Titel: Ueber den Werth des geflößten und ungeflößten Holzes als Brennstoff.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 115/Miszelle 3 (S. 155–157)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj115/mi115mi02_3

Ueber den Werth des geflößten und ungeflößten Holzes als Brennstoff.

Es gibt wohl wenig für die Hauswirthschaft und die Gewerbe so bedeutende Gegenstände, über die ganz unrichtige Ansichten so allgemein verbreitet wären, als über die Wirksamkeit des geflößten und ungeflößten Holzes als Brennstoff. Theilweise mag es daher kommen, daß ein nicht unbedeutender Unterschied unter Holz derselben Gattung nach der Verschiedenheit des Standorts und des Bodens, worin es erwachsen, nach seinem Alter und der Behandlung bei und nach der Fällung etc. stattfindet, weßwegen bei der Wahrnehmung verschiedener Wirkungen des geflößten und ungeflößten Holzes nicht sogleich gesagt werden kann, was hievon auf Rechnung des Flößens oder anderer Verhältnisse zu setzen sey. Im gewöhnlichen Verkehr stellte sich in Stuttgart bisher der Preis des geflößten Buchenholzes etwa 14–17 Proc. niedriger als der des ungeflößten. Es gibt jedoch Ansichten, nach welchen das Floßholz einen um 25 Proc. geringeren Werth haben sollte.

Für den Einsender dieß war es längst eine Aufgabe, das richtige Verhältniß des Werths beider Holzsorten etwas genauer auszumitteln, weßwegen er schon im Jahr 1838 Versuche (unter Controle des Hrn. Bergraths Degen) in der polytechnischen Schule in Stuttgart vornahm. Dabei ging er von der Ansicht aus, daß Ergebnisse, welche auf die chemische Zerlegung des Holzes in seine Bestandtheile und deren Wirkung bei dem Verbrennen gegründet wären, oder überhaupt bei einer von dem gewöhnlichen Feuerungsverfahren abweichenden Behandlung erhalten würden, das Publicum nicht zu überzeugen vermöchten. Daher wurde ein Verfahren gewählt, das sich aus Gewöhnliche so nahe als möglich anschließt und doch die für den beabsichtigten Zweck hinlängliche Sicherheil gewährt. Es wurde nämlich ein auf die gewöhnliche Weise eingemauerter und mit Rost versehener Destillirapparat angewendet, um zu ermitteln, wie viel Wasser mit einem bestimmten Gewicht der einen oder anderen Holzsorte unter ganz gleichem Verfahren verdampft oder übergetrieben werden könne. Gegen den Schluß, daß die Wirkung des Brennstoffs dem Gewicht des Destillats proportional sey, wird, gleichförmige Behandlung vorausgesetzt, wenig einzuwenden seyn. Der mit Wasser gefüllte Apparat wurde langsam so weit angeheizt, bis die Destillation in vollem Gange war. Der Grad der Erhitzung des Apparats wurde nun durch Zählung der in gewisser Zeit übergehenden Tropfen ermittelt, sodann das übergegangene Wasser weggegossen und nunmehr mit dem gewogenen klein gespaltenen Holz die Destillation betrieben. Es war nöthig, daß die Erhitzung des Apparats bei der Beendigung des Versuchs auf dieselbe Temperatur zurückgebracht wurde, mit der er begonnen hatte, was sich durch Zählung der übergehenden Tropfen leicht bewirken ließ. Sofort wurde das Gewicht des verwendeten Holzes und des übergegangenen Wassers erhoben. Hiebei ist zu bemerken, daß zu den Versuchen kein künstlich getrocknetes, sondern nur solches Holz verwendet wurde, das sehr lang in freier Luft ganz trocken gestanden hatte. Die Ergebnisse der einzelnen Versuche sind in folgende Uebersicht gebracht:

|156|

Holzgattung.

Gewicht

Gewicht des
Auf 1 Pfd. Holz
kommt Wasser.

v. 1 Kubikf.

specifisches.
angewendeten
Holzes.
übergegangenen
Wassers.
1) Ungeflößtes Buchenholz von
Schorndorf, ganz gesund

31,8–32,2

0,636–0,644

12 Pfd.

23 Pfd. 7 1/2 L.

1,936 Pfd.
2) Deßgleichen 31,4 0,628 4 „ 7 „ 28 „ 1,945 „
3) Dßgl. etwas stockicht, knallte
beim Verbren.

39,1

0,782

12 „

21 „ 9 1/2 „

1,775 „
4) Deßgl. Wie das
vorhergegangene

39,1

0,782

5 „

9 „ 14 1/4 „

1,889 „
5) Buchen Floßholz von der Enz 31,4–35,2 0,628–0,704 12 „ 22 „ 27 3/4 „ 1,904 „
6) Buchen Floßholz, etwas
angeloffen

31,8–32,2

0,636–0,644

12 „

19 „ 17 1/2 „

1,628 „
7) Buchen Floßholz 31,4–35,2 0,628–0,704 6 „ 12 „ 4 „ 2,021 „
8) Buchen Floßholz 31,8–32,2 0,636–0,644 6 „ 11 „ 20 „ 1,941 „
9) Tannen Floßholz 19,2 0,384 12 „ 21 „ 22 „ 1,807 „
Mittel bei dem Buchenholz 32,98 0,670 1,880 „

