Titel: Schloß, welches mit keinem Haken zu öffnen ist; von Mars in Paris.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 115/Miszelle 1 (S. 231–232)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj115/mi115mi03_1

Schloß, welches mit keinem Haken zu öffnen ist; von Mars in Paris.

Mars in Paris, rue Grange-aux-Belles 7 bis, hatte auf die letzte Industrie-Ausstellung ein Schloß geliefert, welches mit keinem Haken zu öffnen seyn soll. Es war wegen seiner Einfachheit ausgezeichnet und jedenfalls nicht leicht zu öffnen. Bei allen Riegelschlössern legt sich gewöhnlich die tourhaltende Feder, das heißt die Feder, welche nicht gestattet daß der Riegel verschoben werden kann, bevor sie gehoben ist, von oben in den Einschnitt des Riegels, auf seiner obern Kante; es kann dieselbe daher beträchtlich höher gehoben werden, als erforderlich ist um den Riegel zu schieben. Mars hat nun in der Beschränkung dieser Willkür die größere Sicherheit zu erzielen gestrebt, und dieß dadurch erreicht, daß er in der Mitte des Riegels einen Schlitz in der Längenrichtung anbrachte, in welchem eine am Ende der Feder befindliche Warze ziemlich passend gleiten kann, wenn der Riegel geschoben wird. Damit nun der Riegel, wenn er vorgeschoben ist, in dieser Lage erhalten wird, ist ein senkrechter Einschnitt vom Schlitz aus nach unten in den Riegel eingefeilt, in welchen sich die Warze am Ende der Feder einlegt, und so das Zurückschieben verhindert. Senkrecht über diesem Einschnitt ist ein ähnlicher Einschnitt nach oben in den Riegel eingefeilt, so daß die Warze, wenn sie gehoben wird, auch in jenen eintreten |232| kann. Am beweglichen Ende der Feder, wo sich die Warze befindet, ist nun, wie gewöhnlich bei den französischen Schlössern, ein Stück Messing angenietet, auf welches der Schlüsselbart wirken kann, um die Feder in die Höhe und die Warze aus dem Einschnitte zu heben, damit der Riegel durch den Schlüsselbart gleichzeitig zurückgeschoben werden kann. Hiernach wird man einsehen, daß wenn die Feder nicht hoch genug gehoben wird, der Riegel nicht verschoben werden kann; wird sie aber nur um das Geringste zu hoch gehoben, so ist es eben so wenig möglich, und nur bei ganz richtiger Höhe des Schlüsselbartes kann das Verschieben bewerkstelligt werden. Bei einem etwas längeren Schlüsselloch und beliebiger Besatzung, die nur das leichte Einführen von Instrumenten einigermaßen erschwert, dürfte in der That das Schloß mit einem Haken gar nicht leicht zu öffnen seyn; vollends unmöglich aber wäre es, wenn man zwei Federn mit Warzen und verschiedenen langen Messingstücken, denen Einschnitte im Schlüsselbarte entsprechen, anwendete. (Aus dem „Bericht über die Gewerbe-Ausstellung zu Paris; dem Reichsministerium des Handels erstattet von J. P. Wagner. Frankfurt a. M. 1849.“)

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