Titel: Sehr stark wirkende, möglichst einfache elektrische Zellen; von Dr. H. Reinsch.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 115/Miszelle 5 (S. 233–234)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj115/mi115mi03_5

Sehr stark wirkende, möglichst einfache elektrische Zellen; von Dr. H. Reinsch.

Bisher bediente man sich bekanntlich zur Bildung der Batterie des Platins und des Zinks, mit Salpetersäure in der Platinzelle und Schwefelsäure in der Zinkzelle. So kräftig die elektrische Wirkung dieser Verbindung ist, so findet dabei ein großer Uebelstand statt; nach 5- bis 8stündiger Wirkung überdeckt sich das Zink mit einer Schichte feiner Krystalle aus schwefelsaurem Zink, wodurch die elektrische Strömung unterbrochen und die Wirkung aufgehoben wird. Zum Vergolden etc. eignen sich deßhalb solche Apparate nicht gut, auch sind sie kostspielig. Weit bessere Dienste leisten in dieser Beziehung die Kohlencylinder, allein sie sind ziemlich theuer und sehr zerbrechlich, man braucht dazu viel Salpetersäure. Anstatt der Kohlencylinder kann mit gleich gutem Erfolge das gröbliche Kohkspulver angewendet werden. Es ist dabei ganz unnöthig, große Zellen anzuwenden; kleine Zellen nehmen wenig Raum ein, man braucht wenig Salpetersäure und ihre Wirkung steht großen Zellen wenig nach. Ueberhaupt ist über dieses Verhältniß noch wenig Genügendes beobachtet worden, man rechnet immer auf die Fläche des erregenden Metalls, allein es möchten wohl noch andere Bedingungen dabei in Betracht kommen.

Die Vorrichtung ist nun folgende:

In eine gewöhnliche Thonzelle, welche 2–3 Loth Wasser faßt, wird ein Stückchen Kohks gebracht. In dieses wird zuvor mittelst eines Korkbohrers ein 1/2 Zoll großes Loch gebohrt. Um das Kohksstück wird gröbliches, von feinerm Staub durch Sieben befreites Kohkspulver gebracht und dasselbe mit gewöhnlichem Scheidewasser angefeuchtet, wozu etwa 3 Loth nothwendig sind. Hierauf wird in die Oeffnung des Kohksstückchens ein blank gefeiltes Stäbchen Eisen, jedoch möglichst fest hineingedrückt, |234| und dasselbe mit einem Kupferdraht oben fest umwunden, welcher an der andern Seite mit einem Oehr versehen ist. An den Zinkcylinder, welcher aus gewöhnlichem und amalgamirtem Zinkblech besteht, wird ein Kupferdorn gelöthet, auf welchem das Kupferöhr der nächsten Kohkszelle aufgedrückt wird. Drei solcher Zellen sind hinreichend, um einen Strom hervorzubringen, wodurch das Wasser so kräftig zersetzt wird, daß an beiden Poldrähten ein scheinbares Aufkochen von Gasblasen stattfindet. Zwei solcher Zellen sind zur Vergoldung und Versilberung hinlänglich.

Sobald man die Wirkung nicht mehr nöthig hat, hebt man die mit Kohkspulver gefüllten Zellen aus der Salzlösung und setzt sie in ein trockenes Glas mit abgeschliffenem Rande welches man mit einer Glasplatte bedeckt. Solche Zellen können während acht Tagen in unausgesetzter Thätigkeit bleiben bei ziemlich gleichbleibender Starke. Ist die Wirkung der Salpetersäure endlich erschöpft, so wäscht man das Kohkspulver und das Kohksstückchen mit Wasser aus, trocknet solches und kann dasselbe auf diese Weise jahrelang gebrauchen, da es von der Salpetersäure nicht angegriffen wird. Kupfer, sowohl in vergoldetem als verplatinirtem Zustande, ist zur Verbindung nicht geeignet, weil solches bald zerfressen wird. Eisen wird kaum angegriffen, nur muß man die Vorsicht gebrauchen die Kohlenzelle sogleich mit der Zinkzelle zu verbinden und beim Auseinandernehmen des Apparates das Eisenstäbchen sogleich abzuwaschen und abzutrocknen. Solche Stäbchen können mehrere Monate im Gebrauch stehen, ohne daß eine merkliche Abnutzung zu bemerken wäre. Solche Zellen finden auch Anwendung bei dem vereinfachten elektro-magnetischen Apparate.

Die Billigkeit und Bequemlichkeit, welche die Zellen bei elektrischen Versuchen darbieten, werden Manchem die Gelegenheit an die Hand geben, sich mit diesem interessanten Theil der Naturwissenschaften zu beschäftigen, und dürfte vielleicht in der Folge zur Lösung des großen Problems der Anwendung der Elektricität als bewegende Kraft für Maschinen Veranlassung geben. (Buchner's Repert. der Pharm.)

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