Titel: Pneumatische Kolbenliederung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 115/Miszelle 1 (S. 393)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj115/mi115mi05_1

Pneumatische Kolbenliederung.

Im Practical Mechanic's Journal, Novemberheft 1849, schlägt ein Mechaniker eine neue Art von Kolbenliederung für Dampfmaschinen vor, welche die gute Eigenschaft haben soll, daß der Grad des Anschließens des Kolbens an die innere Cylinderfläche von der Dampfspannung in dem Cylinder abhängig ist, gerade so wie bei unseren Stulpenliederungen für Pumpen die Reibung des Kolbens und somit seine Dichtheit von der Höhe der zu hebenden Wassersäule abhängt.

Der projectirte, sehr einfache Kolben ist äußerlich einem gewöhnlichen Dampfkolben mit Metallliederung ganz ähnlich. Innen legt sich jedoch statt der bisherigen Federn ein Ring aus einem elastischen Stoffe, z.B. geschwefeltem Kautschuk, an die Liederungsringe an. Dieser Kautschukring ist mit seinem oberen und unteren Ende mit dem Boden und Deckel des Kolbens dicht verbunden, so daß der innere Kolbenraum eine nach den Seiten hin elastische und dampfdichte Kammer bildet. In dem Deckel und dem Boden des Kolbens befinden sich zwei Ventile, welche sich nach innen zu öffnen, und von denen das obere durch eine Feder etc. wenigstens so weit geschlossen erhalten werden muß, daß es sich durch sein eigenes Gewicht nicht öffnet. Tritt der Dampf von der untern Seite in den Cylinder, so öffnet sich das untere Kolbenventil so lange, bis der Dampf im Kolben dieselbe Spannung wie im Cylinder hat, worauf sich das Ventil schließt. Drückt nun der Dampf beim Kolbenwechsel auf die obere Kolbenfläche, so wird sich das obere Ventil nur dann öffnen, wenn die Dampfspannung im Kolben nachgelassen haben sollte. Auf diese Weise werden die Liederungsringe beständig mit einer Kraft auswärts gedrückt, welche der Dampfspannung entspricht. Dadurch, daß man den Kolben innen höher machte als die Liederungsringe sind, würde man auch noch in Folge der größeren Fläche, auf welche der Dampf innen drückt, die Kraft, mit welcher die Liederungsringe an den Cylinder angedrückt werden, beliebig vergrößern können, wobei sie jedoch immer dem Dampfdrucke proportional bliebe.

(Die Idee solcher mit Ventilen versehener Kolben ist bei uns nicht neu, und, wenn ich nicht irre, schon bei Gebläsen, bei denen der elastische Körper Leder ist, ausgeführt. Einer häufigeren Anwendung dieses Kolbensystemes mag bei uns noch der Mangel elastischer Körper, die bei großer Hitze weder zu weich werden, noch zusammenschnurren, und das Mißtrauen gegen geschwefelten Kautschuk und geschwefelte Gutta-percha entgegenstehen. Zum Entfernen des in dem Kolben sich sammelnden Wassers müßte jedenfalls eine Vorrichtung getroffen werden. Walther.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: