Mittheilung besonderer Nachrichten darf nur mit Genehmigung eines Mitgliedes des Verwaltungsraths, des Directors oder Bahninspectors erfolgen.

Die durch den elektro magnetischen Telegraphen beförderten Nachrichten und die darauf erfolgten Antworten werden in das auf den Stationen befindliche, dazu bestimmte Journal unmittelbar eingetragen.

Regelmäßig wird der erfolgte Abgang der Züge gemeldet:

a) von Hattersheim nach Frankfurt und Castel;

b) von Castel nach Biebrich und Castel.

c) von Wiesbaden nach Biebrich und Wiesbaden;

Verspäten sich die Züge bei ihrem Abgang auf den Hauptstationen, so ist dieses jedesmal mitzutheilen. Alle Ereignisse, welche überhaupt auf den Cours der Züge influiren können, sind von den betreffenden Stationen allenfalls dahin anzuzeigen, wo die Nachricht zu wissen nöthig ist.

Abbreviaturen, willkürliche Bezeichnungen etc. sind bei der telegraphischen Correspondenz nicht gestattet; es müssen vielmehr die einzelnen Worte vollständig mitgetheilt werden, weil dadurch jeder Irrthum unmöglich wird.

Ereignet sich während der Fahrt etwas an der Maschine oder an dem Zuge, welches eine telegraphische Mittheilung nach andern Stationen nothwendig macht, so hat der betreffende Zugcommissär die Depesche aufzuschreiben und an die zunächst gelegene Station zur Mittheilung zu übergeben.

Die Bahnhofsverwalter, resp. die Cassiere der Zwischenstationen, behandeln den Telegraphen-Apparat ihrer Station und haben denselben unter Verschluß zu halten. (Eisenbahnzeitung, Mai 1849, Nr. 21.)

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