Titel: Maschinen von neuer oder verbesserter Construction auf der dießjährigen Pariser Industrie-Ausstellung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1849, Band 114/Miszelle 2 (S. 311–318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj114/mi114mi04_2
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Maschinen von neuer oder verbesserter Construction auf der dießjährigen Pariser Industrie-Ausstellung.

Decoster's Drehbänke.

Eine Drehbank von A. Decoster und Comp. in Paris zeigte mehrere praktische Neuerungen. Sie hat Planscheiben von 3' rheinländisch Durchmesser und ist lediglich für Waggonräder bestimmt. Die hauptsächlichste Abweichung von der gewöhnlichen Construction besteht darin, daß sich die Achse nicht auf Spitzen dreht, sondern mit ihren Zapfen in Lagern läuft. Wie man zum Herstellen genau cylindrischer Walzen diese Methode dem Abdrehen auf Spitzen längst vorgezogen, so sicher hat sie auch ihre Vorzüge für den gegenwärtigen Zweck, wo ebenfalls die Concentricität zwischen Zapfen und Radperipherie in höchster Genauigkeit erforderlich ist. Außerdem werden die beiden Supports dieser Drehbank in der erforderlichen schiefen Richtung mechanisch bewegt, was die Bedienung durch einen einzelnen Arbeiter bedeutend erleichtert und die Arbeit fördert. Die Supports construirt Decoster sämmtlich anstatt der dreieckigen Leitstücke und Druckschrauben mit einem eingeschobenen und seitwärts befestigten Keil, der vollkommen denselben Dienst leistet, und weit billiger herzustellen ist.

Eine gewöhnliche Decoster'sche Drehbank war mit dem einfachen Apparat versehen, wodurch die abzudrehenden Gegenstände geführt, das heißt: vor dem Vibriren bewahrt werden, und den dieser Constructeur gleichzeitig für schmiedeiserne Wellen zum Poliren benutzt. Die Führung geschieht nämlich durch vier abgerundete, gehärtete Polirstahle, die an einem einfachen, auf dem Wagen befestigten Ständer angebracht sind. Der untere und obere Polirstahl werden mit Schrauben stark gegen die abgedrehte Welle gedrückt, auf die von Zeit zu Zeit etwas Oel tropft. Die feinen Spirallinien, welche der Drehmeißel hinterläßt, werden auf diese Art niedergedrückt, und die Welle ist nach einmaligem Ueberdrehen so vollständig polirt, wie es sonst nur durch zweimaliges Ueberdrehen und nachträgliche Anwendung von Schmirgel erreicht wird. Wo die höchste Genauigkeit des abgedrehten Gegenstandes erforderlich ist, reicht man freilich mit einmaligem Ueberdrehen nicht aus; in den allermeisten Fällen (für Spindeln, Transmissionen, Leitstangen u. s. w) ist jenes Verfahren aber vollkommen anwendbar, wodurch eine Drehbank doppelt so viel als bisher leisten kann. Decoster gebührt das Lob, diese einfache Neuerung in die Praxis des Maschinenbaues eingeführt zu haben; sie wird in Frankreich bereits vielfach nachgeahmt und auch in Deutschland schreitet man damit vor.

Die erwähnte Drehbank ist auch mit einer Vorrichtung versehen, um Löcher in dem aufgespannten Gegenstand genau winkelrecht und in gleicher Ebene mit den beiden Spitzen ausbohren zu können. Für Balanciers und ähnliche Maschinentheile ist dieß höchst zweckmäßig. In der bekannten Publication industrielle von M. Armengaud ainé, Professeur au Conservatoire des arts et métiers, befindet sich Band V. Tafel 26 eine Abbildung dieser Vorrichtung.

Lethuillier's Hobelmaschine für cannelirte Wälzchen.

