Titel: Newton's Verbesserungen an Bobbinnet-Maschinen.
Autor: Newton, William
Fundstelle: 1850, Band 115, Nr. LXXXII. (S. 412–414)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj115/ar115082

LXXXII. Verbesserungen an Bobbinnet-Maschinen, welche sich William Newton, Patentagent in London, einer Mittheilung zufolge, am 16. April 1849 patentiren ließ.

Aus dem London Journal of arts, Januar 1850, S. 391.

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

Bei der Tüllfabrication wurden seither die Kettenfäden neben einander auf eine Walze gewunden, welche sie nach Maaßgabe der Maschenbildung abgab. Hiebei lieferte die Walze stets die gleiche Länge. Dieses veranlaßte einen großen Uebelstand, indem es bei der Fabrication von gemustertem Tüll öfters vorkommt, daß zur Erzeugung des Musters einige Theile der Kettenfäden in größerer Quantität erforderlich sind als andere, weßhalb verschiedene Fäden nicht regelmäßig und gleichförmig durch das ganze Fabricat ausgespannt erscheinen. Vorliegender Erfindung gemäß sind die Kettenfäden von einander unabhängig angeordnet. Denn für jeden Faden ist eine Spule vorhanden, um seine Spannung zu reguliren; auf diese Weise kann jeder einzelne Faden oder eine beliebige Anzahl von Fäden ohne Umstände eine größere oder geringere Kettenlänge versehen.

Ein anderer bei den gewöhnlichen Bobbinnet-Maschinen vorkommender Uebelstand besteht darin, daß bei vorrückender Arbeit ein sich steigernder Zug nöthig ist, um die Eintragfäden von ihren Spulen abzuwickeln. Diese Spulen, welche bekanntlich aus zwei kleinen zusammengenieteten Messingscheiben bestehen, zwischen denen sich ein schmaler Raum zur Aufnahme des Fadens befindet, sind in Schlitten angeordnet und mit Federn versehen, welche die Spannung jedes einzelnen Eintragfadens reguliren. Bei vorrückender Arbeit aber, wo der Durchmesser der Fadenwindungen der Spule abnimmt, muß dem Faden eine größere Spannung ertheilt werden. Aus diesen Bemerkungen erhellt, daß die Spannung entweder nicht stark genug ist, wenn die Spulen voll sind, oder gegen das Ende, wenn sie beinahe leer sind, zu stark, was bedeutende Unregelmäßigkeiten in der Operation des Webens zur Folge haben muß. Zur Beseitigung dieser Uebelstände bedient sich der Patentträger folgender Mittel, um den Fäden eine gleichmäßige Spannung zu ertheilen.

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Fig. 20 stellt einen Theil einer Bobbinnet-Maschine mit den verschiedenen an ihr angebrachten Verbesserungen im Frontaufrisse, Fig. 21 [Fig. ist auf Tafel irrtümlich mit 20 bezeichnet.] im Verticaldurchschnitte dar. Ein Haupttheil der Erfindung besteht, wie bemerkt, darin, daß man anstatt des gewöhnlichen Kettenbaums eine Anzahl flacher Platten a, a anwendet, auf welche die Kettenfäden abgesondert und von einander unabhängig gewickelt sind. Diese Platten sind ein wenig conisch und oben abgerundet, damit die Abgabe der Kettenfäden bei vorschreitender Operation keine Störung erleidet. Die unteren Enden der Platten sind in die Zwischenräume einer sogenannten Kammbüchse eingefügt. Diese besteht aus einer Anzahl in einer Metallbüchse c, c neben einander angeordneter Metallschienen b, b. Die Anordnung dieser Schienen ist am besten aus Fig. 20 zu ersehen. Von den Platten a gehen die Fäden durch Löcher in der Metallschiene d, und nachdem sie die Regulirungsspulen e drei- oder viermal umwunden, durch eine andere Metallschiene g nach dem oberen Theil der Maschine. Jede Regulirungsspule e ist in einem Schlitten f, Fig. 22, angeordnet und mit einer Feder versehen, um den Kettenfäden, während sie von ihren Spulen abgezogen werden, den erforderlichen Grad der Spannung zu ertheilen, An der unteren Seite des Schlittens befindet sich ein kleines Loch, durch welches der Faden von der Platte a nach der Regulirungsspule e geleitet wird. Die Schlitten der letzteren hängen an den Kettenfäden zwischen den Schienen d und g; diese verhüten daß die Spulen zu hoch steigen oder zu tief sinken. Die Schlitten f sind durch verticale Drähte, welche sich von den Schienen d nach den Schienen g erstrecken, seitwärts von einander getrennt. Eine von dem einen Ende der Maschine bis zum andern sich erstreckende Metallschiene i dient den Schienen d und g als Träger, woran sie befestigt sind. An die untere Seite der Schiene d ist eine lange Stange j befestigt, deren Ränder mit Tuch oder Filz überzogen sind, damit die Kettenfäden, indem sie gegen diese Ränder drücken, durch die Reibung in einer gewissen Spannung erhalten werden.

k, k, Fig. 21 [Fig. ist auf Tafel irrtümlich mit 20 bezeichnet.] , ist der verbesserte Spulenschlitten, welcher eine gewöhnliche Spule mit dem Eintrag und eine regulirende Spule enthält, durch welche der Eintragfaden in steter gleichmäßiger Spannung erhalten wird. Fig. 23 [Fig. ist auf Tafel irrtümlich mit 22 bezeichnet.] zeigt diesen Spulenschlitten in einem größeren Maaßstabe abgebildet. Die Eintragfäden können vier- bis sechsmal um die regulirende Spule gewunden werden, welche vermittelst einer an dem oberen Theile des Schlittens angebrachten Feder einen größeren oder geringeren Grad der Spannung mittheilt. Die Regelmäßigkeit der Spannung wird nur durch wenige Windungen des Fadens um den |414| inneren Umfang dieser regulirenden Spule veranlaßt. Aus dem Vorhergehenden erhellt, daß die Spule zu jeder Zeit gleich viel Fäden enthält; denn in dem Maaße als sie während des Webens den Faden in die Maschine abgibt, empfängt sie die gleiche Quantität von der unter ihr in dem nämlichen Schlitten angeordneten Spule. Das Gewebe geht aufwärts über einen Brustbaum und unter die große Arbeitswalze l, an deren Rückseite sich eine in dem Arm o gelagerte Preßwalze befindet; damit das Fabricat zwischen diesen beiden Walzen nicht gleitet, muß sie mit Filz, Tuch, Kautschuk oder einem ähnlichen Stoffe überzogen seyn. Die Walze m wird mit Hülfe einer Adjustirschraube q, durch welche beide Walzen mehr oder weniger gegen einander gedrückt werden können, mit der Walze l in Berührung erhalten. Von den beiden genannten Walzen geht das Gewebe nach einer andern in dem Träger p gelagerten Walze n, auf welche es sich aufwindet. Die Walze l wird wie gewöhnlich durch einen mit der Maschine in Verbindung stehenden Mechanismus in Bewegung gesetzt.

In Folge der beschriebenen Anordnung fallen die Maschen des Tülls von Anfang bis zum Ende stets gleich weit aus, indem die Walzen I und m, welche stets den gleichen Durchmesser behalten, nur als Zugwalzen wirken, um das gebildete Gewebe der Walze n zu übergeben, welche auf keine der andern Walzen einwirkt.

Fig. ist auf Tafel irrtümlich mit 20 bezeichnet.
Fig. ist auf Tafel irrtümlich mit 20 bezeichnet.
Fig. ist auf Tafel irrtümlich mit 22 bezeichnet.
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