Titel: Vorrichtungen um Thüren zu schließen, welche nach innen und außen sich öffnen und mittelst Federn stets nach der Mitte zurückgebracht werden; von Peudenier in Paris.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 115/Miszelle 2 (S. 314–315)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj115/mi115mi04_2

Vorrichtungen um Thüren zu schließen, welche nach innen und außen sich öffnen und mittelst Federn stets nach der Mitte zurückgebracht werden; von Peudenier in Paris.

Solche Vorrichtungen – welche von Peudenier in Paris rue St. Honoré Nro. 365, für die letzte Industrie-Ausstellung geliefert wurden – haben bis jetzt weniger Eingang gefunden, als namentlich für die Thüren der Versammlungslocale zu wünschen wäre. Eine Hauptursache, welche davon abhielt, liegt in dem zu baldigen Erlahmen der Feder, wodurch nach längerem Gebrauche die Thüre nach mehrmaligem Hin- und Herschwanken sich nicht mehr in der Mitte einstellt und Spalten entstehen, durch welche Kälte und Zugluft eindringen. Diesem Uebelstande hat Renaud auf einfache Weise abgeholfen und zugleich auch das Hin- und Herschwanken beseitigt, so daß die Thüre niemals über die Mitte hinausgeht. In der Thüre befindet sich nämlich ein Einsteckschloß mit schließender Falle (das heißt der Riegel wird durch eine Feder stets herausgetrieben) und Drücker wie gewöhnlich außen und innen. Ist die Thüre geschlossen, so tritt der Schloßriegel in eine Vertiefung im Thürpfosten, und sie kann erst geöffnet werden, wenn man den Drücker niederdrückt, wodurch der Riegel zurückgezogen wird. Bei diesem Zurückziehen fällt jedoch eine Feder in einen ganz leichten Einschnitt im Riegel und gestattet ihm nicht vorzuspringen. Die Thüre kann sich jetzt nach der Mitte und über diese hinausbewegen ohne anzuschlagen und zu schließen. Um letzteres zu bewirken, ist im Schloß über oder unter dem Schloßriegel ein etwas vorspringender Stift in paralleler Richtung mit dem Riegel so angebracht, daß er mit seinem hinteren Ende die Feder berührt, welche den Riegel hemmt. Wenn er nun um so viel als er vorspringt zurückgeschoben |315| wird, so hebt er die Feder und macht den Riegel frei, so daß er vorspringen kann. Es bedarf also nur einer Vorrichtung, um den Stift zurückzudrücken, gerade wenn die Thüre in der Mitte angekommen ist und der Schloßriegel sich gegenüber der Vertiefung im Thürpfosten befindet. Diese Vorrichtung ist nun nichts weiter als ein im Thürpfosten eingeschlagener, etwas vorspringender dicker Stift, jenem im Schlosse gerade gegenüber. Der Stift im Schloß kann nicht am Stift im Thürpfosten vorüber, ohne zurückgedrückt zu werden, wobei er seinerseits die Feder hebt, welche den Schloßriegel hemmt. Dieser dadurch frei geworden, wird durch seine Feder schnell vor- und in die Vertiefung von Thürpfosten geschoben, wodurch der Schluß hergestellt ist. Anwendungen auf Doppelthüren waren nicht ausgestellt, indessen kann dieß in folgender Weise leicht bewerkstelligt werden. Man bringt das Einsteckschloß nicht vorn, sondern von oben herunter in der Thüre an und setzt es durch einen in der Thüre herabgehenden leichten Draht mit den Drückern in Verbindung, alles Uebrige bleibt dasselbe.

Aehnlich war der Verschluß von Doppelthüren für Bücherschränke und dergleichen. Die linke Flügelthüre eines Schranks hatte weder Riegel, noch Haken für Sperrfedern, sondern nur eine Vertiefung auf der Stirnfläche, von einem Eisenblech begränzt. Die rechte Flügelthüre hatte wie gewöhnlich eine Schlagleiste, und in ihrer Mitte war ein Einlaßschloß angebracht, dessen Riegel in die Vertiefung in der Stirnfläche der linken Flügelthüre eindringt, wenn zugeschlossen wird. Oben und unten auf der rechten Flügelthüre waren Einlaßschlösser mit schließender Falle angeschraubt, die mittelst Drähten mit dem mittleren Schloß in Verbindung standen, so daß wenn dieses aufgeschlossen wird, auch die Riegel der beiden Schlösser oben und unten zurückgezogen und durch eine einfallende Feder zurückgehalten werden. Wie bei dem oben beschriebenen Einsteckschloß war auch hier ein Stift zum Auslösen angebracht, jedoch nicht von der Stirnfläche herein, sondern von der Seite und diesem gegenüber in der Fuge ein Stift eingeschlagen, der nicht vorzuspringen braucht. Ist der Schrank geschlossen und man will ihn öffnen, so schließt man nur wie bei einem gewöhnlichen Schrank auf und sogleich öffnen sich beide Flügelthüren. Will man zuschließen, so drückt man zuerst die linke Thüre bei und hierauf die rechte, wobei die Stifte in beiden Schlössern unten und oben eingedrückt werden und dadurch die Riegel frei machen, die sofort vorspringen; hierauf schließt man noch den mittleren Schloßriegel vor, und Alles ist verschlossen.

Bei den in den Stubenthürbanden angebrachten Federn war die Einrichtung nicht zu erforschen, dagegen bei einem andern Aussteller eine höchst einfache Vorrichtung zum Schließen der Thüre ohne Federn noch sonstige bekannte Methoden zu sehen. Sie ist einfach folgende. Wenn die Thüre geschlossen ist, so wird auf derselben etwa zwei bis drei Zoll von den Banden nach der Mitte und 1 bis 1 1/2 Fuß von oben ein zureichend starker Draht mit dem einen Ende befestigt. Das andere Ende wird in senkrechter Richtung, der Draht recht straff angespannt, darüber im Thürgestell befestigt. Statt des Drahtes kann man auch ein leichtes Kettchen anwenden. Wird nun die Thüre geöffnet, so muß sie sich in den Angeln heben, weil der Draht eine schiefe Stellung erhält. Die Thür ist mithin am Draht aufgehangen und zwar außer senkrechter Richtung, wohin sie nun freigelassen durch ihr eigenes Gewicht zurückgetrieben wird, mithin also immer von selbst zugeht. (Aus dem „Bericht über die Gewerbe-Ausstellung zu Paris; dem Reichsministerium des Handels erstattet von J. P. Wagner. Frankfurt a. M. 1849.“)

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