Titel: Alban's Mittheilungen aus seinem Leben und Wirken als Maschinenbauer.
Autor: Alban, Ernst
Fundstelle: 1850, Band 115, Nr. LXXXI. (S. 401–411)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj115/ar115081

LXXXI. Mittheilungen aus meinem Leben und Wirken als Maschinenbauer; von Dr. Ernst Alban in Plau (Mecklenburg-Schwerin).

Mit Abbildungen auf Tab. V.

A. Einiges über meine neuern Dampfmaschinenkessel.

(Schluß von Seite 238 des vorigen Heftes.)

Forsche ich den Zweifeln derer, die meine neuern Kessel und ihr Princip verkleinern möchten, noch mehr nach als bisher geschehen ist, so scheint mir eine andere Hauptfrage diesen Leuten beantwortet werden zu müssen, nämlich

II. die: sind diese Kessel dauerhaft zu nennen, namentlich in denjenigen Theilen, die vorzugsweise der Hitze des Feuers ausgesetzt sind, und besonders in den Siederöhren?

Diese Frage wird leicht zu beantworten seyn durch einige Gegenfragen: enthalten diese Kessel nämlich etwa Theile, die als undauerhaft bekannt sind? sind diese von andern schlechtem als den gewöhnlichen Materialien angefertigt? – Gewiß nicht. Ist ihre Construction doch gewiß viel einfacher als die der Locomotivkessel, ist doch nirgends ein Theil an ihnen vorhanden, der in engen Kammern wenig Wasser enthält, und von einem sehr intensiven Hitzegrad afficirt wird; fehlen doch durchaus Theile wie die Feuerbüchse der Locomotivkessel, die von zweierlei Metallen construirt (Eisen und Kupfer), in ihren Theilen verschiedene Grade der Ausdehnung erfahren, und durch die vielen Verankerungen, welche die Büchse in verschiedenen Richtungen durchdringen, und welche die äußere Hülle und den innern Feuerkasten mit einander verbinden und zusammenhalten, an verschiedenen Orten schädliche Spannungen erfährt, sind doch meine Herzen mit diesen schwierigsten und undauerhaftesten Apparaten gar nicht zu vergleichen. Aeußere und innere Platten derselben laufen völlig parallel, machen nirgends Winkelkrümmungen, |402| sind von gleichem Metalle, und können daher keine schädlichen Spannungen erfahren, zumal die Anker immer in gleichen Zwischenräumen von einander stehen und alle in einer und derselben Richtung laufen, also auch in dieser, und war in einer völlig unschädlichen, nirgends kreuz und quer zerrenden, auf die Platten einwirken. Sind ferner beide doch auch einer ziemlich gleichen und mäßigen Temperatur ausgesetzt, indem ein gebläsartiger Zug, wobei die innere Platte vielleicht zuweilen überhitzt werden möchte, bei meinen Kesseln nur höchst selten angewandt werden dürfte; sind endlich die Recipienten doch auch so gewöhnlich construirte Gefäße, daß nicht abzusehen ist, wie sie sich anders verhalten sollten, als andere von Eisenblech genietete cylindrische Gefäße, zumal sie keinen übernatürlichen Druck auszuhalten, und keine bedeutende Zersprengungskraft, von Seiten der Dämpfe ausgeübt, zu ertragen haben; da endlich, was sie mehr durch den höchern Dampfdruck erleiden, wieder durch ihren geringern Durchmesser aufgehoben wird; sind endlich doch alle verschiedenen Theile der Kessel auch von Kesselstein leicht zu reinigen, zumal dieser, wie bereits durch eine längere Erfahrung erwiesen ist, bei dem höhern Drucke nicht krystallisirt, sondern eine lockere Gestalt behält; setzt sich in denjenigen Theilen, deren Reinigung die meisten Schwierigkeiten haben dürfte, doch auch nicht einmal solcher Stein ab.105) Daher kann dann auch diejenige üble Wirkung des Feuers auf den Kessel nicht leicht, wenigstens nicht leichter als bei andern gewöhnlichen Kesseln eintreten, die eine Ueberhitzung und Zerstörung des Metalles bewirkt, und dadurch herbeiführt, daß dessen Wände mit einer dicken Kruste Kesselstein bedeckt werden, die, als schlechter Wärmeleiter, eine gehörige Benetzung und Kühlung derselben durchs Wasser mehr oder weniger verhindert.

