Titel: Bartenbach, über Gewinnung des Goldes aus den Kupferkiesen.
Autor: Allain,
Bartenbach,
Fundstelle: 1850, Band 115, Nr. XII. (S. 53–55)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj115/ar115012

XII. Ueber die Gewinnung des Goldes aus den Kupferkiesen; von den HHrn. Allain und Bartenbach.

Aus dem Moniteur industriel, 1849, Nr. 1400.

Wir theilen im Folgenden die Resultate unserer Versuche mit, welche wir in der Absicht anstellten, die Methode festzusetzen, welche man einschlagen muß, um das in den Kupferkiesen von Chessy und Sain-Bel (Rhone-Departement) enthaltene Gold im Großen abzuscheiden.11) Unsere letzten Untersuchungen ergaben, daß man aus diesen Kupferkiesen durchschnittlich zwei Zehntausendstel Gold gewinnen kann; da nun die Dichtigkeit dieser Erze = 4 ist, so repräsentirt 1 Kubikmeter 800 Gramme Gold. Die leicht und schnell ausführbaren Operationen hiezu zerfallen in zwei Reihen: Rösten und Angreifen der Erze.

Ueber das Rösten. – Durch bloßes Rösten an der Luft kann man den Erzen allen Schwefel entziehen; es verstreicht aber auch eine |54| bedeutende Zeit, bevor sich das Erz in einem geeigneten Zustande befindet. Man beschleunigt die Verbrennung der letzten Antheile von Schwefel sehr, wenn man das Erz, nachdem es zum zweitenmal an der Luft geröstet worden ist, mit einer gesättigten Kochsalz-Auflösung zu einem Teige anmacht; es bildet sich dann beim Rösten schwefelsaures Natron. Salzsaures Kali und salzsaurer Kalk wirken auf dieselbe Art wie Kochsalz. Man kommt jedoch mit diesen salzsauren Salzen nicht so schnell zum Ziel, wie wenn man das bereits zweimal geröstete pulverförmige Erz mit Kali- oder Natronsalpeter erhitzt. Braunstein, dem Erze beigemengt, liefert ebenfalls genügende Resultate. In technischer Hinsicht ist aber das zweckmäßigste und wirksamste Mittel zum Vertreiben des beim Rösten an der Luft zurückgebliebenen Schwefels die concentrirte Schwefelsäure; letztere verwandelt sich durch Aufnehmen von Schwefel in schweflige Säure und der theils an der Luft, theils auf Kosten des Sauerstoffs der Schwefelsäure oxydirte Schwefel liefert im Ganzen mehr Schwefelsäure, als die spätere Behandlung der Erze erfordert, wenn man die schwefligen Dämpfe von den verschiedenen Röstungen in Bleikammern leitet. Die Schwefelsäure ist nämlich auch das geeignetste Mittel zum Auflösen des gebildeten Zinkoxyds und Kupferoxyds, weil sie die letzten Spuren von Schwefelmetallen, welche der Röstung entgingen, sehr leicht in schwefelsaure Salze verwandelt.

Ueber das Angreifen der gerösteten Erze, um das Gold aufzulösen. – Trockenes Chlorgas greift das Gold an; die Operation bietet aber bei der Ausführung im Großen Schwierigkeiten bar. Mit in Wasser aufgelöstem Chlor erhält man allerdings Chlorgold; nur muß man die Behandlung mehrmals wiederholen, um alles Gold auf diese Weise ausziehen zu können. Das Königswasser löst schon in der Kälte das Gold auf und noch schneller beim Kochen; dabei erhält man sehr viel salzsaures Eisen in der Auflösung. Das Quecksilber wirkt auch auf das im Erz enthaltene Gold, besonders wenn das so gut als möglich geröstete Erz auf eine höhere Temperatur erhitzt wird. Um das Gold vom Eisen zu trennen, welches die Auflösung des gerösteten Erzes in Königswasser enthält, kann man hauptsächlich folgende Körper anwenden: Eisen, Zink, Kupfer, Blei, Quecksilber, schweflige Säure, Eisenvitriol etc.

Hienach ist das geeignetste Verfahren zum Gewinnen des Goldes aus den Kiesen folgendes:

Abscheidung des Goldes. – Nachdem das Erz in Stücken an der Luft geröstet worden ist, um es zerreiblicher zu machen, wird es gepulvert, durch die feinsten Siebe von Messingdraht geschlagen und |55| neuerdings so weit als möglich geröstet: d.h. bis das Pulver eine gleichförmige braunrothe Farbe hat. Man macht es dann mit Schwefelsäure von 66° Baumé zu einem Teig an und röstet es zum letztenmal, bis sich keine schwefligsauren oder schwefelsauren Dämpfe mehr entbinden. Der Rückstand wird hierauf so fein als möglich pulverisirt und mit verdünnter Schwefelsäure gekocht. Der unauflösliche Theil wird ausgewaschen und endlich in der Wärme mit Königswasser behandelt, welches in dem Verhältniß von 6 Theilen Salzsäure auf 21 1/10 Theile Salpetersäure von 36° Baumé zusammengesetzt und dann mit Wasser verdünnt worden ist. Die entstandene Auflösung, welche Eisen- und Goldchlorid enthält (und sogar Kupferchlorid, denn es ist schwer das Kupferoxyd durch einmaliges Kochen mit Schwefelsäure gänzlich auszuziehen), bringt man mit Eisen in Berührung, welches daraus Gold und Kupfer niederschlägt. Der gesammelte Niederschlag wird ausgewaschen, getrocknet und an der Luft geröstet, um das Kupfer zu oxydiren. Um das Gold von dem Kupferoxyd zu trennen und zugleich von dem Eisenoxyd (von letzterem schlägt sich fast immer ein wenig mit dem Cementkupfer nieder), kann man es mit Schwefelsäure oder Salzsäure behandeln; es ist aber zweckmäßiger, die Abscheidung entweder durch Schmelzen oder durch Chlor oder Quecksilber zu bewerkstelligen.

Man kann nach diesem Verfahren das Gold sogar aus solchen Kupferkiesen abscheiden, welche von demselben weniger enthalten als die Erze von Chessy und Sain-Bel. Bei letztern betragen die Gewinnungskosten von 1 Kil. Gold nach Abzug des Werths des erhaltenen Kupfers nicht über 400 Franken.

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Man vergleiche über die Zusammensetzung dieser Erze die frühere Notiz der Verfasser im polytechn. Journal Bd. CXIII. S. 293.

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