Titel: Ueber die häufigste Ursache der Unglücksfälle durch Einathmung von Chloroform.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 115/Miszelle 7 (S. 319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj115/mi115mi04_7

Ueber die häufigste Ursache der Unglücksfälle durch Einathmung von Chloroform.

Es kömmt öfters vor, daß Individuen, wenn sie chloroformirt werden, aufschreien und heftige, schreckenerregende Bewegungen machen. Es ist dieß nicht dem Chloroform überhaupt zuzuschreiben, sondern seiner unzeitigen Anwendung. Abgesehen davon, daß ungeschicktes Vorhalten eines Tuches mit einigen Tropfen Chloroform vor Mund und Nase Asphyxie veranlassen kann; daß ferner schlechtes Chloroform, namentlich mit Aceton verunreinigtes, durch Geruch und reizende Einwirkung üble Zufälle bewirken kann; ist vorzüglich darauf zu achten, daß die Verflüchtigung desselben nicht durch zu hohe Temperatur des Mediums zu rasch und ohne Beimengung atmosphärischer Luft erfolge; ferner muß die Einathmung bei nüchternem Magen geschehen, weil sonst die durch sie verursachte Indigestion bedeutend und plötzlich tödtend seyn kann. Alle durch Chloroform erzeugten bösen Zufälle bieten die Symptome starker Indigestion, namentlich der sogenannten gastrischen Apoplexie dar. Je voller der Magen ist, desto größer ist dabei die Bewegung, desto länger tritt die Fühllosigkeit nicht ein, desto mehr glaubt man die Dosis wiederholen zu müssen, desto drohender ist die Gefahr. Der Hospital-Oberarzt Ancelon zu Dieuze, von welchem diese Bemerkungen herrühren, bedient sich zum Chloroformiren folgenden einfachen Verfahrens. Er rollt eine Serviette zu einer Düte, auf deren Boden er einen nicht zu großen, mit Chloroform befeuchteten Schwamm legt. Mit der Basis dieses leinenen Kegels bedeckt er Nase, Mund und Kinn; die Oeffnungen werden nicht so versperrt, daß nicht auch etwas atmosphärische Luft zutreten könnte; zwischen den Oeffnungen und dem Schwamm muß 1 bis 1 1/2 Zoll Raum seyn. Die Kleidung des Patienten muß weit seyn, damit die Brust sich frei bewegen kann. (Comptes rendus, Januar 1850, Nr. 1.)

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