Wenn von irgend einem Theile meiner Kessel noch eine schnellere Zerstörbarkeit als bei den bisherigen Siedegefäßen anzunehmen wäre, so möchte ich die Röhren dafür gelten lassen. Aber auch hier entscheidet die Erfahrung, wie bei den übrigen eben genannten Theilen, zu ihren Gunsten, und vorzugsweise in dem Falle, daß sie immer zu rechter Zeit von dem im Wasser sich absetzenden Schlamme oder von der Moorerde (wenn Torfwasser als Speisewasser angewandt wird), oder andern Unreinigkeiten, die einen Niederschlag bilden und sich an die vom Feuer berührten Wände anhängen, gereinigt werden. Durch ein öfteres Ausblasen ist hier für lange Zeit genügend Hülfe zu schaffen. Ein |403| Oeffnen der Herzthüren und der Schlußdeckel der Recipienten und ein Ausspülen des ganzen Kessels ist seltener nöthig. Auf unserm hiesigen Dampfschiffe ist in den vier Jahren seines Gebrauches erst ein Rohr so weit destruirt worden, daß es herausgenommen werden mußte, und zwar dadurch, daß man es sich durch im Wasser enthaltenen Schmutz ganz verstopfen ließ, indem man den Kessel beinahe ein ganzes Jahr hindurch nicht reinigte, und nach Beendigung der Fahrten, im Herbste, beim Abzapfen des Wassers allen Schmutz zurückließ, auch den Kessel im nächsten Frühlinge nicht davon befreite. Wenn man erwägt, daß unter diesem Kessel ein gebläsartiger Zug angewandt wird, so spricht dieser Fall gewiß für die Dauer dieser Röhren. Bei dem Kessel meines Etablissements ist noch durchaus gar nichts Nachtheiliges an den Röhren entdeckt worden, obgleich diese bei der Einsetzung nicht einmal neu, sondern lange Zeit (über 5/4 Jahre) und unter sehr ungünstigen Umständen schon gebraucht, zum Theil auch in der Mitte durch Löthung zusammengesetzt waren. Alle Röhren liegen noch vollkommen gerade, nirgends zeigt sich an ihnen die mindeste Krümmung; ihre innere Oberfläche wird bei der Reinigung noch immer glatt und sauber und ohne Kesselstein befunden, und zeigt sich einiger, so sieht man ihn als lose dünne Blättchen ohne irgend einen festen Zusammenhang in den Röhren liegen, und können diese Blättchen durch eine Handspritze herausgespritzt werden. Der Kessel des Hummel'schen Etablissements zeigt ganz die nämlichen Erscheinungen.

Und warum sollten auch die Röhren meiner Kessel hinsichtlich ihrer Dauer mehr befürchten lassen, als die der Locomotiven und der neuern Dampfschiffe? Sind die Röhren dieser nicht gleichen schädlichen Potenzen ausgesetzt, bei den Locomotiven noch weit größern als bei meinen Kesseln? – Leiden die der Seeschiffe nicht noch besonders durch das salzige Meerwasser? – Spricht die immer allgemeiner werdende Einführung solcher Röhrenschiffskessel nicht genug für die Möglichkeit, Röhren mit Nutzen und mit einer gehörigen Garantie für ihre Dauer anwenden zu können? – Würde man dieses Ziel so ungesäumt verfolgen, wenn sich gezeigt hätte, daß die Röhren bei Anwendung in diesen Kesseln undauerhaft und unsicher seyen? – Ist man nicht bei Seedampfschiffen, wo eine augenblickliche Unbrauchbarkeit des Kessels für Menschen und Güter die größte Gefahr herbeiführen würde, umsomehr verpflichtet, einen durchaus sichern Weg zu gehen? – Wäre es nicht ungerecht, für diese die Anwendung der Röhren völlig practicabel und mit Vortheilen verbunden anzunehmen, während man ihren Gebrauch in meinem neuen Kessel für unstatthaft, undauerhaft und unzuverlässig |404| erklären wollte? – Sind sie bei meinen Kesseln nicht weniger zerstörenden Potenzen ausgesetzt als bei jenen, und namentlich bei denen der Locomotiven? – Sind sie in dem Ofen meiner Kessel nicht einem viel ruhigeren Feuer ausgesetzt als bei jenen? – Ist eine gehörige Kühlung derselben durchs Wasser bei meinen Kesseln nicht vollkommener als bei jenen anzunehmen, da, wie ich schon oft zu beweisen mich bemüht habe, das Wasser in den Locomotivkesseln leicht aus den sehr engen Zwischenräumen zwischen den Röhren ausgetrieben werden dürfte, ohne daß es von unten her gehörig ersetzt werden kann, indem demselben kein gehöriger Rückfluß nach unten freisteht? – Doch genug. Ich sollte meinen, daß eine Sache, die sich in einem Falle empfiehlt und als bewährt zeigt, auch in einem andern uns nicht als unbrauchbar erscheinen könne, zumal wenn sie im letztern noch unter günstigern Umständen angewandt auftritt als im erstern. Wer anders urtheilt ist entweder parteiisch oder befangen.

III. Ein dritter Zweifel in Bezug auf meine neuesten Kessel könnte noch vielleicht erhoben werden gegen einen gehörig ruhigen Wasserstand in denselben. Röhrenkessel sind in diesem Punkte gewiß kitzliche Apparate, und in meinem Hauptwerke106) habe ich schon hinreichend auseinandergesetzt, wie die meisten Röhrenkessel der neuern Zeit hier gegen die ersten Regeln sündigen, und daher meistens sehr schlechte Resultate geliefert, und dadurch nicht selten alle Röhrenkessel unverdient in einen bösen Ruf gebracht haben. Der Fehler lag immer in den großen Mißverhältnissen des cubischen Inhalts sämmtlicher Röhren zu dem der großen Sammlungsbehälter oder der sogenannten Separatoren oder Recipienten, und der Ausdehnung ihres Wasserspiegels; viele derselben hatten kaum solche nothwendige Gefäße. Daher kochte denn auch bei ihnen immer Wasser und Schmutz, den dieses gemeinhin enthält, oder schwimmendes Kesselsteinmehl in den Cylinder der Maschine über, welcher Umstand gleich Unordnungen in der Wirkung derselben hervorrief und sie bald zerstörte. Je mehr der cubische Inhalt der Röhrenpartie eines Kessels gegen den jener Behälter zurücktritt, je günstiger stellt sich sein Verhalten in der erwähnten Beziehung. In meinem Hauptwerke107) habe ich meine hiebei zum Grunde gelegten Betrachtungen und Berechnungen sehr ausführlich niedergelegt, daher ich ihrer hier nicht ferner zu erwähnen brauche, sondern darauf verweise. Hier bemerke ich nur noch, |405| daß jenes Verhältniß in meinen neuesten Kesseln bedeutend vortheilhafter sich stellt als bei meinen frühern in meinem Hauptwerke beschriebenen, indem hier, wenn auch sämmtliches Wasser aus den Röhren in die Recipienten überkochte, dennoch keine Ueberfüllung derselben entstehen könnte.108) Dieser Umstand, in Verbindung mit meinem neuen Apparate für die Abscheidung der Dämpfe vom Wasser in den Recipienten, der sogenannten siebförmig durchlöcherten Platte, haben in meinen neuesten Kesseln, wie ich Seite 13 Bd. CXII dieses Journales schon berichtet habe, einen so sichern und ruhigen Wasserstand zur Folge gehabt, daß man fast gar keine Schwingungen an dem Wasserstandszeiger wahrnimmt, und bei beginnendem Kochen des Wassers im Apparate, selbst unter niedrigem Drucke, kaum eine merkliche Erhebung des Wasserspiegels in den Recipienten bemerkt; Erscheinungen, die gegen Eindringen von Wasser in den oder die arbeitenden Cylinder alle und jede Garantie geben dürften. Wenn hieraus nun aber zugleich folgt, daß meine neuern Kessel überhaupt und im Ganzen weniger Wasser als die frühern enthalten müssen, und ich einen geringen Wasservorrath früher schon als eine Schattenseite meiner Kessel bezeichnet habe, so kann ich doch versichern, daß dieses Mißverhältniß nicht so groß sey, um an der Maschine eine unregelmäßige Versorgung mit Dampf und einen ungleichen Gang fühlbar zu machen, zumal wenn für eine nur einigermaßen regelmäßige Feuerung und Speisung des Kessels Sorge getragen wird.

IV. Wenn manche Mechaniker die Meinung aufgestellt haben, daß meine Kessel mehr Kosten und Anstrengung bei der Anfertigung verursachen als gewöhnliche Kessel, so ist dem nicht so. Ich liefere meine Kessel zum Theil billiger als manche Fabrikanten ihre großen cylindrischen Hochdruckkessel.109) Sie sind bei ihrer jetzigen anscheinend bunten |406| Zusammensetzung doch nur einfach und kunstlos construirt, und ihre Fabrication, selbst die der Kessel von größerm Kaliber, eignet sich selbst für kleinere Werkstätten; auch haben die Schiffskessel, nach diesem Principe gebaut, den großen Vortheil, daß sie aus mehreren einzelnen Theilen bestehen, die vor der Einsetzung ins Schiff, und zwar jeder für sich ganz vollendet und leicht in dasselbe gebracht werden können, ohne daß dazu große Luken oder sonstige Oeffnungen im Deck erforderlich sind; daß sie endlich aber auch im Schiffe mit Leichtigkeit zusammenzusetzen sind. Dasselbe gilt von den Landkesseln, die wegen ihrer einzelnen nicht schweren und kolossalen Theile leicht zu verladen und zu transportiren sind.

V. Manche meiner Collegen dürften vielleicht auch vor meinen neuesten Kesseln zurückschrecken aus Furcht, daß sie dieselben bei dem in ihnen waltenden hohen Dampfdrucke nicht gehörig dampfdicht würden schaffen können. Diese Furcht ist aber eine sehr nichtige. Bei gehörig fleißig ausgeführter Construction sind sie vollkommen so dicht herzustellen, wie die von niederm Drucke. Dieß gilt vorzugsweise von den Nietungen. Nach einem fleißigen Eintreiben der glühenden Niete reicht ein gehöriges Verstämmen der Fugen hin, auch hier jeder Forderung zu genügen. Die ringförmigen Keile vereinigen die Enden der Siederöhren mit den Herzplatten so vollkommen, daß nie ein Leck entsteht, wenn Genauigkeit und Vorsicht bei ihrem Eintreiben beobachtet wird, und man dabei vorzüglich darauf achtet, daß die Enden der Röhren vorher durch Aufweiten im Feuer genau passend für die Löcher gemacht werden, in die sie eingesetzt werden sollen, und daß man sich hüte, sie dabei zu spalten. Etwaige entstandene Risse lassen sich nach meinen neuesten Erfahrungen nach Wiederherausnahme des Rohres leicht wieder schweißen, und man braucht deßhalb kein Rohr zu verwerfen. Um gewiß überzeugt zu seyn, daß sie nach dem Einpassen auch für höhern Druck dicht sind, probire ich sie alle dann noch durch Wasserdruck, indem ich in die Enden hölzerne Pfropfen mit Leder umwunden eintreibe und so befestige, daß sie durch den Wasserdruck nicht herausgeworfen werden können. Wenn die Röhren eingenietet sind, bestreiche ich die inwendigen Fugen in beiden Herzen noch mit dicker Mennigölfarbe. Ein Gleiches thue ich bei allen Nietungen und Fugen des Kessels, und zwar auf der innern Fläche desselben. Der Druck der Dämpfe und des Wassers treibt diese Farbe dann in die Fugen hinein, wo sie erhärtet und dieselben für immer dicht schafft. Manche Mechaniker mögen, wie ich schon früher einmal bemerkt habe, über diese Vorsicht lächeln, das darf mich aber nicht beirren. Ein Dampfdruck, wie ich ihn anwende, |407| erfordert seine eigenen Maßregeln, und derjenige, der diese nicht beachtet, wird bald die üblen Folgen davon verspüren, dann aber, wie es gewöhnlich geschieht, unverdient mein Princip anklagen, wo er selbst die Schuld trägt; sowie denn durch schlechte Ausführung und Anwendung manche herrliche Sache verkümmert oder in schlechten Ruf gebracht wird. Die conischen Keile müssen immer abgedreht und vorher schon gut eingepaßt seyn, so daß sie nach dem Eintreiben noch so viel vorstehen, um im Falle der Roth einmal nachgetrieben werden zu können.110)

Die meiste Schwierigkeit hat die Dichtung der Herzthüren. Diese muß so angeordnet und beschafft werden, daß die Thüren zu jeder Zeit mit leichter Mühe abgenommen und wieder vorgelegt werden können. Früher ließ ich die betreffenden Dichtungsflächen daran bloß plan arbeiten, und legte Streifen von Rollblei dazwischen, aber diese flatschen nach und nach aus, und man ist dann genöthigt, oft die Schrauben nachzuziehen. Stellen sich Lecke ein, so werden die Schrauben dadurch leicht verunreinigt, indem sich aus dem Leckwasser niederschlagender Schmutz und Kesselstein an sie und zwischen die Gewinde niederschlägt, und die Muttern unbeweglich macht, so daß man bei stark angewandter Kraft, sie zu drehen, die Schrauben leicht abbrechen kann, die für den Augenblick dann nicht allemal leicht zu ersetzen sind.111) Ich habe, um diese Uebelstände zu heben, jetzt bei dem Kessel der großen Revaler Maschine folgende Maßregeln genommen. An die gußeisernen Seitenwände, und zwar an den innern Rand derselben, ist eine erhabene Leiste angehobelt, die ungefähr 1/2 bis 3/4 Zoll breit ist und einen Viertelszoll vorsteht. An der vordern Schlußplatte befinden sich zwei eben solcher Leisten von geschmiedetem Eisen angenietet, zwischen welchen die erstere Leiste der Seitenwände beim Anschrauben des Deckels eingreift. In den Falz lege ich nun einen Streifen Rollblei. In Fig. 6 sieht man diese Anordnung im horizontalen Querdurchschnitte abgebildet.

|408|

a ist ein Durchschnitt einer der Seitenwände der Herzen, b die vorspringende gehobelte Leiste daran, c ein Theil der Schlußplatte, d und e sind die auf dieselbe aufgenieteten Leisten, die, um sie besser zu markiren, dunkler schraffirt vorgestellt sind. Die Schlußplatte muß bei einer solchen Einrichtung aber gehörig stark seyn, damit der bei f überstehende Theil derselben beim Anziehen der Schrauben sich nicht umbiege. Aus diesem Grunde sind auch die Schrauben g so dicht an die zu dichtende Fuge heranzurücken, als irgend möglich ist, so wenigstens, daß ein Theil der Muttern h, wie in der Zeichnung, noch unmittelbar auf die Fuge drückt. Ich bin überzeugt, daß diese Vorrichtung durchaus allen Anforderungen genügen wird, da bei derselben gleiche Verhältnisse und Umstände eintreten, wie bei meinen übrigen Bleidichtungen. Das Blei kann hier auf keine Weise seitwärts ausweichen und wird daher immer in einem sichern und brauchbaren Zustande, und zwar in dem Falz des Schlußdeckels liegen bleiben. Eine ähnliche Einrichtung habe ich bei den Ankern der Herzen getroffen. Man vergleiche hier Fig. 7. Das Bund a des Ankers b greift rund um den cylindrischen Schraubentheil b oder Ankerkörper herum mit einem Vorsprunge c ringförmig in eine in die Schlußplatte eingefräsete Vertiefung d ein, in welche ein Bleiring gelegt wird. Ich habe hier aus dem Grunde einen eigenen von dem Körper etwas abstehenden Falz in die Schlußplatte gefräset, und demgemäß die Leiste am Bund des Ankers eingerichtet, um das zu starke Andrängen des Bleies an den Anker zu verhüten, wodurch das Abnehmen des Deckels erschwert und der Bleiring leicht in Unordnung gebracht wird.

Hr. Bialon schrieb mir vor einiger Zeit aus Berlin, daß er zur Dichtung der Herzthüren und Anker mit großem Glücke vulcanisirten Kautschuk angewandt habe. Er hat selbigen in Streifen von 3/8 Zoll Breite und 1/8 Zoll Dicke zwischen die zu dichtenden planen Flächen gelegt, und dann die Schrauben nur leicht anzuziehen gebraucht, um eine vollkommene Dichtung herzustellen. Die Sache ist, wenn sie sich auf die Dauer bestätigen sollte, für höhern Druck von unberechenbarem Gewinn, und der Bleidichtung, die manche Umstände macht, besondere Einrichtungen der zu dichtenden Flächen erheischt, und ein sehr starkes Anziehen der Schrauben nöthig macht, gewiß weit vorzuziehen.

VI. Vor 6 Jahren besah hier einmal ein bekannter Mechaniker des preußischen Staates die hier in unserer Tuchfabrik arbeitende Dampfmaschine von 30 Pferdekräften, die mit einem Kessel von der Einrichtung Nr. II meines Hauptwerkes ausgerüstet ist. Er hatte nicht gegen |409| mich, sondern gegen andere Leute und den Tuchfabrikanten, in dessen Gesellschaft er kam, die Aeußerung gemacht, daß die Röhren dieses Kessels und die Herzen von der Glühhitze, in die sie gewiß fortwährend versetzt würden, sehr schnell zerstört werden müßten. Dieser gute Mann, ein geborner Engländer, ist jetzt leider todt, und kann daher nicht mehr durch die Erfahrung dieser letzten 6 Jahre belehrt werden. Zur Nachricht des Publicums diene es aber, um hier eine sehr unbegründete Bemerkung gegen meine Kessel zu widerlegen, daß dieser Kessel mit seinen Röhren und Herzen mm schon 9 Jahre im Gebrauch ist, fast noch gar keine Reparatur erfahren hat, und noch so wenig vom Zahn der Zeit und eines längeren Gebrauchs angegriffen ist, daß ihm eine noch einmal so lange Dauer und Wirksamkeit prophezeit werden dürfte, obgleich seine 4 Zoll weiten Röhren von nur 1/8 Zoll dickem Kupferbleche und die Herzplatten von 3/8 Zoll dickem Eisenbleche erbaut sind. Es diene ängstlichen Fabrikanten, die auf das schiefe Urtheil eines Engländers mehr Gewicht legen sollten als ihm gebührt, und überhaupt allen von der Anglomanie befallenen Patienten meines deutschen Vaterlandes ferner zum Beweise, daß weder Herzplatten noch Herzen je glühten noch überhitzt wurden, daß die Dichtungen von Eisenkitt zwischen Siederöhren und hinterer Herzplatte, und zwischen dieser und den gußeisernen Seitenwänden der Herzen noch immer völlig in Ordnung und nie leck gewesen sind. Sapienti sat.

VII. Manche Mechaniker erregen auch Zweifel gegen die größere Gefahrlosigkeit meiner Kessel. Diese Zweifel zeugen aber entweder von Böswilligkeit oder Unkenntniß, denn sie müssen schon beim ersten Anblick meiner Kessel von jedem widerlegt werden, der nur ungefähr weiß, daß die Gefahr mit dem Durchmesser cylindrischer Gefäße in gleichem Verhältnisse sich vermindere, und daß die Gefäße, die beim Gebrauche so gestellt sind, daß wenig oder gar keine zerstörende Potenzen auf sie einwirken, die sich daher fast immer in einem sichern und erprobten Zustande erhalten, sicherer seyen als solche, die dem Feuer und allen übrigen auf die gewöhnlichen Kessel einwirkenden schädlichen Einflüssen fortwährend ausgesetzt sind. Ich habe in meinem Hauptwerke dieß Capitel so umfassend behandelt, daß jeder Zusatz hier überflüssig erscheinen würde. Ich bitte daher, dieses Werk sowohl als meine spätern in diesem Journale enthaltenen Nachrichten unter dem Titel: Bemerkungen über Hochdruckdampfmaschinen nachzulesen. Die Erfahrungen, die ich in diesem Punkte seit 9 bis 10 Jahren gesammelt habe, sind in den letztern größtentheils angeführt. Sie haben gezeigt, daß das Zerspringen enger Röhren, wie sie meine Kessel enthalten, nie von einer merklichen |410| Explosion oder gefährlichen Dampfentladung begleitet war, und daß, wenn bei letzterer (auf unserm hiesigen Dampfschiffe) einmal der Heizer etwas verbrannt wurde, dieß allein dem Umstande beizumessen war, daß er während seines Heraussteigens aus dem Kesselraume in diesen zurückfiel und in eine Lage versetzt wurde, worin es ihm nicht möglich war sogleich wieder die Aussteigluke zu erreichen. Daß bei meinen Kesseln die Siederöhren die einzigen Organe desselben sind, die der Einwirkung des Feuers ausgesetzt sind, folglich nach und nach zerstört werden, und ein Bersten und Aufreißen derselben, wie die Erfahrung ergibt, und auch ihr kleiner Durchmesser und ihre dünnen Metallwände voraussetzen lassen, noch nie von beunruhigenden und gefährlichen Zufällen begleitet gewesen sind, ist ein Gewinn für das Hochdruckdampfmaschinenprincip, der sich gar nicht berechnen läßt. Er setzt uns in den Stand, sehr hohen Druck eben so gefahrlos, ja viel gefahrloser anzuwenden, als niedrigen Druck, zumal wenn bei letzterm noch immer die allgemein üblichen und sehr gefährlichen prismatischen und sogenannten Kofferkessel112) angewandt werden, deren Nachtheile ich in meinem Hauptwerke recht scharf hervorgehoben habe.

