Titel: August Hamilton's Branntweinbrennerei-Erfahrungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 115/Miszelle 11 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj115/mi115mi01_11
|78|

August Hamilton's Branntweinbrennerei-Erfahrungen.

Die Erfahrung, daß der Erfolg ein ausgezeichneter ist, wenn sich Talent und Kenntnisse eines Mannes auf einen einzigen Gegenstand concentriren, wird durch Hrn. Hamilton aus Königsberg in vollem Maaße bestätigt. Hr. Hamilton hat sich zum Gegenstande seines Studiums und seiner Wirksamkeit ausschließlich die Branntweinbrennerei und die Spiritusfabrication gewählt und in diesen Zweigen der landwirthschaftlichen Gewerbe die Meisterschaft erlangt. Sein Studium der Brennerei ist ein vorzugsweise praktisches gewesen, er hat die meisten Brennereien Deutschlands besucht, sich in den Brennereien Belgiens, Frankreichs, Englands und Rußlands umgesehen, und man kann sagen, er bringt noch jetzt, von Brennerei zu Brennerei reisend, den größten Theil feines Lebens in Brennereien zu. Erklärlich ist es daher, daß Hr. Hamilton Alles, was in der Brennerei in neuerer Zeit in Anwendung gekommen ist, auf das genaueste kennt; ihm ist kein Maischverfahren, kein Gährungsmittel, keine Gährungserscheinung, kein Apparat fremd, er ist, mit Einem Worte, ein Universallexison der Brennerei. Begabt mit klarem Verstande, hat sich Hr. Hamilton einen außerordentlich richtigen praktischen Blick erworben; er unterscheidet sogleich das Wesentliche von dem Unwesentlichen, erkennt sogleich, was für den Erfolg von Wichtigkeit ist, was für die Wissenschaft und die Praxis erhalten werden muß, nicht wieder verloren gehen darf. Wenn es unbestritten ist, daß der Sachverständige fast in jeder Brennerei etwas lernen kann, so ergibt sich von selbst, daß Hr. Hamilton, der nicht Hunderte, sondern Tausende von Brennereien förmlich studirt hat, voll seyn muß von einer Masse nützlicher Erfahrungen. Ich bin im Stande dieß aus eigener Erfahrung zu versichern. Hr. Hamilton besucht mich gewöhnlich, wenn er sich in hiesiger Gegend aufhält; ich erfahre stets etwas Neues von ihm, habe immer Gelegenheit, mich über sein gesundes Urtheil zu freuen, und ich gestehe gern, daß die Stunden, welche ich in Unterhaltung über Brennerei mit ihm zubringe, äußerst lehrreich für mich sind.

Hr. Hamilton verwerthet bekanntlich seine Kenntnisse und seine gesammelten Erfahrungen auf die Weise, daß er gegen ein Honorar die Brennereien inspicirt, und die geeigneten Verbesserungen in Anregung bringt. Wenn man berücksichtigt, was ich im Vorstehenden über ihn gesagt habe, so wird man zugeben müssen, daß nach meinem Dafürhalten, Niemand mehr als er befähigt seyn kann, den Zustand einer Brennerei auf die der Zeit entsprechende höchste Stufe der Vollkommenheit zu bringen. Darin besteht aber eben, wie mich Hr. Hamilton mehr als einmal versichert hat, seine vorzüglichste Wirksamkeit, nicht sowohl in der Mittheilung von Geheimmitteln, der Art, wie sie so häufig von umherreisenden Charlatans für schweres Geld den Fabrikanten verkauft werden. Hr. Hamilton erkennt beim Durchwandern der verschiedenen Localitäten der Brennerei und beim Ueberschauen des gesammten Betriebes mit einem sachkundigen Auge sofort, was Noth thut, wo Fehler begangen werden, wo Nutzenschaffendes unterlassen ist. Daß er sich überdem im Besitz einer ganzen Reihe sogenannter Geheimnisse befindet, mag zum Ueberfluß noch hinzugefügt werden. So liegt mir ein Zeugniß des berühmten Koelle von diesem Jahr vor, in welchem derselbe hervorhebt, daß ihm das künstliche Gährungsmittel, welches er, sowie das Verfahren, dasselbe schnell und stets gut und kräftig darzustellen, von Hrn. Hamilton mitgetheilt erhalten habe, noch unbekannt gewesen sey.

Hr. Hamilton hat mich ersucht, mein Urtheil über ihn, welches er als ein günstiges kannte, öffentlich auszusprechen, und da er glaubt, daß ihm die Veröffentlichung von Nutzen seyn werde, so hielt ich dafür, daß mir die Verpflichtung obliege, seinen Wünschen nachzukommen. Ich meine, die empfehlenden Zeugnisse von Fabrikanten, welche er vorzulegen vermag, werden ihn bei andern Fabrikanten am besten empfehlen.

Schließlich will ich noch bemerken, daß Hamilton einen Theil seiner Erfahrungen in einem Werke niedergelegt hat, welches den Titel führt: August Hamilton's Branntwein-Brennerei-Erfahrungen. Es ist als Manuscript gedruckt und bei Otto Spamer in Leipzig in Commission gegeben. Man braucht nur das Inhalts-Verzeichniß desselben durchzulesen, um zu erkennen, wie viel Nützliches den Brennereibesitzern darin geboten wird.

Braunschweig, den 21. Novbr. 1849.

Dr. Otto, Professor.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: