Titel: Ueber die Entdeckung eines gelben Farbstoffs in dem Buchweizenstroh, als Surrogat für Quercitron in der Baumwollfärberei. Von C. Nachtigal.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 115/Miszelle 4 (S. 157–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj115/mi115mi02_4

Ueber die Entdeckung eines gelben Farbstoffs in dem Buchweizenstroh, als Surrogat für Quercitron in der Baumwollfärberei. Von C. Nachtigal.

Das Buchweizenstroh enthält nach vorgenommener Prüfung ungefähr den fünften Theil gelben Farbstoff von dem eines gleichen Gewichts Quercitron, deßgleichen Gerbstoff und noch einen bräunlichen Extractivstoff, welcher, wenn er nicht abgeschieden wird, der Klarheit der Farbe Eintrag thut. Demnach steht es dem Wau bedeutend nach; da jedoch letzterer keine Körnerfrucht trägt, und nur wegen seines Farbstoffgehalts eigens angebaut wird, das Buchweizenstroh jedoch ein ohne besondere Mühwaltung gewonnenes Nebenproduct ist, welches bis jetzt geringeren Werth als Heu zum Füttern hat, so ist es wohl zur Benutzung als Farbmaterial empfehlenswerth, namentlich für diejenigen Gegenden, wohin nur Landtransport besteht, deßhalb hat die Entdeckung dieses Farbmaterials für die Landwirthschaft eben so viel Werth als für du Färberei.

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Nach den damit angestellten Versuchen eignet sich dasselbe nur für die Baumwollenfärberei, und ist zur Ausfärbung von mit essigsaurer Thonerde imprägnirten Kattunen, welche gut gereinigt sind, am anwendbarsten. Kann man die Kosten daran wenden, sowohl den beigemischten braunen Farbstoff, als den Gerbstoff durch Zusatz von Leim abzuscheiden, so erhält man ein recht klares Gelb. Obgleich das große Volumen, welches das Buchweizenstroh einnimmt, und die große zum Abkochen erforderliche Menge Wassers, wozu natürlich eben so viel des theuern Brennmaterials verbraucht wird, den Werth des Materials verringert, so hat es doch in Ansehung seines heimathlichen Ursprungs gegen ausländisches Material den Vorzug, daß sein Preis nicht den Conjuncturen überseeischer Producte, zumal in Kriegszeiten, ausgesetzt ist.

Hr. Stephan in Berlin hat in seiner Fabrik 60 Stück Kattune mit diesem Farbstoffe ausgefärbt, und hat sich derselbe zu diesem Zweck und zur Herstellung gemischter Farben, als grün, olive, modebraun u.s.w. bewährt. (Verhandl. des Vereins zur Beförd. des Gewerbfl. in Preußen, 1849, S. 123.)

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