Titel: Ueber die Seidenzucht in Japan.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1849, Band 112/Miszelle 14 (S. 464–465)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj112/mi112mi06_14

Ueber die Seidenzucht in Japan.

Ein in Japan erschienenes Werk: die Kunst der Seidenwürmerzucht (Yo-san-fi-rok) von Ouekaki-Morikouni, hat Math. Bonafous in französischer Sprache herausgegeben. Hr. Huzard erstattete darüber der Société d'Encouragement einen Bericht, welchem wir Folgendes entnehmen:

Als Grundbedingung des Gelingens der Seidenwürmerzucht wird vor Allem die größte Sorgfalt und Genauigkeit empfohlen; wie bei uns wird Lüftung, künstliche Ventilation, fleißiges Ausmisten etc. als nothwendig befunden. Kälte, namentlich feuchte, wird sorgfältig vermieden; doch wird auch vor zu großer Wärme gewarnt; auch die Elektricität scheint für sehr gefährlich gehalten zu werden, da der Verf. wiederholt empfiehlt, die Würmer vor dem schädlichen Einfluß schwerer Wolken durch sorgfältiges, augenblickliches Verschließen der Thüren und Fenster der Anstalt zu schützen.

Um die Säuberung der Würmer zu erleichtern, wobei solche auch öfter vorgenommen werden kann, empfiehlt der Verf. die Würmer mit Mehl von feingemahlenen Reisbälgchen zu überstreuen und die Blätter auf dieses Mehl zu legen; durch dieses Mehl kriechend, gelangen sie auf die frischen Blätter, die dann leicht von dem im Mehl zurückbleibenden alten Mist entfernt werden können. Die Würmer selbst werden durch kleine Stäbchen gereinigt (die der Verf. nicht beschreibt; überhaupt sollen die 50 treu nach dem Original beigegebenen Kupfertafeln nicht überall zur Verständlichung des Textes ausreichen).

|465|

Wir ersehen aus diesem Werk, daß wir in Europa nicht alle Varietäten des Seidenwurms besitzen, welche in Japan vorkommen; doch scheint der Verf. jene, die auf dem Rücken zwei Kreissegmente hat, die wir auch bei den unsrigen beobachten, als eine der besten zu betrachten. Die Ausartung der Eier, von welcher auch bei unsern Züchtern manchmal die Sprache ist, schreibt er dem Mangel an sorgfältiger Warte zu.

Die Japaner besitzen Varietäten von Seidenwürmern, welche zu verschiedenen Jahreszeiten, und zwar bis im Herbst, auskriechen, so daß die Zucht bei Leuten, welche hinlänglich mit Blättern versehen sind, mehreremal nacheinander, bei solchen Züchtern aber, die nur eine beschränkte Menge Blätter besitzen, zu jenen Zeiten stattfinden kann, welche am besten mit ihren andern Beschäftigungen zusammenfallen. Als Mittel, ein späteres Auskriechen der Eier gewisser Racen zu bewirken, wird empfohlen, die Eier im Frühjahr zu waschen, zu trocknen und dann in wohlverstopften Flaschen unter Wasser aufzubewahren.

Vom Maulbeerbaum besitzt der Japaner mehrere Species; eine Sorte nennt er Lu-Maulbeerbaum; eine andere Species ist der Maulbeerbaum mit waagerechten Zweigen, von welchen sich demnach die Blätter leicht pflücken lassen, deren er viele trägt.

Hinsichtlich der Vermehrung des Maulbeerbaums empfiehlt der Verf. bei den besten Sorten das Pfropfen. (Bulletin de la Société d'Encouragement, Febr. 1849.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: