Titel: Ueber die Anfertigung des Marineleims; von Winterfeld.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 115/Miszelle 10 (S. 397–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj115/mi115mi05_10
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Ueber die Anfertigung des Marineleims; von Winterfeld.

Mir will es scheinen, als ob die bekannt gewordene Patentbeschreibung über die Anfertigung des Jeffery'schen Marineleims104) nicht eben die besten Angaben enthält, was man vielleicht auch beabsichtigt Hatte. Die verschiedenen Sorten Marineleim, die ich in Mustern von Paris und London erhielt, bestätigten bei näherer Untersuchung meine Vermuthung. Es gelang mir bald einen Marineleim herzustellen, der ganz dasselbe was der englische war. Die Bestandtheile desselben sind nichts weiter als Steinkohlentheeröl, Kautschuk und Schellack.

Auf folgende Weise fertige ich den Marineleim an: man macht sich zunächst eine Auflösung von Kautschuk in Steinkohlentheeröl. Zu diesem Ende schneidet man Kautschuk in kleine Stücken und übergießt diese in einem metallenen Gefäß oder in einem Steintopf mit rectificirtem Steinkohlentheeröl von 0,80 spec. Gewicht. Die Auflösung kann durch Umrühren mit einem Stabe und gelindes Erwärmen befördert werden. Der erste Aufguß des Theeröls, den man bis ein wenig über die Kautschukstückchen gemacht hat, wird bald eingesogen. Die Stücke quellen auf, man erneuert wiederholt den Aufguß, und je nach der Art des verwendeten Kautschuks erhält man bei Anwendung von 1 Theil Kautschuk und 20 bis 25 Theilen Steinkohlentheeröl eine vollständige Auflösung, die als flüssiger Leim benutzt werden kann. Man drückt die Lösung durch ein Tuch, um etwaige Unreinigkeiten zu entfernen. In einem Kessel erhitzt man diesen flüssigen Leim und setzt unter Umrühren so viel Schellack nach und nach hinzu, als die Consistenz des zu erzielenden Produktes erfordert. Der Schellack braucht nicht ganz gepulvert zu werden, er erweicht in der Flüssigkeit sehr leicht und löst sich schnell auf.

Ein Tropfen der Mischung auf einen Glasscherben oder ein Stückchen Blech gibt dem Arbeiter Andeutung, ob die rechte Beschaffenheit des Leimes erreicht ist. Man kann zu dem Marineleim die dunkelsten und wohlfeilsten Gattungen Schellack verwenden. Andere wohlfeile Harze eignen sich nicht zu dieser Fabrication. Mit Colophonium erhält man eine schmierige Masse. Je rectificirter das Steinkohlentheeröl ist, desto besser wird der Leim. Aber auch ein bedeutend wasserhaltiges Steinkohlentheeröl ist fähig den Kautschuk aufzulösen. Schmelzt man aber in einer solchen Verbindung Schellack ein, so nimmt man ein Ausscheiden von Wasser wahr, wenn der erkaltete Leim durchschnitten oder zerrissen wird. Solcher Leim hat auch eine bedeutend geringere Bindekraft. (Berliner Gew.-, Industrie- u. Handelsbl. Bd. XVII S. 238.)

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Man vergl. polytechn. Journal Bd. LXXXV S. 461 und Bd. LXXXVII S. 157.

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