Hienach ist das Mittel aus dem in den vorstehenden 8 Fällen mit 1 Pfd. Holz verdampften Wassers 1,88 Pfd., das aus 4 Fällen gezogene Mittel des mit 1 Pfd. Achsholz verdampften Wassers aber ist 1,886 Pfd und des mit Floßholz verdampften Wassers 1,873 Pfd. Dieser geringe Unterschied ist bei der allgemein verbreiteten Ansicht höchst unerwartet und so gering, daß er zwischen Achsholz und Floßholz nicht 1/10, Proc. beträgt. Es geht gleichfalls aus diesen Versuchen hervor, daß das angewendete Holz immer nahezu im Verhältniß seines Gewichts gewirkt hat. Selbst das Tannenholz macht hievon keine Ausnahme. Mit 1 Pfd. Tannen Floßholz von der Rems wurden 1,958 Pfd. Wasser, also 85/1000 mehr als bei dem Buchen-Floßholz, und 72/100, mehr als bei dem Achsholz übergetrieben. Nur dasjenige Holz blieb in seiner Wirkung zurück, das schon etwas verdorben war, wie die Fälle 3 und 6 beweisen, das Holz mochte geflößt oder nicht geflößt seyn. Ueberhaupt aber scheint es nach Vorstehendem keinem Zweifel zu unterliegen, daß sich der Werth des Holzes als Brennmaterials für den bürgerlichen Verkehr (bei gleicher Trockenheit) mit genügender Genauigkeit verhalte, wie das Gewicht.

Hienach rührte auch die geringere, vielleicht hie und da wahrgenommene Wirksamkeit des Floßholzes nicht davon her, daß es geflößt, sondern daß es unrichtig behandelt und dem Verderben vor und nach dem Floß ausgesetzt worden war. Auch das etwas angegangene Achsholz Nr. 3 blieb in seiner Wirksamkeit zurück. In der Güte des Floßholzes liegt mithin kein Grund, wie sich ein geistreicher Mann ausgedrückt hat, „von der guten Eigenschaft des Holzes, zu schwimmen und ohne Vorspann auf seine bestimmte Stelle zu kommen, keinen Gebrauch zu machen“, aber eine für die Forstverwaltung hohe Aufforderung, dafür zu sorgen, daß das Floßholz nach seiner Fällung luftig aufgestellt werde, um schnell trocknen zu können, daß es bald geflößt und in den Holzgärten nicht zu hoch und zu eng aufgestellt und nicht wegen ihrer Ueberfüllung viele Jahre dicht ineinander gekeilt hingehalten werde. Der Einsender ist übrigens weit entfernt, seine Versuche für vollkommen genau zu erklären. Er hat sie mit Holz an der Luft getrocknet angestellt, weil solches Holz gewöhnlich gebraucht wird. Er weiß es wohl, daß das von ihm angewendete Holz im Zimmer aufbewahrt an seinem Gewicht, aber auch an seinem Volumen noch etwas verloren hätte. Die Wichtigkeit des Gegenstandes hat übrigens zur Anordnung genauerer Versuche Veranlassung gegeben, deren Ergebniß wahrscheinlich veröffentlicht werden wird. |157| Auch diese Versuche sollen dem Vernehmen nach ein dem Vorstehenden nahekommendes Ergebniß gewähren.

Es würde sich hienach Holz gleicher Trockenheit und von gleichem Volumen in seiner Wirkung nahezu verhalten, wie das specifische Gewicht oder das Gewicht der Klafter. Der Einsender erlaubt sich in dieser Beziehung einige weitere, neuere und ältere Erfahrungen über das Gewicht von lufttrockenem Holz beizufügen.

Holzgattung. Auf 1 Zoll
Jahresringe.
Gewicht
des Kubikf.
Spec. Gew.
Pfunde.
1) Buchenholz vom Remsfloß 40 38,5 0,770
2) Deßgleichen 13 33,87 0,677
3) Buchenholz, nicht geflößt, weißfaul v. Schwarzwald 14,9 0,292
4) Tannenholz vom Remsfloß 14 22,68 0,453
5) Fichten Floßholz vom Altdorfer Wald 5 1/2 18,4 0,368
6) Deßgleichen 18,7 0,374
7) Fichtenholz, ungeflößt, ebendaher 11 19,7 0,394
8) Deßgleichen 10 20,58 0,412
9) Forchenholz, ungeflößt, vom Altdorfer Wald 8 21,80 0,436
10) Deßgleichen 7 1/2 22,61 0,452

Diese Zahlen beweisen abermals bei dem Fichtenholz den geringen Unterschied zwischen geflößtem und ungeflößtem Holz. Das Floßholz 5 und 6 würde dem ungeflößten 7 und 8 wohl gleich stehen, wenn es nicht so gar grobjährig wäre. Sie zeigen ferner bei 3, wie schlecht durch die Fäulniß auch ungeflößtes Buchenholz werden kann und von welcher Wichtigkeit es ist, das Verderben des Holzes auch in seinen leichteren Anfängen zu verhindern.

Der Einsender fügt diesem nur noch bei, daß auch frühere Wägungen ganzer Klafter in den Holzgärten von den oben gegebenen Resultaten nicht abweichen. Er hatte immer gehofft, diese Erfahrungen weiter ausdehnen und vollständiger machen zu können, zweifelt aber nicht, daß auch das minder Vollkommene für Manchen Interesse haben dürfte und mit Nachsicht werde aufgenommen werden.

Oberfinanzrath Nördlinger.

(Riecke's Wochenblatt 1850, Nr. 2.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: