Titel: Gutachten des Oberbaurathes Lerch, des Ingenieurs Wernher und des Architekten Fink, über zwei von dem Schlossermeister J. Hauff jun. erfundene Vorrichtungen zum Selbstzugehen der Thüren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 115/Miszelle 1 (S. 313–314)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj115/mi115mi04_1

Gutachten des Oberbaurathes Lerch, des Ingenieurs Wernher und des Architekten Fink, über zwei von dem Schlossermeister J. Hauff jun. erfundene Vorrichtungen zum Selbstzugehen der Thüren.

Die bis jetzt angewendeten Vorrichtungen zum Selbstzugehen der Thüren bestehen bekanntlich theils in Gewichten, welche über Rollen laufen und die Thüren zuziehen, theils in Federn, welche neben den Thürverkleidungen angebracht sind und die Thüren zudrücken, wenn sie geöffnet worden; theils (wie neuere Vorrichtungen) in Kautschukbändern oder Federn, welche in Hülsen, denen der Perspective ähnlich, befestigt sind, wobei die eine Hülse an die Thür, die andere an das Thürfutter geschraubt wird und welche die Thüren ebenfalls beiziehen, wenn dieselben aus dem geschlossenen Zustand gebracht werden.

Die erste von Hauff erfundene Vorrichtung unterscheidet sich wesentlich von den seitdem angewendeten; sie ist durchaus neu, dabei äußerst sinnreich und einfach. Die Wirkung dieser Vorrichtung besteht darin, daß die Thür durch das Aufmachen in ihren Bändern (etwa 1/2 bis 3/4 Zoll) gehoben wird und durch ihr eigenes Gewicht den Rückgang bewirkt. Hr. Hauff wendet, um die Thür zu heben, einen einfachen Eisenstab von 15–25 Zoll Länge an, welcher der Art in eine an den Fußboden und an die Thür geschraubte eiserne Pfanne eingesetzt wird, daß er bei geschlossener Thür eine geneigte Lage gegen letztere hat. Wird die Thür geöffnet, so nimmt der Eisenstab eine mehr senkrechte Stellung an und hebt hierdurch die Thür. Läßt man die Thür los, so sucht dieselbe wieder ihren Ruhepunkt auf den Banddornen und fällt, von dem Eisenstab geleitet, zu.

Die zweite von Hrn. Hauff angewendete Vorrichtung soll früher schon an anderen Orten gebraucht worden seyn; dieselbe besteht darin, daß zwei (etwa 12 Zoll lange) Hebelarme, von welchen der eine seinen Stütz- und Drehpunkt an der Thür, der andere an der Wand hat, durch ein Scharnier mit einander verbunden und an dieser Stelle mittelst eines Gewichts belastet sind. Wird die Thür aufgemacht, so nähern sich die Drehpunkte der Hebelarme, wodurch sich letztere gerader aufstellen und das Gewicht heben. Wird die Thür in geöffnetem Zustande von der Hand nicht mehr gehalten, so zieht das Gewicht die Hebelarme wieder nieder, entfernt hiermit deren Drehpunkte und drückt die Thür zu.

Ein Vergleich aller bis jetzt bekannter Vorrichtungen zum Thürzumachen muß die erste von Hrn. Hauff erfundene Vorrichtung als die sinnreichste, einfachste und wohlfeilste erkennen lassen. Uns scheint diese erste Vorrichtung des Hrn. Hauff zum Selbstzumachen der Thüren folgende Vortheile vor den übrigen zu bieten:

1) Das Oeffnen der Thüren geschieht ohne merkliche Widerstandsvermehrung. Bei den Gewichtszügen, Federn etc. ist dieß nicht der Fall, es müssen hier die Gewichte |314| oft so schwer oder die Federn so stark gemacht werden (wenn sie ihren Dienst thun sollen), daß durch das Anbringen dieser Vorrichtungen der Widerstand, welchen das Oeffnen der Thür bietet, sehr fühlbar vermehrt wird.

2) Das Bestreben der Thür, in geöffneter Lage zuzufallen, ist nahe dem Verschluß größer als bei weiter Oeffnung, daher diese Vorrichtung auch dann noch ihren Zweck erfüllt, wenn die Thür nur sehr wenig (einige Zoll nur) geöffnet wurde. Bei den anderen, namentlich den Hebel- und Federvorrichtungen, ist dieß gerade umgekehrt der Fall; diese äußern nämlich da am meisten Kraft, wo dieselbe am wenigsten erforderlich ist.

3) Die Vorrichtung ist überall anwendbar und versperrt keinen Platz, was von den Feder- und Hebelvorrichtungen nicht gesagt werden kann, da diese immer, wenn sie wirksam seyn sollen, hinter der Thür noch einigen Raum erfordern.

4) Die Thürbänder werden sehr geschont, denn sie tragen die Thür nicht mehr, sie führen sie nur.

5) Da die Thüren während des Aufgehens in ihren Bändern gehoben werden, so gleiten sie über Fußteppiche, Unebenheiten des Fußbodens etc. weg und schließen dennoch vollkommen.

6) Durch das Anbringen dieser Vorrichtung wird mancherlei Mißständen zugleich abgeholfen, so z.B. wenn die Thür sich in dem Band gesetzt hat, wenn eine Senkung des Fußbodens, der Thürwand etc. stattgefunden hat und die Thür nun beim Aufmachen den Fußboden streicht oder gar das Bestreben hat, umzuschlagen.

7) Es ist die billigste Vorrichtung, denn sie kostet lackirt nur 1 Fl. 12 Kr.

Die zweite von Hrn. Hauff gefertigte Vorrichtung für das Thürzumachen (die Hebelvorrichtung mit Gewicht) bietet dieselben Vortheile und dieselben Nachtheile, wie die älteren bekannten Einrichtungen. Sie erfüllt ihren Zweck, wenn man sie so anschlagen kann, daß der Drehpunkt an der Wand 7–8 Zoll von der Thür entfernt bleibt. Hr. Hauff fertigt auch diese Vorrichtung, welche freilich theurer kommt als die erste, in mehr und weniger eleganter Form an.

Beide Vorrichtungen sind bei Hrn. Hauff stets im Vorrath vorhanden.

Wir wünschen nach vorstehenden Gründen insbesondere der ersten Hauff'schen Vorrichtung die allgemeinste Verbreitung, welche ihre Zweckmäßigkeit verdient. (Gewerbeblatt f. das Großh. Hessen, 1849, Nr. 42.)

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