Titel: Ueber mit Kupfervitriollösung imprägnirte Eisenbahnschwellen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 115/Miszelle 1 (S. 152–153)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj115/mi115mi02_1

Ueber mit Kupfervitriollösung imprägnirte Eisenbahnschwellen.

Am 4. Mai 1849 wurden durch den technischen Dirigenten der Berlin-Hamburger Eisenbahn, Hrn. Baurath Neuhaus, den Ingenieur der Berlin-Stettiner Eisenbahn, Hrn. Busse, und den Bauinspector Hoffmann die in der Nähe der Station Neustadt auf der Berlin-Stettiner Bahn befindlichen kiefernen, mit einer Auflösung von schwefelsaurem Kupferoxyd (Kupfervitriol) präparirten Eisenbahnschwellen untersucht. Diese Schwellen befinden sich auf der Strecke der Stettiner Bahn von Station 6,85 bis Station 6,97; sie liegen daselbst im Abtrage und im Auftrage auf der mit Kies hergestellten Bettung in einem feinen Sande, und sind im Jahre 1841 bis 1842 verlegt worden. Die breitbasigen Schienen sind auf den Zwischenschwellen mit je 2 Haknägeln, auf den Stoßschwellen gegenwärtig mittelst Krempplatten mit je 4 Haknägeln befestigt. Bei den durchgängig ziemlich vollkantigen Schwellen sind für das Auflager der Schienen keine tiefern Einschnitte, sondern nur geringe Abarbeitungen in den Schwellen vorhanden. Die Zubereitung der präparirten Schwellen ist ohne wettere Hülfsmittel für das Eindringen der Imprägnirungssubstanz einfach dadurch bewirkt worden, daß die Schwellen einige Tage hindurch in eine Auflösung von Kupfervitriol gelegt waren. Diese imprägnirten Schwellen sind in Vermischung mit andern nicht präparirten kiesernen Schwellen, wie sie bei der Verlegung gerade vorhanden waren, verwendet, wobei namentlich fast die sämmtlichen Stoßschwellen aus nicht präparirtem Holze bestanden. Die Wirkung der Imprägnirung zeigte sich von vornherein sehr deutlich dadurch, daß fast die sämmtlichen nicht präparirten Stoßschwellen bereits wegen Fäulniß ausgeworfen und durch eichene Stoßschwellen ersetzt waren. Nur einzelne wenige kieferne Stoßschwellen, welche aus vorzugsweise von Harz gesättigtem Holze bestanden, waren noch vorhanden, doch zeigten auch diese mehrfach den Beginn der Fäulniß an den äußeren Theilen. Ebenso waren die nicht präparirten kiesernen Zwischen schwellen theils bereits ausgeworfen und durch eichene ersetzt, theils waren sie schon umgekehrt (mit der ursprünglichen Lagerfläche nach oben gewendet) und zeigten so starke Fäulniß, daß ihre Auswechselung binnen kurzem wird erfolgen müssen. Dagegen erschienen die imprägnirten Schwellen durchgängig wohl erhalten und zeigten im Wesentlichen keinen Beginn von Zerstörung. Bei näherer Untersuchung durch Anhauen der Schwellen fand sich bei den imprägnirten Hölzern auch der Splint und die Kanten noch vollkommen fest und gesund, so daß deren fernere Brauchbarkeit für mehrere Jahre hinaus nicht zweifelhaft erschien, während selbst die einzelnen besser erhaltenen, nicht imprägnirten kiefernen Schwellen in den nicht ganz harzigen Stellen sich angegangen und von baldiger Zerstörung bedroht zeigten. Mitgebrachte abgehauene Stücke beider Art lassen dieß deutlich erkennen.

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Der vortheilhafte Erfolg der Imprägnirung stellte sich hiernach bereits unzweifelhaft heraus, und es blieb vorbehalten, durch weitere Untersuchung der präparirten Schwellen in einigen Jahren über die wirkliche Dauer derselben eine nähere Erfahrung festzustellen. (Notizblatt des Architekten-Vereins zu Berlin, Nr. 7, S. 76.)

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