Titel: Vorrichtung um den Stoßgang der einfach-wirkenden Saugpumpe zu verhindern; von J. P. Wagner in Frankfurt a. M.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 115/Miszelle 5 (S. 316–317)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj115/mi115mi04_5

Vorrichtung um den Stoßgang der einfach-wirkenden Saugpumpe zu verhindern; von J. P. Wagner in Frankfurt a. M.

Gewöhnlich werden die Pumpen eingetheilt in Saug- und Druckpumpen; häufig sind sie auch beides, und so dürften sie richtiger in Kolbenpumpen und Rotationspumpen zu scheiden seyn. Die Kolbenpumpen bedürfen stets der Ventile, die rotirenden nicht, und diesem nicht unwichtigen Umstande muß man es zuschreiben, daß immer neue Versuche zu vollkommenerer Herstellung der letztern gemacht werden. Die Kolbenpumpen sind entweder einstiefelig, einfach- oder doppeltwirkend, oder zweistiefelig. |317| In beiden letztern Fällen findet sowohl im Saugrohre wie im Steigrohre fortwährende Bewegung der Wassersäule und dadurch ein ruhiger Gang statt.

Dagegen findet bei der einfach-wirkenden, am meisten zur Anwendung kommenden Saug- oder Druckpumpe keine fortwährende Bewegung der Wassersäule im Saug- wie im Steigrohre statt. Bei der Bewegung des Kolbens aufwärts folgt das Wasser im Steigrohre nach, um den leeren Raum im Stiefel auszufüllen, hat aber der Kolben die höchste Stelle erreicht, so hält er plötzlich an und steigt alsdann herab.

Das Wasser im Steigrohre, wenn dasselbe lang ist, namentlich weit horizontal läuft, kann jedoch in seiner Bewegung nicht so plötzlich einhalten, sondern wird seinem Beharrungszustande folgend, gegen den plötzlich anhaltenden Kolben stoßen und eine mehr oder weniger große Erschütterung hervorbringen. Es ist mir bei einer Pumpe, welche durch eine Dampfmaschine bewegt wurde, vorgekommen, daß der Stoß so stark war, daß das ganze Gebäude davon erschüttert wurde und es nicht möglich war, Gebrauch davon zu machen. Ich sah mich daher aufgefordert, auf Abhülfe zu denken, welche um so schwieriger war, als die Ursache damals noch nicht einmal erkannt war. Da dieß anderwärts auch jetzt noch der Fall seyn dürfte, indem ich noch nirgends dessen erwähnt fand, so sehe ich mich aufgefordert, dieselbe zur allgemeinen Kenntniß zu bringen, indem überall, wo ich Gelegenheit hatte, sie anzuempfehlen, die Ausführung von dem guten Erfolg gerechtfertigt wurde.

Die Vorrichtung ist einfach folgende:

An dem Steigrohre, welches das Wasser in den Stiefel leitet, wird nahe unter demselben ein rundes Loch in dessen Seite ausgeschnitten von der Größe des inneren Durchmessers; auf dieses Loch wird ein gleich weites Rohr, welches in einen hohlen Cylinder von circa 4 Zoll Weite und der Höhe des Stiefels endet und verschlossen, dazu der engere Theil im rechten Winkel gebogen ist, luftdicht festgelöthet, so daß der weite Theil dicht neben dem Stiefel senkrecht zu stehen kommt. Wird bei dieser Vorrichtung die Pumpe in Thätigkeit gesetzt, so wird zunächst die Luft im Steigrohr und der Vorrichtung verdünnt und das Wasser dringt nach bis in den Stiefel; ist dieser voll und der Kolben bewegt sich rückwärts, so kann nichtsdestoweniger die Wassersäule ihre Bewegung fortsetzen, denn sie findet sich nicht durch eine starre Masse gehemmt, sondern sie hat bloß eine sehr verdünnte elastische Luft bei einer kurzen Seitenbewegung in einem etwas kleineren Raume zusammenzudrücken, und hiebei ist ein Stoßgang unmöglich und wäre die Wassersäule horizontal mehrere Stunden lang. Außerdem liefert die Pumpe auch weit mehr Wasser, weil der Stiefel durch die stetige Bewegung immer vollständig gefüllt wird. (A. a. O.)

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