Titel: Grenon's Verfahren zum Vergolden des Porzellans.
Autor: Ebelmen,
Fundstelle: 1850, Band 115, Nr. LXXVI. (S. 378–379)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj115/ar115076

LXXVI. Ueber Grenon's neues Verfahren zum Vergolden des Porzellans; Bericht von Ebelmen.

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement, Jan. 1850, S. 38.

Hr. Grenon, Porzellanmaler in Paris (rue du Faubourg-Saint-Martin No. 51), hat der Société d'Encouragement das von ihm erfundene neue Verfahren Porzellan dauerhaft zu vergolden, zur Prüfung übergeben. Das Vergoldungsverfahren welches in Paris allgemein angewandt wird, besteht bekanntlich darin, sich mittelst salpetersauren Quecksilberoxyduls metallisches Gold zu bereiten,97) welches man mit einer gewissen Menge basisch salpetersauren Wismuths vermengt;98) letzteres dient als Fluß und bewirkt daß das Gold beim Einbrennen sich auf der Oberfläche des Porzellans befestigt. Das mit salpetersaurem Quecksilber niedergeschlagene Gold kann man in außerordentlich dünnen Schichten auftragen, daher diese Vergoldung wenig kostspielig ist; dagegen besitzt sie aber sehr wenig Haltbarkeit und widersteht der Abnutzung nicht. Das Gold welches man aus seiner Auflösung mit Eisenvitriol niederschlug, gibt eine haltbarere Vergoldung, die aber theurer zu stehen kommt.

Man hat verschiedene Verfahrungsarten angewandt, um die Vergoldung dauerhafter zu machen ohne daß die Kosten viel größer sind. Hr. Rousseau trägt zuerst eine Schicht von Platin auf, welches mit Fluß gemengt ist, und dann eine dünne Schicht Gold auf das Platin. Dieses Verfahren gibt eine haltbare Vergoldung, welche aber beim Gebrauch ihre schöne Farbe nicht behält, weil in Folge der Abnutzung des Goldes dessen Farbe durch diejenige des Platins modificirt wird.

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Grenon's Verfahren besteht darin, daß er zwei Schichten Gold aufträgt, jede mit einem eigenthümlichen Fluß und in verschiedenen Verhältnissen. Die erste Schicht wird bei einer hohen Temperatur gebrannt; man polirt sie mit Sandstein und trägt dann über ihr eine dünne Schicht Gold auf, welches mit salpetersaurem Quecksilber gefällt ist und auf gewöhnliche Art gebrannt wird. Diese Vergoldung läßt sich leicht poliren und bekommt einen schönen Glanz; ich habe mich überzeugt, daß sie einem Reiben mit harten Körpern widersteht welches die gewöhnliche Vergoldung bedeutend angreift.

Um auf einem Duzend Tassen ein Goldfilett herzustellen, welches eine Linie breit ist, verbraucht Grenon 42 1/2 Centigr. (8 Gran) Gold; der Preis der Tassen erhöht sich dadurch um 6 Fr. per Duzend. Bei der gewöhnlichen Pariser Vergoldung wird nur halb soviel Gold verwendet und man bezahlt sie mit 4 Franken per Duzend Tassen.

Grenon's Vergoldung verdient dem Publicum wegen ihrer Haltbarkeit und ihrer Glanzes empfohlen zu werden; ihr höherer Preis ist durch die große Menge angewandten Goldes und die Kosten des zweimaligen Auftragens und Brennens gerechtfertigt.

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Man behandelt 150 Gramme destillirtes Quecksilber mit 400 Grammen gewöhnlicher Salpetersäure, indem man die Reaction langsam und so viel als möglich ohne Beihülfe der Wärme vor sich gehen läßt. Zu gleicher Zeit löst man 25 Gramme Gold in 450 Grammen Königswasser (aus zwei Gewichtstheilen käuflicher Salzsäure auf 1 Theil gewöhnlicher Salpetersäure bestehend) auf. In letztere Auflösung wird die erste gegossen, während sich beide auf der Temperatur von 80° Reaumur befinden. Die Mischung trübt sich und setzt das metallische Gold in braungelben Flocken ab. Der Niederschlag wird mit kochendem Wasser ausgewaschen und im Wasserbad ausgetrocknet.

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Auf 20 Theile Goldpulver 1 Th. Wismuthsalz. Das Gemenge wird zum Gebrauch mit Spicköl abgerieben und mit dem Pinsel aufgetragen. Nach dem Einbrennen erscheint die Vergoldung matt, und wird entweder so gelassen oder mit Blutstein polirt.

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