Titel: Ueber eine ungewöhnliche Verunreinigung des Braunsteins; von Dr. Elsner.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1849, Band 112/Miszelle 5 (S. 461)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj112/mi112mi06_5

Ueber eine ungewöhnliche Verunreinigung des Braunsteins; von Dr. Elsner.

Die gewöhnlichen Verunreinigungen des im Handel vorkommenden Braunsteins sind bekanntlich: Eisenoxyd, Thonerde, Kalkerde, Manganit. Alle diese Beimischungen erklären jedoch nicht die Entwickelung von Chlor bei einem gepulverten Braunstein, wenn derselbe mit salzsäurefreier Schwefelsäure übergossen und die Mischung erhitzt wird. Ein solcher Fall ist mir aber vorgekommen, denn beim Uebergießen mit Schwefelsäure und beim Erwärmen gab sich das entwickelte Chlor nicht allein durch seine Farbe, sondern auch durch den Geruch und die bleichenden Eigenschaften unbezweifelt zu erkennen. Daß ein solcher Chlor entwickelnder Braunstein zur Sauerstoffgas-Darstellung durchaus nicht anzuwenden ist, bedarf weiter keiner Erwähnung; aber selbst bei seiner Verwendung zur Erzeugung von Chlor ist derselbe nur dann erst anzuwenden, wenn die Analyse nachgewiesen hat, wie viel ein solcher Braunstein schon an und für sich Chlor zu entwickeln im Stande ist, weil sich natürlich erst hiernach der nothwendige Zusatz von Kochsalz und Schwefelsäure, oder von Salzsäure berechnen läßt.

Um zu erfahren, welche Chlorverbindung es sey, welche dem Braunstein zugesetzt war, wurde eine nicht gewogene Menge so lange mit destillirtem Wasser ausgekocht, als das Wasser noch irgend etwas auflöste; die filtrirte Flüssigkeit zeigte durch Reagentien die Gegenwart von Chlor und Kalkerde; der nach dem Auskochen mit destillirtem Wasser gebliebene Rückstand wurde mit chemisch reiner Salpetersäure bis zur Erschöpfung ausgekocht. In der abfiltrirten Flüssigkeit zeigten die Reactionsversuche: Eisenoxyd, Thonerde, aber auch eine nicht unbedeutende Menge Kalk; es mußte demnach in dem Braunstein eine in Wasser lösliche Kalkverbindung, und zwar Chlorcalcium, im Rückstande dagegen Kalkerde, angenommen werden.

Die mit einer abgewogenen Quantität Braunstein unternommene quantitative chemische Analyse, deren ausführliche Darlegung hier deßhalb nicht weiter angegeben wird, weil dieselbe nach den bekannten Grundsätzen der analytischen Chemie ausgeführt wurde, ergab in dem untersuchten Braunstein die Gegenwart von 1,75 Proc. Chlorcalcium und 1,25 Proc. Kalkerde. Hiernach scheint dem in Rede stehenden Braunstein eine Quantität von verdorbenem, nicht weiter brauchbarem Chlorkalk absichtlich zugesetzt worden zu seyn.

Da mir wenigstens eine solche Verunreinigung des im Handel gewöhnlich gepulvert vorkommenden Braunsteins noch nicht bekannt worden ist, so schien es mir nicht ganz ohne Interesse, diejenigen technischen Chemiker auf diese Verunreinigung des Braunsteins aufmerksam zu machen, denen nicht etwa eine solche Verunreinigung schon bekannt seyn sollte. (Berliner Gewerbe-, Industrie- und Handelsblatt, 1849, Nr. 6.)

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