Titel: Ueber das vermeintliche Lebendigbegrabenwerden.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1850, Band 115/Miszelle 16 (S. 400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj115/mi115mi05_16

Ueber das vermeintliche Lebendigbegrabenwerden.

Der Umstand, daß man bisweilen Leichen in ihren Särgen umgedreht und ihre Gewänder in Unordnung findet, wurde lange Zeit einem Kampfe der Lebenskraft zugeschrieben, er ist aber oft bloß eine Wirkung der Fäulniß. Der Leichnam entwickelt nämlich ein Gas, durch dessen mechanische Kraft ähnliche Bewegungen wie beim lebenden Körper hervorgerufen werden können. In Leichnamen, welche lange im Wasser lagen, sagt Hr. Devergie, der Arzt in der Morgue zu Paris, hat dieses Gas eine solche Kraft, daß sie, wenn man sie nicht auf der Tafel befestigt, oft in die Höhe gehoben und dann auf den Boden hinabgeworfen werden; oft laufen Fremde, wenn sie sehen, daß Glieder sich bewegen, zum Aufseher und melden ihm voll Schrecken, daß eine Person am Leben sey. Alle Leichname erzeugen früher oder später Gas im Grabe; dasselbe treibt ihre Haut auf, bis sie zerreißt und zersprengt sogar bisweilen den Sarg. Wenn es sich mit Geräusch einen Ausweg verschaffte, so hielt man dieß für Stöhnen, man öffnete das Grab, die Lage des Leichnams bestätigte diese Meinung, und seine Zerrissenheit galt für einen Beweis, daß der Unglückliche sich verzweifelnd zerfleischte! (Athenaeum, 1849, Nr. 1140)

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