Titel: Chinesisches Verfahren den Thee grün zu färben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 115/Miszelle 13 (S. 79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj115/mi115mi01_13

Chinesisches Verfahren den Thee grün zu färben.

Von den Chinesen ist über ihre Industrie die Wahrheit schwer zu erfahren. Folgendes Verfahren den Thee zu färben, wird jedoch von einem Zeugen mitgetheilt, welcher in Wheychou, dem berühmten District für grünen Thee, es mit anzusehen Gelegenheit hatte. – Der Oberaufseher der Theeverfertiger besorgte das Färben persönlich. Er brachte zuerst eine Portion Indigo in eine Art Mörser und zerrieb ihn zu einem feinen Pulver. Hierauf brannte er eine Quantität Gyps in den Kohlenfeuern, welche zum Rösten des Thees dienten. Vom Feuer genommen, fiel der Gyps sogleich zusammen und wurde dann in einem Mörser zu Pulver gestoßen. Nun wurden 3 Thle. Indigo und 1 Thl. Gyps mit einander zu einem hellblauen Pulver vermengt, welches als Färbemittel während der letzten Röstung auf den Thee aufgetragen wird. Der Chinese bedient sich, da er keine Uhr hat, um sich mit seiner Arbeit nach der Zeit zu richten, einer Weihrauchstange, von welcher er genau weiß, wie lange sie brennt. Etwa fünf Minuten, ehe der Thee aus der Pfanne kam, streute der Oberaufseher mit einer kleinen Porzellanspatel eine Portion der färbenden Substanz über den Thee in der ersten Pfanne; so verfuhr er auch mit den übrigen und die Arbeiter rührten den Thee mit den Händen rasch um, um die Farbe recht zu verbreiten.

Von der Farbesubstanz kommen auf 14 1/2 Pfd. Thee mehr als 1 Unze. Es ist kaum zu zweifeln, daß auch oft Berlinerblau statt Indigo angewandt wird. Fünf Minuten, nachdem die Farbsubstanz in die Pfanne gebracht wurde, ist der Zweck schon erreicht. Vor dem Herausnehmen des Thees legte der Oberaufseher eine Handvoll desselben aus jeder Pfanne auf eine Platte und untersuchte am Fenster, ob die Farbe eine gleichmäßige sey; bisweilen weichen die Proben etwas von einander ab, wo dann noch etwas Farbe zugesetzt und der Thee etwas länger in der Pfanne gehalten werden muß.

Ich konnte mich, sagt der Berichterstatter, des Gedankens nicht entschlagen, daß der Geschmack derjenigen, welche diese gefärbten Theesorten den natürlich grünen vorziehen, wenn sie dieser Operation, von welcher die Hände der Arbeiter ganz blau gefärbt wurden, zugesehen hätten, ein besserer geworden wäre. Die Chinesen haben keinen andern Grund den Thee zu färben, als daß das Vorurtheil der westlichen Völker ihn so will. (Edinburgh new philosophical Journal, Juli–October 1849.)

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