Lethuilliers-Pinel aus Sotteville-les-Rouen (Seine-inférieure) stellte eine Hobelmaschine aus, die eigens zur Herstellung von cannelirten Wälzchen dient, wie solche für Woll-, Baumwoll- und Flachsspinnmaschinen gebraucht werden. Bei diesen Maschinentheilen ist bekanntlich die höchste Genauigkeit erforderlich. Die Vertiefungen wurden bisher einzeln auf kleinen, mit Theilvorrichtung versehenen, eigens dazu eingerichteten Hobelmaschinen eingestoßen, was ziemlich viel Zeit und große Aufmerksamkeit von Seiten des Arbeiters erforderte. Lethuillier-Pinel hat nun eine einfache Maschine erfunden, die solche Wälzchen mit größter Schnelligkeit und fast absoluter Genauigkeit fertigt. Sobald sie abgedreht sind, werden sie nämlich mittelst dieser Maschine durch fünf gußstählerne, im Innern cannelirte Ringe gedrückt, von denen der folgende immer etwas tiefer schneidet wie der vorhergehende. Durch den letzten Ring erhalten die Einschnitte die richtige Form und Tiefe, worauf bloß noch ein glatter Ring zum Calibriren durchgedrückt wird, der den Wälzchen an allen |313| Stellen gleichen Durchmesser gibt, und zwar mit einer Genauigkeit, wie sie sonst auf der Drehbank nur mit höchster Aufmerksamkeit des Arbeiters und unter großem Zeitverlust zu erreichen ist. Die ausgestellten Wälzchen waren von untadelhafter Genauigkeit und Schönheit. Die Maschine ist 10' lang und gegen 2' breit, sie kann recht gut mit der Hand betrieben werden. Alle Sachverständigen, unter denen der erste Spindelfabrikant des Elsasses, sprachen sich sehr günstig über das System derselben aus, welches sich ohne Zweifel noch auf Erreichung anderer Zwecke in der Maschinenfabrication ausdehnen läßt. Lethuillier-Pinel forderte für die ausgestellte Maschine 4000 Francs; sie läßt sich übrigens offenbar für ein Drittel dieses Preises herstellen.

Decoster's Feilmaschinen.

Zwei von Decoster ausgestellte Exemplare unterschieden sich von der gewöhnlichen Construction, indem statt der Platte auf welche sonst die Gegenstände befestigt werden, ein sehr solider Schraubstock angebracht war, wodurch das Einspannen, das bei kleinen Gegenständen häufig mehr Zeit als das Hobeln selbst erfordert, mit größter Schnelligkeit vor sich gehen kann. Von dieser Einrichtung tragen die Maschinen den Namen Etaux-limeurs. Die Führungen der Stoßstange sind auf einer verticalen Ebene angebracht. Da der Druck beim Hobeln gewöhnlich nach oben geht, so ist eine solche Anordnung vorzuziehen, sowie auch die schiefwinkligen Führungen das Anbringen einer Leitung für die vierte Seite der Stoßstange ersparen, welches stattfinden muß, wenn letztere rechtwinklig ist (wie z.B. bei den Constructionen von Whitworth und von Nasmyth) – Außer diesen praktischen Aenderungen zeigten alle vier ausgestellten Maschinen noch eine gemeinsame Abweichung. Der Meißel schneidet nämlich nicht während der Bewegung nach vorn, sondern während der Rückkehr der Stoßstange. Es gewährt dieß den praktischen Vortheil, daß der vor der Maschine stehende Arbeiter genau bis auf die vorgezeichneten Punkte hobeln kann, was bei der sonst in England, Belgien und Deutschland gebräuchlichen Construction äußerst unbequem war, indem das Vorzeichnen nur auf der Angriffsseite geschehen kann, und diese nach dem Gestelle zu lag. Für das Hobeln kleiner unterbrochener Flächen, Zahnstangen u. dgl. ist diese Einrichtung wichtig und nützlich.

Keine der ausgestellten Maschinen hatte über 6'' Ausschlag. Man ist überhaupt, und zwar ganz mit Recht, davon zurückgekommen weit über 6'' hinauszugehen, da alsdann die massivste Construction ein Biegen der Stoßstange am Ende des Ausschlags kaum verhindern kann.

Decoster's Vorrichtung zum Ein- und Ausrücken.

An einer Stoßmaschine sowie an mehreren anderen Maschinen hat Decoster eine sehr empfehlungswerthe Einrichtung zum Aus- und Einrücken angebracht. Bekanntlich schadet es sowohl den Maschinen als dem laufenden Zeug wenn man das Einsetzen mittelst verzahnter Kuppelungen bewirkt und dadurch die Maschine plötzlich und ohne Uebergang aus dem Zustande der Ruhe in den ihrer normalen Geschwindigkeit versetzt. Man bringt deßhalb gewöhnlich neben der Triebscheibe, die auf der Achse festsitzt, eine sogenannte tolle Scheibe an; schiebt man den Laufriemen von letzterer auf die Triebscheibe, so erfolgt die Ingangsetzung der Maschine allmählich und ohne Stoß. Diese tollen Scheiben erfordern indeß einen Raum auf der Triebwelle, der häufig fehlt, und handelt es sich gar um mehrere Triebscheiben von verschiedenem Durchmesser, wie dieß bei den meisten Werkzeugmaschinen der Fall ist, so muß ein besonderes Vorgelag des Ausrückens halber angebracht werden. Um alle Vortheile der tollen Scheibe mit der Einfachheit des Einsetzens durch Kuppelungen zu verbinden, läßt Decoster die Triebscheiben lose auf ihrer Welle laufen, an deren Ende aber ein verschiebbarer Conus sitzt, der durch eine Schraube (mit einem Rädchen als Handgriff) in die entsprechend ausgebohrte Oeffnung der Scheiben hineingedrückt werden kann, und alsdann die Welle mit herum nimmt. Um Auszurücken hat man bloß mit der Hand die Drehungen jenes Rädchens aufzuhalten, worauf sich die Schraube mit dem Conus aus der Oeffnung der Triebscheibe herausdreht und der Stillstand der Welle und Maschine erfolgt. Die Schraube ist links oder rechts |314| geschnitten, je nach der Richtung in der sich die Scheibe bei den einzelnen Maschinen drehen muß. Beim Einrücken überträgt sich die Schnelligkeit der Scheibe ganz allmählich auf die Triebwelle in dem Maaße wie die Reibung des eindringenden Conus stärker wird.

Dampfhämmer.

Dampfhämmer fanden sich nicht ausgestellt. Während man übrigens in Deutschland die Originalconstruction von James Nasmyth überall copirt, oder die Hämmer von ihm selbst bezieht, baut man dieselben in Frankreich mit vielfachen Veränderungen, worüber hier einige Worte Platz finden mögen. Man construirt nämlich viele, ja die meisten Hämmer ohne jene, zwar äußerst geniale, für viele Zwecke jedoch gänzlich überflüssige und äußerst kostspielige Vorrichtung der mechanischen Steuerung und der Regulirung des Hubs. Die großartige Anstalt von Schneider und Comp. zum Creusot (Saône et Loire) liefert viele solcher Dampfhämmer zu äußerst billigen Preisen; einer derselben arbeitet in der Maschinenwerkstätte des Nordbahnhofes. Das Self-acting hat großen Werth, ja ist unumgänglich nothwendig für Frischereien und überall wo viele Schläge mit großer Schnelligkeit auf einander folgen müssen. Einerseits aber als Luppenhammer für Puddlingswerke und andererseits in seiner Anwendung zum Schmieden von Maschinentheilen thut die Handsteuerung, wodurch der Apparat so bedeutend einfacher und wohlfeiler wird, vollkommen dieselben Dienste. Denn hier fallen meistens nur einzelne Schläge in Zwischenräumen, und ein Arbeiter muß ohnehin fortwährend die Hand an den Hebeln haben; das Self-Acting und die Hubregulirung sind also ganz überflüssig, da beides durch den Arbeiter geschieht. Einen solchen Hammer kann sich jedes Puddlingswerk, das nur eine Bank zum Bohren des Cylinders besitzt, selbst anfertigen, umsomehr als es hier mehr auf Solidität als große Genauigkeit ankommt, wo die hinter den Puddlings- und Schweißöfen liegenden Kessel ohnehin überflüssigen Dampf liefern.

Decoster's Zapfenschmierung für Ventilatoren.

Die einzige wirkliche Neuerung in der Construction der Ventilatoren, welche zu immer größerer Anwendung gelangen, stammt von Decoster und besteht aus einer auf der Welle dicht am Lager befindlichen Scheibe, die unten in einen Oelbehälter taucht und durch die Drehung stets eine genügende Quantität Oel dem Zapfen zuführt. Bei den großen Schnelligkeiten (bis zu 2000 Drehungen per Minute), die man den Ventilatoren geben muß, ist diese durch mehrjährige Praxis erprobte Einrichtung nicht unwichtig. – Zum Schmieren von Zapfen, die geringere Schnelligkeit haben, wendet Decoster eine mitten um den Zapfen laufende, unten in Oel tauchende, kleine endlose Kette an. Das Lager wird dadurch in der Mitte unterbrochen; das Oel vertheilt sich auf dem ganzen Zapfen, und das überflüssige läuft wie bei der erstbeschriebenen Vorrichtung in den Oelbehälter zurück, der von Zeit zu Zeit gefüllt wird.

Du Trembley's Chloroform-Dampfmaschine.

Die Gesellschaft Givord und Comp. in Lyon hatte eine sogenannte Machine à vapeurs combinées nach der Erfindung du Trembley's (beschrieben im polytechn. Journal Bd. CXI S. 246) ausgestellt. Diese solid ausgeführte Maschine hatte zwei liegende Cylinder; in dem ersten wirkt wie gewöhnlich der Wasserdampf, in dem zweiten der Dampf einer Flüssigkeit, die schon bei einer Wärme von höchstens 72 Grad Celsius siedet; versucht wurden bisher Schwefeläther, Chloroform, Chlorkohlenstoff u.s.w. Die Verwandlung dieser Flüssigkeit in Dampf soll durch den abgehenden Dampf des ersten Cylinders bewirkt und dieser gleichzeitig dadurch condensirt werden. Das condensirte Wasser wird in den Kessel, jene Flüssigkeit aber nach ihrer Verdichtung in den Condensationsapparat zurückgepumpt. Den Verlust daran geben Givord und Comp. auf nur 3/4 Liter per zwölf Stunden für eine 25pferdige Maschine an. Es arbeiten solche Maschinen bereits bei Billaz und Maumenée in Lyon (Guillotière) seit 18 Monaten; ferner in der Werkstätte des Gouvernements zu Lorient und |315| bei Horn in London; eine 200pferdige Maschine nach diesem System und für ein Rhoneboot bestimmt, ist bei Clément-Desormes und Comp. in Oullins bei Lyon in der Ausführung begriffen. Nach Behauptung der Erfinder soll die doppelte Kraftäußerung, oder was dasselbe ist, eine Ersparniß an Brennmaterial von 50 Procent aus der Anwendung dieser Erfindung resultiren. Mit dem Woolf'schen Dampfmaschinensystem in Verbindung gesetzt, soll sie das Kohlenquantum auf 1 1/2 Pfund per Pferdekraft und Stunde vermindern! Nirgends findet sich jedoch eine Angabe über den wirklich stattfindenden Kohlenverbrauch der bereits ausgeführten Maschinen, wenn auch mehrere sehr günstig lautende Urtheile von Jury's und Berichterstattern der Regierung vorliegen. Es ist überhaupt höchst ungewiß, ob die Sache sich in der Praxis bewähren wird. Namentlich steht es wohl außer Zweifel, daß dabei nur eine höchst unvollkommene und wirkungslose Condensation des Wasserdampfs stattfinden kann. Wer die Erfolge von Samuel Hall's Patentcondenser und so vieler anderer trockener Condensatoren kennt, die so außerordentlich große kalte Flächen für die Condensation darbieten und dennoch die Wirkungen der gewöhnlichen Verdichtung durch Einspritzung nicht erreicht haben, wird keinen Augenblick zweifeln, daß die kleinen abkühlenden Flächen auf die man bei der in Rede stehenden Maschine nothwendig beschränkt ist, noch weniger dazu im Stande sind, wenn auch die in den Röhren befindliche Flüssigkeit die Wärme weit schneller als Wasser absorbirt. Rechnet man aber die Kraft, welche sonst aus der Condensation erwächst, als verloren, und betrachtet nun die vermehrten Kosten des Baues, der Unterhaltung, des Verbrauchs an Aether u.s.w., so fragt es sich sehr, ob noch ein Vortheil von Bedeutung zu Gunsten des neuen Systems übrig bleiben wird. Die ganze Angelegenheit befindet sich übrigens in einem Stadium, wo sich der Werth oder Unwerth der Erfindung sehr bald durch die Erfahrung herausstellen muß.

Beweglicher Rost für Dampfkessel.

Unter der Firma J. B. Tailfer und Comp. in Paris hat sich eine Gesellschaft eigens zur Ausbeutung dieser Neuerung gebildet. Der ausgestellte Apparat, für einen 30pferdigen Kessel bestimmt und im Preise von 2500 Francs, ist eine vollständige Nachahmung des in England seit mehreren Jahren bekannten, und häufig angewandten sogenannten Juckes Ofen (beschrieben im polytechnischen Journal. Bd. LXXXV S. 134). Der Rost besteht aus einer endlosen Kette von einzelnen ungefähr 9'' langen Gelenken, die über zwei Rollen gelegt sind. Vorn werden die Kohlen (Geriß) aufgeschüttet, die ein langsames Vorrücken der Rostkette, das von der Maschine aus oder beim Anfangen auch von der Hand bewirkt wird, unter den Kessel ins Feuer bringt. Die Dicke der Kohlenschicht wird durch den Raum zwischen dem Roste und einem verstellbaren Schieber bestimmt, der gleichzeitig den Feuerraum von den aufgeschütteten Kohlen trennt. Das Vorrücken geschieht so langsam, daß der Rost fast ganz kalt zurückkehrt, etwa im Durchschnitt 5/4 bis 1'' per Minute. Die Stärke des Feuers kann durch den Zug, durch den erwähnten Schieber und durch die Schnelligkeit des Vorrückens regulirt werden. Erfahrungsmäßig gewähren solche bewegliche Roste mannichfache Vortheile in Ersparung an Brennmaterial und in Gleichmäßigkeit des Feuers, sowie in der ausschließlichen Anwendung der wohlfeileren Gerißkohle. Die Unternehmer haben in kurzer Zeit bereits über fünfzig solcher Apparate in Frankreich aufgestellt, auch während der Ausstellung mehrere Aufträge von deutschen Fabrikanten aus Wien, Chemnitz u.s.w. erhalten. Laut den Berichten verschiedener Fabrikanten, die früher feste Roste anwandten, hat sich ein Ersparniß von 18 bis 20 Procent an Brennmaterial ergeben; in England macht man eine ganz ähnliche Schätzung. Der ausgestellte Apparat war von vorzüglicher mechanischer Ausführung. Da indeß die zur Verbrennung der Kohlen dienende Fläche nur gegen 9 bis 10 Quadratfuß hatte, so ist zu bezweifeln, ob er für eine 30pferdige Maschine die genügende Größe besitzt, wenn man auch bei diesem System weit unter dem gewöhnlichen Verhältniß von einem Quadratfuß per Pferdekraft bleiben kann.

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Rotirende Pressen für den Zeitungsdruck.

In neuester Zeit hat sich der Erfindungsgeist von den Schnellpressen mit abwechselnder geradliniger Bewegung ab- und den rotirenden Pressen zugewandt. In der That zeigten auch die ausgestellten Hand- und Schnellpressen keine Neuerungen; sie sind bereits so vervollkommnet, daß man einen Fortschritt kaum mehr von der Weiterbildung dieses Systems, sondern nur allenfalls vom Uebergang zu einem neuen erwarten kann. Es läßt sich nun nicht behaupten, daß die rotirenden Pressen schon soweit ausgebildet seyen, um in der allernächsten Zeit für den Druckereibetrieb mittelst Schnellpressen eine gefährliche Concurrenz fürchten zu müssen. Die gelungene Anwendung dieses neuen Systems in einzelnen, außergewöhnlichen Fällen, z.B. für den Druck der Times (man vergl. polytechn. Journal. Bd. CXI S. 98.), wo in wenigen Stunden 30 bis zu 100,000 Exemplaren dieses Riesenformats (5' lang, 4' hoch) abgezogen werden müssen, läßt nämlich noch keinen Schluß auf die Anwendbarkeit und Rentabilität im gewöhnlichen Geschäftsbetrieb thun.

Während man in England und Amerika hauptsächlich darauf ausgeht, rotirende Pressen mit beweglichen Lettern zu construiren, beschränkt man sich in Frankreich darauf vor der Hand einen Theil der Aufgabe zu lösen, der leichter erreichbar scheint. Man wendet nämlich gebogene Stereotypplatten statt der beweglichen Lettern an – ein Verfahren, welches schwerlich je höhere Ansprüche befriedigen wird als an den Zeitungsdruck gemacht werden, bei welchem Schnelligkeit die Hauptsache, Schönheit des Drucks dagegen von untergeordneter Bedeutung ist. Gelingt dieß, so ist übrigens schon viel erreicht, denn beim gewöhnlichen Buchdruck hat die größere Schnelligkeit bloß dann Werth wenn sie eine Kostenersparniß zur Folge hat, beim Zeitungsdruck dagegen hat die Schnelligkeit selbst eine große Wichtigkeit.

Ausgestellt war nur eine rotirende Presse und zwar von Giroudot Sohn aus Paris; sie soll 8000 Exemplare per Stunde drucken, und die Clichage (das Formen und Gießen der Sterotypplatten) aller vier Seiten eines Journals nur eine halbe Stunde dauern. – Von ähnlicher übrigens noch vereinfachter Gonstruction ist eine nicht ausgestellte Maschine der Société pour l'exploitation des Maschines à imprimerie rotatives, mit welcher die Versuche in der Druckerei des Journals La presse angestellt werden. Das Papier, aufgerollt wie es von der Continu-Maschine kommt, läuft über den ersten und sodann über den zweiten mit dem Cliché überzogenen Cylinder; der Druck wird durch zwei elastische mit Tuch überzogene Walzen ausgeübt. Auf diese Weise auf beiden Seiten bedruckt passirt das Papier nur noch eine Schneidemaschine (wie solche häufig hinter Papiermaschinen angewandt werden), welche die Zeitung ins Format schneidet. Ueber 11,000 Abdrücke per Stunde hat diese Maschine bereits bei den letzten Versuchen geliefert; die Reinheit des Drucks, sowie der Mechanismus der Schneidemaschine ließen noch Einiges zu wünschen übrig, was man aber bald zu beseitigen hoffen darf. Sie soll dann sofort für den Druck der Presse in fortlaufende Thätigkeit gesetzt werden. Mit ungemeiner Schnelligkeit und Genauigkeit geschieht die Anfertigung der Clichés. Bekanntlich erforderte bisher die Anfertigung einer kleinen Stereotypplatte über 24 Stunden wenn man eine Gypsmatrize, und mindestens 4 bis 6 Stunden wenn man Papiermatrizen anwendet. Bei diesem neuen Verfahren wird die Zeitung wie gewöhnlich gesetzt, alsdann die feuchte Papiermasse auf den Typensatz gelegt, stark gepreßt und dabei gleichzeitig angetrocknet. Hierauf wird diese Papiermatrize in eine gebohrte, dem äußern Umfang der Druckwalze entsprechende Höhlung gebracht, und zwar die Eindrücke nach innen. An den Rändern wird sie mit Leisten von der gewünschten Dicke der Gußplatte versehen, dann ein Cylinder von dem Durchmesser der Druckwalzen eingelegt, in den Zwischenraum zwischen Form und Cylinder die geschmolzene Metallmischung geschüttet, und der Cliché ist vollendet. Das Befestigen auf der Druckwalze geschieht in wenigen Minuten. Wenn der Satz fertig und alles gleichzeitig zum Guß vorgerichtet ist, so kann binnen weniger als einer Stunde die Druckmaschine ihre Arbeit beginnen. Sie erfordert nicht viel mehr Raum, als ein gewöhnliches Schreibpult. Man darf erwarten, daß die letzten Schwierigkeiten bald besiegt seyn werden, so daß dieser wichtige Fortschritt im praktischen Betrieb zur Anwendung kommen kann.

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Letternsetzmaschine von Delcambre und Young.

Unter den Hülfsmaschinen für Druckereien befand sich auf der dießjährigen Ausstellung die Letternsetzmaschine von Young und Delcambre aus Paris (beschrieben im polytechn. Journal. Bd. LXXXV S. 420). Bekanntlich bewirkt sie das Setzen durch die Berührung von Klaviertasten, wodurch jedesmal eine senkrechte Leiste, vor der eine Anzahl der entsprechenden Buchstaben aufgeschichtet liegt, so weit gehoben wird, daß ein Buchstabe durchschlüpfen kann. Derselbe gleitet dann eine schiefe Ebene hinunter und reiht sich den schon auf gleiche Weise dahin gelangten Buchstaben an. Allerdings setzt eine solche Maschine mehr als 35,000 Lettern in 10 Stunden, also das 2 1/2 fache der gewöhnlichen Handarbeit; ja die Erfinder behaupten ihre Production ließe sich aufs Achtfache derselben steigern. Allein Unregelmäßigkeiten des Herabgleitens der einzelnen Buchstaben in den engen Canälen, das Zusammenstoßen derselben auf ihrem Wege und dergleichen Uebelstände hat man bisher nicht zu beseitigen vermocht, so daß diese sonst sinnreiche Idee von keinem praktischen Nutzen gewesen ist. Eine Maschine zum Vertheilen der Lettern steht mit der erwähnten im Zusammenhang; der Preis für beide ist 5000 Francs.

Maschine zur Fabrication kalt gepreßter Lettern.

