Titel: Neuer Leucht-Spiritus.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 115/Miszelle 7 (S. 236–237)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj115/mi115mi03_7

Neuer Leucht-Spiritus.

Seit einiger Zeit wird eine Vorschrift zur Bereitung eines Spiritus für Beleuchtung in Umlauf gesetzt, und dafür eine nicht unbeträchtliche Vergütung gefordert.

Wir haben ein solches Recept erhalten, welches Jemanden gegen Erlag von drei Kronenthaler aufgedrungen wurde. Demselben war noch ein Quart des Brennspiritus beigegeben, den wir bei dieser Gelegenheit auch prüfen konnten. Die Vorschrift lautet wörtlich:

25 Pfd. ungelöschten Kalk und
90 Maaß Fusel, zusammengelöscht in einem Faß; sodann läßt man es
3 bis 4 Wochen stehen. Nachher nimmt man
3 Pfd. Terpenthinöl,
3 Pfd. dicken Terpenthin,
3 Maaß Weingeist und
4 Unzen Schwefeläther und gießt Alles zusammen in das Faß.

Der Spund des Fasses muß offen bleiben.

Diese Angaben sind unpassend und unvollständig! 1) Es ist nicht angegeben, wie stark der sogenannte Fusel, worunter wahrscheinlich gemeiner Branntwein verstanden ist, seyn soll; 2) läßt sich nicht absehen, warum der über Kalk gegossene Branntwein 3–4 Wochen stehen soll, da damit nur beabsichtiget werden soll, denselben zu entwässern; 3) ist die Menge des Terpenthinöls und Terpenthins im Verhältniß zum Weingeiste und Schwefeläther so groß, daß sich dieselbe unmöglich auflösen kann; 4) läßt sich nicht absehen, warum der Spund des Fasses offen bleiben muß, da sonst geistige Flüssigkeiten zur Verhütung des Verdunstens wohl verstopft werden, um so mehr als das Geistig-Flüchtige hier auch das Entzündliche und Brennbare ist.

Dieser Brennspiritus soll außer seiner Leuchtkraft besonders luftreinigend seyn. und ist daher auch zu Nachtlichten empfohlen worden, und soll an Wohlfeilheit alle Beleuchtungsmaterialien, selbst das Leuchtgas, übertreffen.

Wir haben denselben geprüft. Er hat eine Stärke von 46 1/2° nach Baumé (0,8007 spec. Gewicht), und ist sohin kaum aus dem obengenannten Fusel entstanden; er ist wasserhell, riecht nach Terpenthin. Beim Anzünden brennt er zwar hell, |237| aber mit gelblicher Flamme, welche nicht hoch gestellt werden darf, wenn sie nicht viel Rauch und Ruß verbreiten soll. Er verbreitet beim Brennen einen starken Geruch nach Terpenthin, und ist sohin keineswegs luftreinigend. – Was endlich die Kosten anbelangt, so können dieselben bei den bekannten Materialien von Jedem leicht zusammengestellt werden, und es wird sich dann bald ergeben, daß dieser Brennspiritus nicht der wohlfeilste ist, und wir warnen daher vor dem Ankauf solch theurer Recepte. (Bayer. Gewerbfr. 1849, Nr. 50.)

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