Wenn man für hohen Druck auf Schiffen noch Kessel angewandt sieht113), wie ich sie im Anfange dieser Abhandlung in der Note bezeichnet, und als in dem Treatise on the Steam engine by the artisan club beschrieben und abgebildet angeführt habe, Kessel mit geraden, wenig verankerten Wänden, so muß man wahrlich über den Muth derjenigen Maschinenbauer sich wundern, die sie für einen solchen Zweck stark und sicher genug halten konnten, und dann hinterher gegen meine Kessel, als sehr gefahrvolle, gar nicht praktisch auszuführende Apparate eifern. Gewiß würden diese Leute ganz andere Saiten aufgezogen haben, wenn meine Kessel aus England herübergebracht wären. Sollte man glauben, daß die Engherzigkeit und Befangenheit denkender Künstler so weit gehen |411| könne?! Ich möchte doch wissen, ob es nicht ganz gleich sey, statt eines cylindrischen Kessels von einem gewissen Durchmesser und 50 Pfd. gewöhnlichem Drucke auf den Quadratzoll, einen zu nehmen der den halben Durchmesser hat und 100 Pfd. Dampfspannung trägt? Werden hier nicht beide Kessel gleichen Umständen unterliegen; wird in beiden der Druck auf die gesammten Seiten nicht völlig gleich seyn (d.h. wenn sie von fraglicher Länge sind), gegen die Enden in letzterm Falle nicht noch bedeutend geringer (nur halb so groß) als in ersterem? – Denn ist

D × 50 nicht = 1/2 D × 100,

wenn D den Durchmesser bezeichnet? und wird bei den Schlußdeckeln, wenn Q den Querschnitt andeutet,

4 Q × 50 nicht größer seyn als Q × 100,

und zwar noch einmal so groß?114)

Meine Recipienten werden also bei 100 Pfd. Druck auf den Quadratzoll auf ihrer innern Gesammtfläche weniger Dampfdruck zu ertragen haben, als ein Kessel von 3 Fuß Durchmesser bei 50 Pfd. Dampfspannung, und doch wagen sich Maschinenbauer von Fach, die doch auch rechnen können, an meine Kessel vor Angst und Furcht kaum heran; während sie bei Kesseln von 5 bis 6 Fuß Durchmesser und 50 Pfd. Dampfspannung und bei jenen unglücklichen Schiffskesseln für höhern Druck sich völlig in salvo wähnen, sind sie ängstlich bei Anwendung meiner Siederöhren von so kleinem Durchmesser. Ein Glück ist es für mich, daß mehrere englische Röhrenkessel mit engern Röhren, z.B. die von Gurney, Ogle und Summer's, Dance etc. in neuester Zeit aber vorzüglich die Locomotiven uns bereits mit der Anwendbarkeit solcher Röhren, und zwar von England aus bekannt machten und uns ihre Gefahrlosigkeit per oculos demonstrirten, sonst würde mein Kessel gar nichts für sich zu hoffen haben, man würde mich einen Menschenfeind und Würger nennen, und die Idee, so enge Röhren an Kesseln anzuwenden, die ich übrigens schon, wie ich noch durch Zeichnungen und Modelle aus frühester Zeit beweisen kann, vor 30 Jahren verfolgte, vielleicht für Wahnsinn erklären.

|402|

Ich meine hier die Röhren.

|404|

Seite 104 und 229.

|404|

Seite 220 und ff.

|405|

Sollte dieß wohl von den neuesten Schiffsröhrenkesseln, die im Treatise on the Steam engine by the Artisan Club, S. 63–72 sehr ausführlich beschrieben und abgebildet sind, gesagt werden können? schwerlich! – Und welcher Lärm wird von diesen Kesseln gemacht, die in der Hauptsache noch immer die alten sind, nämlich hinsichtlich ihrer voluminösen, nicht einmal cylindrischen, sondern prismatischen Form und ihres großen Umfangs. Haben doch bei ihnen die erleuchteten Britten nur wieder (mit Claudius zu reden) am Gewölke gekräuselt, und dem Monde gute Ruhe dahinter gelassen. Ist es noch werth. das große und wichtige Verbesserungen zu nennen? – und werden unsere Deutschen von solchen überragt? Man müßte es in der Anglomanie doch schon zu einem recht gefährlichen Stadium gebracht haben, um so kurzsichtig und befangen zu seyn, solches zu glauben.

|405|

Hrn. Hummel's nach meinem Princip von mir erbauter Kessel hat circa 450 Rthlr. preuß. Courant gekostet, während sein älterer cylindrischer mit inwendiger Feuerung eingerichteter bei gleicher Wirkung einen Preis von beinahe 800 Rthlr. preuß. Cour. gehabt haben soll.

|407|

Es mag manchem meiner Leser vorkommen, als käue ich in dieser Abhandlung nur größtentheils wieder, was ich früher schon in meinem Hauptwerke und in meinen in diesem Journale enthaltenen Bemerkungen über Hochdruckdampfmaschinen mitgetheilt habe. Ich erlaube mir jedoch darauf zu erklären, daß theils die nöthige Behandlung des hier vorliegenden Gegenstandes, Entfernung aller Einwürfe und Zweifel, gegen meine neuesten Kessel, sowie Mittheilungen meiner neuesten Erfahrungen über ihre Brauchbarkeit, Zweckmäßigkeit und ihre Vortheile, und meiner später damit vorgenommenen Veränderungen und Verbesserungen, überhaupt aller meiner neuen Verfahrungsweisen und Hülfsmittel beim Bau derselben, solches unabwendbar machen dürfte.

|407|

Die Gewinde solcher Schrauben an meinen Kesseln, die dann und wann gelöset werden müssen, dürfen nie mit Oel, welches leicht zäh wird oder gar fest trocknet, und dann Mutter und Schraube fest und fast unlösbar verbindet, sondern müssen mit Talg geschmiert werden.

|410|

Man vergleiche hier das oben in der Note über diese Kessel Gesagte.

|410|

Auch in Rostock findet sich auf dem Dampfschiffe „Minister von Lützow“ noch ein solcher, von Hrn. Tischbein in Buchau für zwei Dampfmaschinen errichtet, die zusammen eine Kraft von 45 bis 50 Pferden haben, nach dem Penn'schen System mit schwingenden Cylindern erbaut sind, und mit einem Dampfdrucke von 20 bis 25 Pfunden auf den Quadratzoll über den Druck der Atmosphäre arbeiten. Der Kessel des Dampfschiffes Delphin, den Fairbairn in London baute, und der von der preußischen Patentprüfungscommission mit meinem jetzigen neuern Kessel in Parallele gestellt wurde, soll auch für höhern Druck bestimmt seyn. Wahrlich er wäre ein herrliches Exemplar, um jungen angehenden Technikern alle Eigenschaften recht vor Augen zu führen, die ein Hochdruckmaschinenkessel nicht haben soll.

|411|

Möge man gütige Nachsicht mit mir haben, wenn ich hier solche Exempel, die eigentlich in der Schule für einen Tertianer noch zu niedrig stehen, herstelle. Da es aber einen Theils Leute gibt, die nur glauben, wenn sie sehen, und wenn es auch nur einige Buchstaben und Zahlen sind, andern Theils aber auch solche, die in den ersten Principien verwahrlost sind, dennoch sich aber allenthalben breit und wichtig machen, so habe ich diesen Sätzen einen Platz eingeräumt.

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