Von Seiten einer Société pour fabriquer les caractères à la mécanique et à froid aus Paris war eine sehr schön gearbeitete Maschine zu diesem Zweck ausgestellt. Ihre Construction kommt im Wesentlichen mit der der bekannten Drahtstift- oder Nagelmaschinen überein; statt Schlag wird jedoch Druck angewendet um den gravirten gußstählernen Stempel in die Kopffläche des geplätteten Drahts. aus dem die Lettern fabricirt werden, einzutreiben. Der Vortheil dieser Maschinen soll erstens darin bestehen, mehr als bisher zu erzeugen, ferner schärfere und reinere Lettern herzustellen als beim Gießen möglich, und endlich ein festeres, dauerhafteres Metall (z.B. Kupfer) anwenden zu können. Für Paris, wo die Einführung der in Deutschland so verbreiteten Gußmaschinen bisher an dem Widerstande der Arbeiter gescheitert ist, wäre allerdings eine schnellere und minder kostspielige Erzeugung der Lettern als durch die gewöhnliche Handarbeit äußerst wünschenswerth. Im Vergleich zu letzterer würde nun obige Maschine wohl Vortheile bieten, ob aber auch im Vergleich zu unserer deutschen Gußmaschine, mit der ein Mann täglich mit Leichtigkeit gegen 30,000 Lettern herstellt, bleibt eine andere Frage. Erzeugt sie auch etwas mehr (bei Drahtstiften ähnlicher Dimensionen kann man auf 60–70. 000 Stück per Tag rechnen), so ist doch ihre Unterhaltung sehr kostspielig und schwierig; schon das öftere Schneiden der gußstählernen Stempel verursacht große Kosten. Außerdem hat der Mechanismus einer solchen Maschine so viele der Abnutzung ausgesetzte Theile, daß es bezweifelt werden darf ob sie je für Gegenstände, die wie die Typen in ihren Dimensionen eine fast mathematische Genauigkeit und Uebereinstimmung erfordern, praktisch anwendbar wird. Die anwesenden Sachverständigen, worunter die beiden ersten Schriftgießereibesitzer Deutschlands, stellten der Sache kein günstiges Prognostiken. Ihre Vortheile würden um so geringfügiger, wenn die Versuche gelingen, mit denen man sich in Paris stark beschäftigt, nämlich die Letterncomposition durch ein neuentdecktes weit härteres Metallgemisch, dessen Hauptbestandtheil Eisen bildet (matière ferragineuse genannt), zu ersetzen. Proben davon konnte man in Blei oder Zinn eintreiben, ohne daß die Scharfe des Gusses litt; dabei war der Guß ebenso rein und scharf als bei Typen aus Schriftzeug. Hierdurch wäre der Hauptvortheil erreicht, den die kalt gepreßten Lettern darbieten. Uebrigens ist dem Scharfsinn und der Beharrlichkeit schon so vieles gelungen, daß man nicht vorher absprechen, sondern der Erfahrung überlassen soll, ob der neue Weg nicht zu größeren Vortheilen führt, als man sich bis jetzt davon verspricht.

Maschine zum Poliren der Daguerreotypplatten.

Herr Delezenne in Paris (3. Rue de Thorigey) hat eine sehr einfache Maschine zum Poliren der Daguerreotypplatten construirt. Auf einer horizontalen |318| Scheibe sitzt ein excentrischer Zapfen; dieser trägt lose ein hölzernes Brettchen, auf das die Platte gelegt wird. Mittelst Scharnier und Schrauben sind vier Kissen zum Ueberschlagen und Aufdrücken eingerichtet; die ersten beiden sind mit zwei Sorten Waschleder, das dritte mit Flanell, das vierte mit Seidensammet überzogen, und werden eines nach dem andern zum Poliren angewendet. Mittelst conischer Rädchen und Kurbel wird nun die Scheibe rasch gedreht, wodurch die Platte, da sie sich frei auf dem excentrischen Zapfen bewegen kann, in allen denkbaren Richtungen und Winkeln unter dem Kissen durchstreicht. Die ausgestellten Platten zeigten den höchstmöglichen Grad von Politur.

(Aus dem: Bericht über die auf den dießjährigen Gewerbe-Ausstellungen zu Paris und Gent ausgestellten Maschinen, Metalle, Metallwaaren und Papiere. Dem Reichsministerium des Handels erstattet, von Wilhelm Oechelhäuser, Secretär im Reichshandelsministerium. Frankfurt a. M. J. D. Sauerländer's Verlag. 1849.“)

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